Giuliani pop

GITARRE & LAUTE ONLINE: Beiträge zu Neuerscheinungen (Notenausgaben, Bücher, CDs) auf den Gebieten Gitarre und/oder Laute, Berichte über Konzerte, Festivals und Wettbewerbe, Essays und Kommentare. Verschiedene Autoren, Chefredakteur (Verantwortlich im Sinne des Pressegesetzes): Dr. Peter Päffgen.

CD English SongsIm Moment wird er an der Düsseldorfer Oper als Xerxes in der gleichnamigen Oper von Georg Friedrich Händel gefeiert, im März gibt er den Nero in „Agrippina“, auch von Händel, in Gießen und ein paar Tage später singt er in der Chapelle Royale im Schloss Versailles in Giovanni Battista Pergolesis „Stabat Mater“. Die Rede ist von Valer Barna-Sabadus, dem neuen Stern am Himmel der Countertenöre, dem Liebling der Musikkritiker … oder, sagen wir, mindestens derjenigen, die ein Faible für Barockmusik haben. Die jedenfalls überhäufen ihn mit Huldigungen.

Jetzt liegt die dritte Produktion mit Barna-Sabadus bei OEHMS vor: „English Songs“ von Henry Purcell, Nicola Matteis und John Dowland:

… to touch, to kiss, to die …
Valer Barna-Sabadus, Countertenor; Olga Watts, Cembalo; Axel Wolf, Laute; Pavel Serbin, Barockcello
Aufgenommen im September 2012
OEHMS OC 870, im Vertrieb von NAXOS
… Muster an Klarheit und Tonschönheit …

Ensemble English SongsUnd tatsächlich: Die überschwänglichen Elogen der Kollegen sind nicht unberechtigt. Valder Barna-Sabadus ist, was sein Singen angeht, ein Muster an Klarheit und Tonschönheit … aber das ist es nicht allein. Er zelebriert jede Melodie, führt sie vor und kostet sie aus, und das tut er auf betörende Art. Durch sein bewusstes Einsetzen von Crescendi und Diminuendi auf einzelnen Tönen erzeugt er Spannungen, die der Musik eine enorme innere Kraft verleihen und dabei das Wechselspiel von harmonischer An- und Entspannung unterstützen oder ihm gelegentlich auch entgegenlaufen. Das alles gelingt Barna-Sabadus besonders in elegischen Passagen, aber auch in eher positiv orientierten, nicht der zeittypischen Grundhaltung verpflichteten Liedern, zum Beispiel in „I attempt from Love’s Sickness“ von Henry Purcell. Auch in diesem Lied beklagt der Sänger, er wolle sich von seiner „Love’s sickness“ befreien, das versucht er aber mit eher fröhlichem Gesang … obwohl er schließlich doch erkennen muss:

DVD Nupen Segovia 600x891The Christopher Nupen Films
Andrés Segovia in Portrait | Segovia at Los Olivos, The Song of the Guitar
Werke von Bach, Llobet, Ponce, Granados, Albéniz, Scarlatti, Rameau u.a.
Produziert 1967 (Segovia at Los Olivos) bzw. 1976 (The Song of the Guitar) [151 Minuten]
DVD, erschienen 2012, Allegro Films A15CN D, im Vertrieb von NAXOS
… üppig sinnliche Reise in die Vergangenheit …

Der Filmproduzent und Regisseur Christopher Nupen hat zwei Filme über Andrés Seogvia herausgebracht, beide zusammen sind jetzt (wieder einmal) auf DVD erhältlich. Sie gehören zu den zahlreichen Dokumentationen zu musikalischen Themen, die unter Nupens Regie entstanden sind. Als Letztes besprochen wurde hier im August 2012 sein Film über Niccolò Paganini.

Natürlich sind beide Segovia-Filme ältere Produktionen, schließlich ist der Maestro schon 1987 gestorben. Am 2. Juni 1987, um genau zu sein. Segovia war bei der ersten Produktion 75 Jahre alt, bei der zweiten schon 84 … und doch neige ich zu der Behauptung, er sei auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft gewesen, mindestens, was die ältere DVD angeht.
Los Olivos war Segovias Haus an der Costa Brava, das Haus, in dem er nach eigenen Angaben wegen seiner Konzertreisen viel zu wenig Zeit verbringen konnte. Man erlebt den Musiker live und privat … ein, sagen wir, ausgedehntes Interview mit zahlreichen musikalischen Einschüben. Alle Gespräche und Kommentare der Filme sind in englischer Sprache geführt, Untertitel gibt es ferner auf Deutsch, Spanisch, Französisch und Italienisch.Natürlich hat Segovia dabei seine Favourites gespielt, Stücke, die er wahrscheinlich hunderte Male in Konzerten dargeboten hatte und deren Wirkung auf das Publikum er definitiv kannte. Und er hat auch die Legenden erzählt, die er sicher ebenso oft in Interviews und Vorträgen verbreitet hatte. Einige davon haben sich im Laufe der Jahrzehnte, die Segovia als internationaler Künstler aktiv war, und in den Jahren danach als Un- oder Halbwahrheiten herausgestellt, aber sie gehören zu dem „Phänomen Segovia“ wie sein unnachahmlicher Ton, seine Freizügigkeit im Umgang mit dem Notentext und sein großzügiges Nutzen agogischer Freiheiten. Segovia war ein Kind des 19. Jahrhunderts und er ist im Bewusstsein der künstlerischen Revolution, die zu seiner Jugendzeit stattfand, groß geworden.

Buchtitel SchlegelAndreas Schlegel und Joachim Lüdtke: Die Laute in Europa 2: Lauten, Gitarren, Mandolinen und Cistern, The Lute in Europe 2: Lutes, Guitars, Mandolins and Citterns (2-sprachig: Deutsch und Englisch), (CH-) Menziken 2011, ISBN: 978-3-9523232-1-2, lutecorner, € 29,95

Für die erste Auflage dieses Buchs hat nur Andreas Schlegel verantwortlich gezeichnet, hier besprochen wurde der Titel in Gitarre & Laute PRINT XXIX/2007/Nº 2, S. 49—50. Für die zweite Auflage, die fünf Jahre nach der ersten jetzt vorliegt, war geplant, „die Laute nicht mehr isoliert, sondern im Zusammenhang mit anderen, verwandten Zupfinstrumenten darzustellen und ihre Geschichte bis in unsere Zeit fortzuschreiben“ [S. 4] und dafür war es nötig, Joachim Lüdtke als Co-Autor mit ins Boot zu holen, dazu eine ganze Reihe Mitarbeiter, die sich konkret mit einzelnen Kapiteln des Buches befasst haben: Kenneth Sparr zum Beispiel mit der Swedish Lute und Roman Turovsky mit dem Torban, der ukrainischen Theorbe.

So ist das Buch auf über 440 Seiten gewachsen – immer noch mit exzellentem Bildmaterial ausgestattet und komplett vierfarbig gedruckt, fadengeheftet, zweisprachig (deutsch und englisch) und mit einem Lesebändchen versehen … kurz: Da ist an Nichts gespart worden, außerdem sind die grundlegenden handwerklichen Gebote der schwarzen Kunst beachtet worden … und das alles für nicht einmal dreißig Euro!

Kein „Aber“? Ein paar Fragen drängen sich mir auf, und die haben zum Beispiel mit der Rundum-Betrachtung von Zupfinstrumenten zu tun, die von Schlegel & Co. vorgenommen wird. Von der mittelalterlichen Citole bis zum Stratocaster der Firma Fender Musical Instruments Corp.

Natürlich haben wir bei Erich Moritz von Hornbostel und Curt Sachs gelernt, dass Gitarren Lauten sind (Lauten aber keineswegs Gitarren), bestehen sie doch beide aus „einem Saitenträger und einem Resonanzkörper, die Saitenebene liegt der Decke parallel. […] Der Stiel ist halsartig an den Resonanzkörper angesetzt oder angeschnitzt.“ Gleichzeitig gehören sie zu den Querriegelinstrumenten … mit Ausnahme der „Chitarra battente“, bei der die Saiten am Corpus unterständig angebracht sind und die daher, organologisch betrachtet, zu den Fiedelabkömmlingen gezählt wird.

Max Robin & Jean-Philippe Watremez, Complete Django, Clamart, Patrick Moulou – Bookmakers International [mailto:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!], mit CD, 2010, im Vertrieb von MusicSales [MusicSales], € 39,95

Django 81 Themes 217x300Zu Djangos (1910—1953) hundertstem Geburtstag sind verschiedene Artikel erschienen, überall, in Jazz-Zeitschriften schon fast nicht mehr, aber sonst: ttt hat ihn gegehrt, die Zeit und auch die Süddeutsche! Und auch hier, in Gitarre-und-Laute-ONLINE sind zwei Django-Beiträge im Jubiläumsjahr veröffentlicht worden, einmal die Erinnerungen von Dietrich Schulz-Köhn und dann Peter Päffgens Besprechung der CD-Serie mit Originalaufnahmen von Django bei NAXOS. Das Buch, um das es jetzt geht, ist keine Biographie, auch kein Bildband. Es ist eine Sammlung der 81 bekanntesten und wichtigsten Titel von Django – alle dargestellt mit Melodien in Noten und in Tabulatur, dazu die harmonischen Verläufe mit Akkordbezeichnungen und „guitar boxes“, mit Akkordsymbolen. Die Akkordsymbole werden noch kurz und knapp erklärt, ebenso die Eigenheiten der Notation und der Tabulatur. Sogar die äquivalenten Notennamen (romanisch—germanisch) werden der Sicherheit halber erklärt: A=La, B=Si usw. Dann gibt es noch einen tabellarischen Überblick über das Leben Django Reinhardts. Am Schluss des Buches ist eine CD eingeschweißt mit gut zwanzig historischen Aufnahmen von und mit Django und Stéphane Grappelli sowie dem legendären Hot Club de France. Alle erklärenden Texte erscheinen parallel französisch und englisch, die Liste der Stücke alphabetisch und chronologisch. Dazwischen stehen Abdrucke von Plakaten und Platten-Covers sowie Fotos und Zeichnungen, auch Karikaturen, die den Maestro darstellen … ein perfektes Denkmal für den großen Musiker?

Berkeley 1925Lennox Berkeley: Sonatina for Guitar opus 52/1 (1957); Revised Edition hrsg. v. Peter Dickinson, London, 2012; Chester Music & Novello, ca. € 22,50

Die Sonatina für Gitarre solo hat Lennox Berkeley 1957 geschrieben. Julian Bream hatte vermutlich den Komponisten ermutigt, das Stück zu schreiben, ihm jedenfalls ist es gewidmet und er hat es uraufgeführt und als Erster eingespielt – im Jahr 1959, um genau zu sein, und zwar für RCA (RB16239/LM2448). Julian Bream hat mehr als einen Komponisten angeregt, für Gitarre zu schreiben, darunter Benjamin Britten, Reginald Smith Brindle und eben Lennox Berkeley, dessen Sonatina oft gespielt und mehrmals eingespielt worden ist … darunter von Graham Anthony Devine (NAXOS 8.557040) und Craig Ogden (CHANDOS CH 10261).

Ausgabe TitelseitePeter Dickinson, der Herausgeber der neuen, revidierten Ausgabe , berichtet, dass die meisten der bisherigen Interpreten die in der Partitur enthaltenen Satzfehler bereits erkannt und stillschweigend korrigiert haben. Trotzdem ist die neue Ausgabe herausgegeben worden, weil die Quellensituation für Interpreten und Verleger verwirrend war. So sind also in der neuen Ausgabe neun Korrekturen vorgenommen worden, die meisten davon sind nicht eingetragene Vorzeichen oder Tempoangaben, in einem Fall werden Akkorde analog zu einer Vergleichsstelle angeglichen. In der Ausgabe „Legendary Classical Guitar Solos“, in der die „Sonatina“ enthalten ist und die hier besprochen wurde, sind die Korrekturen noch nicht berücksichtigt.

Die Sonatina von Lennox Berkeley gehört zweifellos zu den bedeutenden Werken, die im 20. Jahrhundert für Gitarre solo geschrieben worden sind. Gerade bei solchen Kompositionen ist ein ständiges Aktualisieren der verfügbaren Ausgaben wichtig.

Albert Duo spielt Albert Duos CD CoverAlbert-Duo mit Alberts Duos
Heinrich Albert: 8 Duos for Guitars
Heinrich Albert-Duo (Joachim Schrader & Jan Erler)
Aufgenommen im Januar 2006
MDG 603 1429-02, im Vertrieb von CODAEX
… Dem Heinrich-Albert-Duo kann man nur gratulieren zu dieser Aufnahme …

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Heinrich Albert: Duette für zwei Primgitarren (alle in Stimmen, keine Partitur)
Duo Nº 1 C-Dur (leicht bis mittelschwer), Frankfurt 1919/Nachdruck hrsg. v. Andreas Stevens, Frankfurt 2012, Zimmermann ZM 11330, € 6,50
Ders., Duo Nº 2 a-Moll (leicht bis mittelschwer), Frankfurt o.J., Zimmermann ZM11340, € 6,50
Ders., Duo Nº 3 C-Dur (mittelschwer), Frankfurt o.J., Zimmermann ZM 11350, € 6,50
Ders., Duo Nº 4 G-Dur (mittelschwer), Frankfurt o.J., Zimmermann ZM 11360, € 6,50
Ders., Duo Nº 5 e-Moll (mittelschwer), Frankfurt o.J., Zimmermann ZM 11370, € 6,50
Ders., Duo Nº 6 D-Dur (mittelschwer), Frankfurt, o.J., Zimmermann ZM 11380, € 6,50
Ders., Duo Nº 7 A-Dur (mittel bis schwer), Frankfurt, o.J., Zimmermann ZM 11390, € 6,50
Ders. Duo Nº 8, E-Dur (schwer), Frankfurt, o.J., Zimmermann ZM 11400, € 6,50

Albert Uraufführung KopieNein, natürlich – möchte ich fast sagen – hat das Heinrich Albert-Duo Stücke von Heinrich Albert eingespielt! Ich habe in meiner Besprechung der anderen CDs des Duos behauptet, es habe den Namen des Gitarristen, Komponisten und Gitarren-Pädagogen als Ensemble-Namen gewählt, allerdings „bisher keine Komposition von Albert aufgenommen“. Ich bin von verschiedenen Lesern auf diesen Fehler aufmerksam gemacht worden und das Label, MDG, hat mir sofort die Albert-CD des Albert-Duos geschickt. Danke!

Das vorliegende Interview wurde geführt am 26. April 2012 vor dem Hohen Dom zu Köln. Es war ein angenehm warmer Frühlingstag und wir, das heißt Thorsten Drücker und Peter Päffgen, der die Fragen stellte, saßen dort auf der Terrasse des Café Reichard. [Foto: Peter Päffgen, Thorsten Drücker und Rasmus Baumann am 26. April 2012 in der Kölner Philharmonie. Foto: © 2012 by Dorothea Päffgen]

PPn: Heute Abend spielen Sie in der Kölner Philharmonie Rockgitarre. Auf dem Programm steht ein Konzert mit dem WDR-Orchester und gegeben werden Klassiker der Rockmusik. Im März habe ich eine CD besprochen, auf der Sie als Solist mit dem gleichen Orchester drei „klassische” Konzerte für Gitarre und Orchester gespielt haben. Ist diese Vielseitigkeit ungewöhnlich?

Thorsten PhilharmonieTDr: Rockgitarre habe ich eigentlich immer gespielt, aber eher nebenher. Aber als ich so zwischen sechzehn und Mitte zwanzig war, war das ja auch das, womit man sich so beschäftigte. Ich habe Gitarre gespielt, weil es mir Spaß machte. Und dann war ich plötzlich sehr ehrgeizig auf dem Konzertgitarrengebiet. Ich habe ja bei Ulrich Müller in Osnabrück studiert und dann bei MichaelTröster. Dann habe ich sehr viele Wettbewerb gespielt und auch hie und dort Preise gewonnen. Ich weiß ja mittlerweile, dass Kollegen die große Tour durch die internationalen Wettbewerbe machen … mir fällt da Marcin Dylla ein … und dann doch nicht die Garantie für eine Karriere wie John Williams in der Taschen haben.

PPn: Na ja, viele Gitarristen haben die Wettbewerbe aber wegen der Knete gespielt. Die haben mit den Preisgeldern ihr Studium finanziert.

TDr: Sicher! Aber das Spielen in Wettbewerben ist ein Nervenspiel. Es gibt Kollegen, die spielen in Wettbewerben so, wie zuhause im Wohnzimmer. Das kann nicht jeder.

Foto YANGSi Ji Dean KameiXuefei Yang: Si Ji
Werke von Wang Huiran, He Luting, Dietmar Ungerank, Evan Hirschelman, Stephen Goss, Carlo Domeniconi, Stephen Funk Pearson und Thierry Rougier
Erschienen 2005
GSP Recordings GSP 1028CD

Xuefei Yang: Romance de Amor
Werke von Albéniz, Tárrega, Rodrigo Myers, Sagreras, Jorge Milchberg, Barrios, Deng Li u.a.
Erschienen 2006
EMI 0946 3 70714 2 7

EMI Xuefei 40 DegreesXuefei Yang: 40 Degrees North
Werke von Albéniz, Goss, Tárrega, He Zhanhao, Granados, Wang Huiran, Huang Zi, Wang Luobin
Aufgenommen im Januar 2008
EMI 50999 2 06322 2 9

Xuefei Yang/Rodrigo: Concierto de Aranjuez
mit Orquesta Simfónica de Barcelona I Nacional de Catalunya; Eiji Oue
Aufgenomen im Juli 2010
EMI 50999 6 98361 2 1

Xuefei Yang: Bach Concertos
mit: Elias String Quartet
BWV 1052, 846, 1042, 1001, 1041
Aufgenommen im Oktober 2011, erschienen 2012
EMI 50999 6 79018 2 1
… Mischung aus Sportivem und Elegischem …

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EMI Xuefei Rodrigo„Xuefei Yang gehört zu den erfolgreichsten Gitarristinnen der Welt“ – so heißt es im Booklet ihrer neuen Bach-CD. In Peking hat sie studiert und dort sind ein paar Leute auf sie aufmerksam geworden. Der spanische Botschafter in China zum Beispiel, der ihr nach einem Konzert „spontan eine Konzertgitarre“ geschenkt hat. Und John Williams, der, als er sie erstmalig gehört hatte, dem Zentralkonservatorium in Peking zwei seiner eigenen Instrumente geschenkt hat. Heute noch (zum Beispiel auf der Bach-CD) spielt sie eine Gitarre von Greg Smallman, dem John Williams, wie wir wissen, durchaus nahesteht. Aber sie spielt auch Gitarren von Karl-Heinz Roemmich und Paul Fischer. Schließlich hat Xuefei Yang noch als erste Chinesin ein Postgraduierten-Stipendium an die Royal Academy of Music in London bekommen, wo sie seitdem lebt.

Besprechung vorbehalten

Osvaldas Balakauskas, Odyssey I für Flöte, Gitarre und Streichquartett, Berlin, Verlag Neue Musik, 2012, Reihe: Collection Reinbert Evers, NM 1376
Thomas Battenstein (Hrsg.), Stille Nacht, 50 Advents- und Weihnachtslieder. Gitarrenmusik instrumental, stimmungsvoll arrangiert (mit Audio-CD), Düsseldorf, 1991, NA 2012, BOE 7655
Vladimir Guicheff Bogacz, Se murió aquel manchego, aquel estrafalario fantasma del desierto y … für Gitarre, Berlin, Verlag Neue Musik, 2012, Collection Reinbert Evers, NM 1602
Sergio Bosser, Piezas del Paraná, herausgegeben von Maximilian Mangold und Mirjam Schröder, Berlin, Verlag Neue Musik, 2012, Reihe: Gitarre & Harfe, NM 1493
Alois Bröder, Drei Spiele für Baritonsaxophon, Gitarre, Violoncello und Klavier (1996), Berlin, Verlag Neue Musik, 2012, NM 1579
Rafael Catalá Salvá, música para un Poema: Poema de la Seguiriya Gitana, Wien, 2012, Doblinger, D. 19 909
Enrique Granados, Capricho Española (Spanische Caprice), herausgegeben von Oliver Eidam, Lilienthal/Bremen, 2012, Eres Edition, Eres 2993
Enrique Granados, Spanischer Tanz Nº 2 (Oriental), herausgegeben von Oliver Eidam, Lilienthal/Bremen, 2012, Eres Edition, Eres 2992
Thomas Nathan Krüger, hör|sicht für Gitarre solo, Berlin, Verlag Neue Musik, 2012, NM 1623
Mayako Kubo, Schiffbruch für Gitarre solo, Berlin, Verlag Neue Musik, 2012, NM 1544
Andy Mayerl (Hrsg.), Jazz Club: Jazz spielend erlernen (mit zwei Audio-CD), herausgegeben von Christian Wegscheider, Manching, Dux, 2012, DUX 453
Tobias Morgenstern, Trio für Oboe, Gitarre und Akkordeon, Berlin, Verlag Neue Musik, 2012, NM 1309
Hubert Pfluger (Hrsg.), Advent- und Weihnachten mit der Tiroler Harfe (Volksharfe) (mit Audio-CD), Manching, 2012, Musikverlag Josef Preissler, JP 6218
Axel D. Ruoff, CREDO für Vibraphon und Gitarre, Berlin, Verlag Neue Musik, 2012, Collection Reinbert Evers, NM 1570
Narciso Saúl, Suite para arpa y guitarra, herausgegeben von Maximilian Mangold und Mirjam Schröder, Berlin, Verlag Neue Musik, 2012, Reihe: Gitarre & Harfe, NM 1524
Domenico Scarlatti, Sonatas K 303, 208, 27, herausgegeben von Oliver Eidam, Lilienthal/Bremen, 2012, Eres Edition, Eres 2994
Will Schmid (Hrsg.), Leichte Pop-Melodien. Ergänzung zu allen Gitarrenmethoden (mit Audio-CD), Berlin, 2012, Bosworth, BOE 7627
Will Schmid (Hrsg.), Leichte Pop-Rhythmen. Ergänzung zu allen Gitarrenmethoden (mit Audio-CD), Berlin, 2012, Bosworth, BOE7628

stuco couvertureErik Pierre Hofmann, Pascal Mougin, Stefan Hackl: Staufffer & Co. – Die Wiener Gitarre des 19. Jahrhunderts (in drei Sprachen: Französisch, Deutsch, Englisch) Germolles-sur-Grosne 2011 [2012], Éditions des Robins, ISBN 978-2-9538868-0-1, € 195,–

Das „Buch der Bücher“ würde ich diesen Folianten nennen … wäre der Begriff nicht längst für ein anderes literarisches Werk in Benutz! Und vielleicht wäre er auch etwas arg vollmundig … wo er doch für "Stauffer & Co." nur Gitarrenaffinen aus dem Herzen spräche und Bibliophilen.

Für Bibliophile? Stauffer & Co ist in vielerlei Hinsicht ein Superlativ. Es hat noch nie ein größeres, schwereres und üppiger ausgestattetes Buch über einen Aspekt der Gitarrenforschung gegeben. Um das zu behaupten, muss ich nicht erst meine Bibliothek konsultieren, es ist einfach das erste Buch, das hier erstens auf kein Regalbrett passt, das zweitens wegen Übergewichts nicht mehr als Büchersendung versendet werden könnte und das drittens so durchgehend mit Farbabbildungen ausgestattet ist wie ein Kochbuch von Jamie Oliver, das in Zigtausenden hergestellt und verkauft wird. Von „Stauffer & Co“ sind gerade einmal 1200 Exemplare gemacht worden, davon zweihundert signiert von allen Autoren. Und dies, die limitierte Auflage und die Tatsache, dass eine nummerierte Teilauflage handsigniert (oder muss man sagen „händesigniert“?) angeboten wird, zeigt, dass die Autoren, die in einer Person Verleger, Setzer, Gestalter usw. usw. sind, in keiner Weise ein Industrieprodukt namens Buch in den Handel gegeben haben, sondern ein Kunstwerk! Eine Subskribentenliste, in der all diejenigen vielleicht gern ihre Namen gefunden hätten, die im Voraus ein Exemplar bestellt, bezahlt und damit das verlegerische Risiko mitgetragen haben, wird nicht geliefert. Aber natürlich hat es Subskribenten gegeben, nur haben die in vornehmer Bescheidenheit ungenannt ihre Scherflein zum Gelingen des Buches beigetragen.

Dabei könnten Sie stolz sein! Es ist ein wunderbares Buch geworden. Und für das, was es ist, kann man nicht einmal von einem überteuerten Produkt reden, keineswegs! „Stauffer & Co.“ ist in feines Linnen gehüllt, fadengeheftet und auf schweres Kunstdruckpapier durchgehend vierfarbig gedruckt. Alle Fotos sind in professioneller Qualität für das Buch angefertigt, schriftliche Dokumente (Notenausgaben, Handschriften, standesamtliche Urkunden usw.) im Original gescannt (oder fotografiert und gescannt) und schließlich ebenso vierfarbig gedruckt worden. Es ist an nichts gespart worden!

Henze Hans Werner geringe AuflVon Christiane Krautscheid

„Sehnsucht nach dem vollen, wilden Wohlklang”
Zum Tod des Komponisten Hans Werner Henze

Mit Hans Werner Henze ist einer der vielseitigsten und wirkungsvollsten Komponisten unserer Zeit gestorben. Henzes grenzenlose musikalische Phantasie hat während seiner langen künstlerischen Laufbahn in der Komposition von über vierzig Bühnenwerken und zehn Symphonien, in Konzerten, Kammermusik, Oratorien, Liederzyklen und einem aus neun Konzerten bestehenden Requiem Ausdruck gefunden. In unvergleichlicher Weise verbinden sich in seinem Werk zeitlose Schönheit und zeitgebundenes Engagement. In seiner selbst gewählten mediterranen Lebenswelt in der Nähe von Rom fand er gemeinsam mit seinem langjährigen Lebensbegleiter Fausto Moroni die harmonische Balance von Kunst und Leben; Anteil nehmend an den Ereignissen der Welt, immer wieder eintauchend in die Welt der Töne und Klänge.

War er in erster Linie Opernkomponist oder doch vor allem, wie immer wieder geschrieben wird, der letzte große Sinfoniker? Hans Werner Henze hat das Musikdrama ebenso wie die Vielfalt instrumentaler Gattungen zu allen Zeiten seiner Laufbahn gepflegt und in wechselseitiger Befruchtung zur vollen ästhetischen Entfaltung gebracht. "Vieles wandert aus dem Konzertsaal auf die Bühne und umgekehrt", befand er über seinen Kompositionsstil. Die kongeniale Zusammenarbeit mit der Dichterin Ingeborg Bachmann bei den Opern Der Prinz von Homburg (1958/59), und Der junge Lord (1964) zählt ebenso zu den Höhepunkten seines Schaffens wie die Musikdramen Elegie für junge Liebende (1959-61) und Die Bassariden (1964-65).

Diaz Paeffgen Carora 2000Stefano Picciano: Alirio Díaz through Folk and Classical Music, Translation by Enrico Selleri, Bologna 2011, Ut Oprheus, LB 10, ISBN 978-88-8109-471-4, € 19,95
— dass. italienische Ausgabe, Alirio Díaz tra musica popolare e musica colta, LB 09, € 19,95
— dass. französische Ausgabe, Alirio Díaz entre musique populaire et musique cultivée, LB 11, € 19,95
— dass. spanische Ausgabe, Alirio Díaz entre la música popular y la música culta, LB 12, € 19,95

Alirio Díaz wird im nächsten Jahr – am 12. November, um genau zu sein – neunzig Jahre alt. Grund genug, dieser wichtigen Persönlichkeit der internationalen Gitarrenszene einen Moment Aufmerksamkeit zu schenken!

Alirio BuchtitelIn La Candelaria, ungefähr dreißig Kilometer von Carora in Venezuela entfernt, wurde Alirio Díaz geboren. Die wirtschaftlichen Verhältnisse im Land waren in den zwanziger Jahren katastrophal und so blieb Alirio wie seinen zehn Brüdern nichts anderes, als mit Feldarbeit ihre Familie zu unterstützen. Mais und Kartoffeln wurden angebaut, eine Schule gab es nicht. Bei Verwandten lernte der Junge Lesen und Schreiben, er erwies sich als neugierig und wollte lernen.

In den venezolanischen Dörfern und kleineren Städten gehörte es zur Tradition, dass man sich von der harten Arbeit erholte, indem man Lieder sang und tanzte. Irgendjemand nahm eine Gitarre und spielte … nach Gehör natürlich, denn Musikunterricht gab es nicht und niemand konnte Noten lesen. Auf jeden Fall wurde so irgendwie eine Renaissance venezolanischer Folklore und Kunst vorbereitet. Unter der rigiden Führung von General Gómez, der Venezuela von 1908 bis 1935 regierte, war das Land isoliert von allen künstlerischen Kontakten, aber eine Änderung der Verhältnisse zeichnete sich ab. Personen wie der Musiker Vicente Emilio Sojo (1887—1974), der das Orquesta Sinfónica Venezuela gegründet hat und der sich für eine Dokumentation venezolanischer Folklore einsetzte, bewirkten den gewünschten kulturellen Umschwung. Sojo harmonisierte mehr als 250 Volksmelodien, die Alirio Díaz später für Gitarre bearbeitete.

CD BailesLute Music of the Netherlands
Anthony Bailes, Laute
Werke von Joachim van den Hove, Emanuel Adriaenssen, Nicolas Vallet, Gregorio Huwet und aus dem Thysius Lautenbuch
Erschienen 2012
CARPE DIEM CD-16289, im Vertrieb von NAXOS
… Bailes lädt seine Hörer zu sich ein und spielt …

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Das Thysius-Lautenbuch, mit Stücken aus dieser Handschrift beginnt Anthony Bailes das Programm seiner neuesten CD, ist eine für seine Entstehungszeit typische Sammelhandschrift. Sie enthält Stücke aus dem damals überblickbaren europäischen Umfeld und Intavolierungen von populären Chansons und Madrigalen, Tänze und Fantasien. Geschrieben hat sie ein Geistlicher namens Adriaan Joriszoon Smout (1580—1646), ihren Namen hat sie aber erst durch ihren Erwerber, den Sammler Joan Thijs (latinisiert Johannes Thysius) (1622—1651) erhalten, dessen „Biblioteca Thysiana“ heute noch in seiner Heimatstadt Leyden existiert.

Untypisch ist das Thysius-Lautenbuch ob seines Umfangs. Es umfasst mehr als 900 Stücke für fünf- bis siebenchörige Laute, geschrieben in französischer Tabulatur. Damit ist die Handschrift eine der umfangreichsten Quellen von Lautenmusik überhaupt.

raquelandueza100 v ARDFotogalerieWDR-Funkhauskonzert Alte Musik |26. Oktober 2012 | 18:00h | „Yo soy la locura“: Musik im Spanien des 17. Jahrhunderts | Raquel Andueza, Sopran; La Galanía | Sendung: 24. November 2012 | 18:05h | WDR3 Vesper

Barockgitarre ist die Gitarre mit fünf Saitenpaaren (Chören) erst genannt worden, als sie schon lange nicht mehr in Benutz war.

Nachdem gegen 1600 jemand auf die Idee gekommen war, das bis dahin vierchörige Instrument um einen Chor zu erweitern, war man sich in Spanien und in Italien einig, dass dies in Spanien geschehen sein musste, nannte man doch das neue Instrument „guitarra española“ oder „chitarra spagnuola“. In Frankreich wurde die fünfchörige Gitarre erst später bekannt, danach war sie aber auch dort beliebt und sogar in höfischen Kreisen hoch geschätzt.

Weiter im Norden hat das Instrument sich dagegen nie wirklich etablieren können. In Deutschland bedachte man es sogar mit abfälligen Bemerkungen. Michael Praetorius meinte 1619, die Gitarre würde in Italien nur von ‚Comœdianten und Possenreissern’ benutzt und Johann Mattheson schrieb rund hundert Jahre später sogar, er wolle „die platten Guitarren mit ihrem Strump Strump den Spaniern gern beim Knoblauch-Schmauß überlassen“.

Javier Riba CDAljibe de Madera – Homenaje a Andrés Segovia
Javier Riba, Guitarra Vicente Arias (Madrid, 1900)
Werke von Tárrega, Debussy, de Falla, Halffter, José Maria Franco, Vicente Arregui, Gaspar Cassadó, Adolfo Salazar, Pedro Sanjuan, Albéniz
Aufgenommen im Februar 2012
Tritó TD 0094
… in fast klassischer Manier, sehr sensibel, sehr detailgenau …

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Andrés Segovias Todestag hat sich am 2. Juni 2012 zum fünfundzwanzigsten Mal gejährt. Seinem Andenken ist diese CD gewidmet. Sie enthält, und dafür muss man dem Interpreten und den Verantwortlichen des Labels danken, nicht die „großen Werke“ seines Repertoires, die Chaconne etwa, Stücke von Federico Moreno Torroba oder Manuel Ponce, nein, Javier Riba hat Stücke aus Segovias Jugendzeit ausgewählt, Stücke, die heute zum Teil vergessen sind.

Kennen Sie beispielsweise die „Romanza“ von José Maria Franco (1894—1971), die Segovia – das verrät Angelo Gilardino im Booklet – auf seiner zweiten Argentinien-Tournee im Jahr 1921 gespielt hat? Oder die Barcarolle „Canço en el mar“ von Jaume Pahissa (1880—1969)? Sie gehörte in Segovias „repertorio oculto“, sein geheimes Repertoire, das er nie spielte oder auf Platte aufnahm. Über Pahissa schrieb Segovia sogar in seiner Autobiographie (New York 1976), dieser sei nie interessiert gewesen, für Soloinstrumente zu schreiben oder für Kammermusikgruppen … dabei war das Manuskript von Pahissas „Canço en el mar“ schon seit 1919, also über fünfzig Jahre im Besitz des Gitarristen.

Segovia Llobet Pujol und Fortea DUPLEXJavier Riba spielt auf einer besonderen Gitarre, einem Instrument von Vicente Arias aus dem Jahr 1900. Genau dieses Instrument soll es gewesen sein, auf dem ein Anwalt namens Gabriel Ruiz de Almodóvar im Jahr 1905 im Beisein des jungen Segovia gespielt hat. Segovia schrieb über diese Begegnung in seinen schon zitierten Memoiren: „What a wonderful discovery it was for me to hear him play one of Tárrega’s preludes“ – es war die erste Begegnung des Zwölfjährigen mit klassischer Gitarrenmusik und vermutlich auch seine erste mit Tárrega.

Soundboard XXXVIII 2012 3 400x515(Ausgabe hier eingegangen am 10. November 2012) Christopher Parkening ist in die „Guitar Foundation of America Hall of Fame“ aufgenommen worden. Während der Feier hat er seinen Rücktritt von der Bühne bekannt gegeben.

Walter Aaron Clark und William Craig Krause geben einen Einblick in ihre Arbeit an dem gerade erschienenen Buch „Federico Moreno Torroba: A Musical Life in Three Acts“ (Oxford University Press, 2012), der ersten Größeren Veröffentlichung über Leben und Werk des Komponisten, der bekanntlich für Andrés Segovia und für die Gitarre im 20. Jahrhundert eine bedeutende Rolle gespielt hat. Ihr Artikel: Federico Moreno Torroba and Andrés Segovia in the 1920s: A Turning Point in Guitar History (S. 8—13) behandelt besonders die über hundert Werke für Gitarre [!], die Moreno Torroba geschrieben hat und von denen viele nie entstanden wären, hätte der Komponist Andrés Segovia nicht kennen gelernt. Moreno Torroba hat „eigentlich“ Zarzuelas geschrieben, von denen hier schon die Rede war. Diese Kunstform ist aber in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts völlig aus der Mode gekommen und er konzentrierte sich immer ausschließlicher auf Gitarrenmusik … und das auch mit anderen Gitarristen als Segovia.

Moreno Torrobas Bekanntschaft mit Segovia, und darauf konzentrieren sich die Autoren in ihrem Artikel, begann ca. 1920 und damit änderte sich die Lebens- und Schaffensgeschichte des Komponisten und gleichzeitig die Geschichte der Gitarre.

Moreno Torroba, der sich selbst immer Torroba nannte, war in eine mittelständische Familie geboren worden. Seine Eltern hatten musikalisches Talent, sein Vater war Orgellehrer am Konservatorium der Stadt Madrid und komponierte für lokale Theater. Federico hatte die Begabung geerbt und begann schon als Heranwachsender zu komponieren. Ein erstes Bühnenstück, „Las decididas“ wurde 1912 am Teatro Lara in Madrid aufgeführt. Federico war 21 Jahre alt. Danach nahm er privaten Kompositionsunterricht. Kurz nach der Uraufführung eines seiner Orchesterwerke haben sich Moreno Torroba und Segovia kennen gelernt und sich angefreundet.