Giuliani pop

GITARRE & LAUTE ONLINE: Beiträge zu Neuerscheinungen (Notenausgaben, Bücher, CDs) auf den Gebieten Gitarre und/oder Laute, Berichte über Konzerte, Festivals und Wettbewerbe, Essays und Kommentare. Verschiedene Autoren, Chefredakteur (Verantwortlich im Sinne des Pressegesetzes): Dr. Peter Päffgen.

Quatuor Eclisses Invitation Francaise CDQuatuor Eclisses: Invitation Française
Werke von Saint-Saëns, Debussy, Fauré, Ravel und Bizet
Aufgenommen im August 2014, erschienen 2015
AD VITAM RECORDS AV150715
… Die Einladung dieses Ensembles sollten Sie jedenfalls annehmen! …

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Die fünf an diesem Programm beteiligten Komponisten entstammen einer Generation:

Saint-Saëns (1835–1921): „Danse Macabre“ von 1875
Bizet (1838–1875): Auszüge aus „Carmen“ von 1875
Fauré (1845–1924): „Barcarolle Nº 1“von 1880
Debussy (1862–1918): „Suite Bergamasque“von 1890
Ravel (1875–1937): „Alborada del gracioso“ von 1905

Sie alle sind entweder in Paris geboren oder haben lange dort gelebt und gearbeitet. Paris war zu ihrer Zeit die kulturelle Hauptstadt Europas, hier wurde man Zeuge großer Umwälzungen und Entdeckungen, hier wurde die Moderne geboren.

Der Name Maurice Ravels steht auf dem Programm ganz oben. Von ihm wird gegeben: „Alborada del gracioso“ („Morgenlied des Narren“) aus dem Zyklus „Miroirs“ („Spiegel“), das Ravel 1919 wie den Satz „Une barque sur l’ocean“ („Eine Barke auf dem Ozean“) zusätzlich zur originalen Klavierversion orchestriert hat. In dieser Fassung ist „Alborada del gracioso“ schließlich berühmt geworden und heute noch ein beliebtes Repertoirewerk. Die ursprüngliche Version für Klavier ist spieltechnisch außerordentlich anspruchsvoll und war vielleicht daher nicht nachhaltig erfolgreich. Bei YouTube kann man eine Aufnahme des Stücks mit dem West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim hören (London, Proms, 2014) und sich von der Wirkung des Werks überzeugen. Diese Aufnahme hat heute eine nicht vorhergesehene Aktualität, die ich erwähnen möchte. Das Orchester besteht nämlich aus jungen Israelis, Palästinensern und Arabern und wirbt nicht nur für die wunderbare Musik, die es macht, sondern auch für den bedingungslosen und unbelasteten Umgang, den man miteinander pflegt. Chapeau! Ich habe Barenboim mit dem Orchester vor einigen Monaten in der Kölner Philharmonie gehört und dort gab es Beethoven – es war nicht nur eine wunderbare Begegnung auf menschlicher Ebene, es war ansteckend vitale Musik wie auch in der Aufnahme von „Alborada del gracioso“.

Ekachai Jearakul CDLaureate Series – Guitar
Ekachai Jearakul, 2014 Winner Guitar Foundation of America (GFA) Competition
Werke von Weiss; Mertz, Berkeley, Legnani, Brouwer und H.M. King Bhumipol
Aufgenommen im November 2014, erschienen 2015
Gitarre:
Matthias Dammann
NAXOS 8.573481
… Musiker mit enormem Potential …

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Ekachai Jearakul spielt kraftvoll und virtuos; klanglich ausgewogen und kulinarisch … aber leider, seine Musik wirkt irgendwie seelenlos und weit entfernt von dem, was die Stücke seines Programms versprechen. „Wie am Schnürchen“ läuft die Musik an einem vorüber, als Töne sozusagen, die wie Perlen zu einer Kette zusammengefügt sind … nur sind es gleichgroße Perlen, die eher amorphe Reihen ergeben, als organisch gewachsene Musik. Er gehört nicht zu der Spezies Jungvirtuosen, die sich gockelhaft in ihrer eigenen Behändigkeit suhlen; auch nicht zu denen, die im selbst erzeugten und dosierten Wohlklang baden. Keineswegs! Aber Ekachai Jearakul ist nicht wirklich präzise, was, Akzentuierungen und Phrasierungen angeht. Zu oft lässt er seine Interpretationen von Aspekten der spieltechnischen Machbarkeit beeinflussen oder gar bestimmen; zu oft spielt er beispielsweise schneller, wenn’s das Stück hergibt.

The Galant Lute CDVinícius Perez
The Galant Lute
Werke von Haydn, Kohaut, Mozart und Scheidler
Aufgenommen im Mai 2015
KLANGLOGO KL1515, im Vertrieb von NAXOS
Seine Debüt-CD jedenfalls sollten Sie sich gönnen!

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Diese CD nimmt für sich ein, bevor man einen Ton gehört hat! Als Titelbild ist nicht eines der überstrapazierten Lautenbilder von Caravaggio oder Bernardo Strozzi, um nur Bespiele zu nennen, verwendet worden, sondern ein Gemälde, das weitgehend unbekannt ist. Es heißt „Lady with a Lute“ und ist von Thomas Wilmer Dewing aus dem Jahr 1886 [!]; Lautenmusik der galanten Zeit ist verschiedentlich schon aufgenommen worden … nur hat sie bisher keiner im Titel der daraus entstandenen CDs auch so genannt. Die hießen eher „Spätbarocke Lautenmusik“ oder ähnlich; Und außerdem: Der Solist ist eine bisher unbekannte Größe im internationalen Geschäft und allein daher von Interesse. Außerdem kommt er aus Brasilien – für mich bisher kein „sicheres Herkunftsland“, was Lautenisten angeht!

Was ist überhaupt eine galante Laute – so heißt die CD schließlich? Ein solches Instrument hat es, genau genommen, nie gegeben. Ein „Galant Homme“ zu sein galt hingegen im 18. Jahrhundert als äußerst erstrebenswertes Ziel … dabei wusste niemand genau, was damit gemeint war. Christian Thomasius („Von [der] Nachahmung der Franzosen“, Leipzig 1687) beklagte sogar, das Wort galant sei „bey uns teutschen so gemein und so sehr gemißbraucht worden, daß es von Hund und Katzen, von Pantoffeln, von Tisch und Bäncken, von Feder und Dinten, und ich weiß endlich nicht, ob nicht auch von Äpffel und Birnen zum öfftern gesagt wird. So scheinet auch, als wenn die Frantzosen selbst nicht einig wären, worinnen eigentlich die wahrhafftige galanterie bestehe …

WeihnachtsliederSebastian Müller (Hrsg.)
Das Weihnachtsliederbuch für Alt und Jung
70 leicht arrangierte Weihnachtslieder für Gesang und Gitarre
Mainz u.a., 2014, Schott
ED22026, ISBN 978-3-7957-4904-0, € 14,99

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Über das Fetenbuch für Alt und Jung ist hier schon berichtet worden. Jetzt steht das Fest vor der Tür (gemeint ist nicht der 11.11.!) … und damit wird das Weihnachtsliederbuch, das schon vor einem Jahr erschienen ist, hier aber nicht besprochen werden konnte, wieder aktuell. Die Ausstattung ist die gleiche, wie bei den Fetenliedern, das Programm umfasst die deutschen Traditionals wie „Alle Jahre wieder”, „Am Weihnachtsbaume, die Lichter brennen” oder „Es ist ein Ros' entsprungen”, dazu aber auch die neudeutschen Christmas-Songs: „Happy Xmas”, „Jingle Bells” oder „Rudolph, The Red-Nosed Reindeer”. Alles, was man braucht!

Tarrega Portrait2Francisco Tárrega: Guitar Edition
Giulio Tampalini
Aufgenommen im März 2014, erschienen 2015
Gitarre: Philip Woodfield 2010
BRILLIANT CLASSICS 4 CD 94336
… eloquent und in purstem Wohlklang …

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Dies ist nicht die erste Einspielung sämtlicher Werke von Francisco Tárrega – und es ist nicht einmal die erste von Giulio Tampalini. Er selbst hat, so heißt es im Booklet, im Jahr 2003 schon einmal alles eingespielt, was damals von Tárrega bekannt und verfügbar war (Francisco Tárrega, Complete Works for Guitar, Concerto Editions CD2001-2), gut elf Jahre vor der jetzt vorliegenden neuen Edition. Damals, 2003, waren es zwei CDs, jetzt sind es vier. Hinzugekommen sind Transkriptionen: Chopin, Schumann, Beethoven, Schubert, Bach, Mozart, Haydn, Händel, Mendelssohn, Bizet, Wagner und diverse andere.

Tarrega Tampalini CDDie beiden ersten CDs der neuen Aufnahme (Originalkompositionen) enthalten – wie kann es anders sein – weitgehend die gleichen Stücke wie die CDs von 2003. Ein paar sind anders einsortiert, zugeschrieben oder kommentiert; einige Trouvaillen der letzten Jahre, sind hinzugekommen.

Francisco Tárrega hat nur für Gitarre komponiert. Er hat auch viele Stücke, die eigentlich von anderen Komponisten für andere Besetzungen geschrieben waren, für sein Instrument eingerichtet – und das oft, ohne expressis verbis anzugeben, dass es sich um Transkriptionen handelte und wer die Urheber der jeweiligen Originalwerke waren. Dass beispielsweise Tárregas Prelude „Oremus“ „eigentlich“ von Robert Schumann stammt und bei diesem „Phantasietanz“ (op. 124, Nº 5) geheißen hat, ist erst lange nach Tárregas Tod bekannt geworden. Angelo Gilardino, der Autor des sehr informativen Begleittextes zu der CD-Sammlung von Tampalini, berichtet weiter von Tárregas „Jota aragonesa“, von „La Cartagenera (sobre temas populares murcianos)“ oder der „Fantasía sobre motivos de La traviata.“ Auch bei diesen Werken von Tárrega haben Kollegen mitgearbeitet.

La Guitarra dels Lleons CDLa guitarra dels Lleons
Xavier Díaz-Latorre, guitarras; Pedro Estevan, percussión
Werke von Isaac Albéniz, Gaspar Sanz, Fernando Sor, Santiago de Murcia und Francisco Guerau
Aufgenommen zwischen 2011 und 2013 im Museu de la Música de Barcelona
Gitarren von Antonio de Torres; anon. Guitarra de los Leones ca. 1700; Josef Pagés; anon. Guitarra italiana ca. 1700 (alle Instrumente aus dem Besitz des Museu de la Música de Barcelona
CANTUS C9623, im Vertrieb von Note-1

… Die Gitarren sind die Stars! …

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Vor ein paar Tagen ist hier die Besprechung einer CD mit Musik von Gaspar Sanz veröffentlicht worden. Als Resümee hieß es an deren Ende: „So geht Alte Musik!“ Die Interpreten waren Xavier Díaz-Latorre und Pedro Estevan. Gespielt haben sie auf Rekonstruktionen historischer Instrumente.

Die gleichen Interpreten haben auch die „heutige“ CD eingespielt … und die hat’s in sich! Das Programm beginnt mit einem Schlachtschiff des internationalen Gitarrenrepertoires, einem Schlachtschiff zudem, das ursprünglich nicht für Gitarre, sondern für Klavier komponiert worden ist: „Asturias“ von Isaac Albéniz … oder „Leyenda“? Auch zum Thema Fernando Sor werden Alte Kameraden herbeizitiert: Mozart-Variationen und – nun gut, das ist eine nicht ganz so oft gehörte Preziose – „Marlbrough s'en va-t-en guerre“ op. 28. Dazwischen Sanz, Santiago de Murcia und Guerau!“

Warum hat es diese CD nun „in sich“? Was ist speziell? Freilich nicht das Repertoire!

Soundboard XLI 2015 2 HeftSoundboard Scholar 1 2015 Heft

Die nachfolgenden Bemerkungen zu den Ausgaben von Soundboard XLI/2015/Nº 2 verstehen sich nicht als Rezensionen! Es sind ausschließlich knappe Zusammenfassungen des Inhalts der Hefte. Soundboard und Soundboard-Scholar können hier bestellt oder abonniert werden: www.guitarfoundation.org

[Hier eingegangen: 2015/10/16]: Soundboard, Ausgabe XLI/2015/Nº 2, „Iran and the Guitar“

Die Besonderheit dieser neuesten Ausgabe der Zeitschrift „Soundboard“ ist, dass sie zusammen mit der ersten Ausgabe der neuen Zeitschrift „Soundboard Scholar“ geliefert wird. Soundboard Scholar erscheint jährlich und ist ein „Peer-Reviewed Journal of Guitar Studies“, also eine Zeitschrift, die nur wissenschaftlich orientierte Artikel zum Thema Gitarre enthalten soll. Die einmal jährlich erscheinende Ausgabe von „Soundboard Scholar“ ist im Abonnement auf Soundboard enthalten.

Die reguläre Ausgabe von Soundboard enthält verschiedene Beiträge zum Thema „Iran and the Guitar“. Robert Ferguson, der momentane Chefredakteur der Zeitschrift, erklärt, warum ihn gerade die musikalische Entwicklung im Mittleren Osten und da besonders im Iran besonders interessiert. Er spricht über Mesopotamien und die historische Bedeutung dieses vorderasiatischen Landes für die Entwicklung westlicher Musik und westlicher Musikinstrumente. Dass der Landstrich, der als Zweistromland oder Mesopotamien in die Geschichte eingegangen ist, heute fast deckungsgleich mit dem Irak ist und dass amerikanische Präsidenten (Bush & Bush) gegen dieses Land und auf seinem Territorium zwei Kriege geführt haben, erwähnt er nicht … und das gehört vielleicht tatsächlich nicht hierher.

Boccherini Moreno CDLuigi Boccherini: Guitar Quintets‘
José Miguel Moreno, La Real Cámera
Aufgenommen im Juni 2000, erschienen 2024
Sechschörige Gitarre: (Instrumentenbauer nicht angegeben)‘
GLOSSA cabinet GCD C80305, im Vertrieb von Note-1
… höchst vergnüglich! …

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Es gibt viele Aufnahmen der Gitarrenquintette von Boccherini auf dem internationalen Schallplattenmarkt. Emilio Moreno, Geiger und Bruder des beteiligten Gitarristen, meint im Booklet vorliegender CD, die LP von Narciso Yepes mit dem Cuarteto Clásico de Madrid de Radio Nacional de España aus dem Jahr 1960 (Zafiro Z-L 31) sei „eine der ersten“ gewesen und speziell diese LP hätte für die Brüder insofern besondere Bedeutung gehabt, als ihr Vater, der Geiger Emilio Moreno, an dieser Aufnahme beteiligt gewesen sei.

Aber freilich sind die Aufnahmen, um die es hier geht, weitaus jünger, als die von Narciso Yepes und seinen Kammermusik-Partnern. 2014 sind sie erschienen, aufgenommen wurden sie schon im Jahr 2000. Vor fünfzehn Jahren! Die technische Qualität ist exzellent, auch die musikalische.

Turina

Joaquín Turina: Complete Guitar Music
Jan Depreter, Guitar
Aufgenommen im Januar 2015
Gitarre: Romanillos
Brilliant Classics 94973
… selbstverständlich makellos, klangschön und sicher …


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Joaquín Turina (1882–1949) wurde in Sevilla geboren und hat, so sein Biograph Federico Sopeña Ibáñez, seine Heimatstadt nie verlassen – auch, wenn er im Alter von zwanzig Jahren fortgezogen ist und nie wieder in Sevilla gelebt hat. Turina lernte Klavier und konnte früh Erfolge als Pianist feiern. Mit der Partitur seiner ersten Oper „La sulamita“ unter dem Arm ging er – gerade achtzehnjährig – nach Madrid, um dort sein Glück zu versuchen. Aber als junger Musiker aus der Provinz in der Hauptstadt Karriere zu machen, war schwierig. Immerhin lernte er Manuel de Falla (1876–1946) kennen, mit dem ihn eine lange Freundschaft verbinden sollte.

Turina Gitarrenwerke Depreter1905 ging Turina nach Paris und studierte bei Vincent d’Indy, und – natürlich, möchte man fast sagen – bei dem die Musikwelt beherrschenden Claude Debussy. Anlässlich eines Konzerts traf er Isaac Albéniz, der ihm die Idee nahebrachte, spanische Volksmusik in Kompositionen zu verwenden.

Turina und de Falla gingen 1914 zurück nach Madrid und eine bemerkenswerte Karriere schloss sich für Joaquín Turina an. Er schrieb Werke für großes Orchester, darunter eine „Sinfonia sevillana“; Kammermusik für diverse Besetzungen; eine Oper mit dem Titel „Jardin de oriente“; mehrere Zarzuelas; Klaviermusik usw. Die Gitarre war ihm vertraut … aber nur insofern, als er aus Sevilla stammte und dort der Flamenco gepflegt wurde. Als klassisches Konzertinstrument wurde sie nicht in Ehren gehalten … bis Andrés Segovia kam. Der war dabei, eine internationale Karriere als Gitarrist zu machen und dafür auf der Suche nach neuem, präsentablem Repertoire für sein Instrument. Er stieß dabei unter anderen auf Joaquín Turina, der für den Maestro dann auch folgende Stücke schrieb:

1923: Sevillana (Fantasia), op. 29
1925: Fandanguillo, op. 36
1930: Ráfaga, op. 53
1931: Sonata, op. 61
1932: Homenaje a Tarrega, op. 69

Fetenbuch fuer Jung und AltSebastian Müller (Hrsg.), Das Fetenbuch für Alt und Jung. 100 Lieder und Hits zum Mitsingen, leicht arrangiert für Gesang und Gitarre …
Mainz u.a., Schott Music,168 S., kart. Fadenheftung
ISBN 978-3-7957-4458-8, ISMN 979-0-001-15711-7, € 15,—

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Bücher mit Schlagern, Liedern und/oder Chansons mit Noten der jeweiligen Melodien, Akkordsymbolen und Schlagmustern für die Gitarrenbegleitungen herauszugeben, ist keine sensationell neue Idee. Allein die „Kultliederbücher“ „Das Ding“ (s. Besprechung!) der Edition Dux, von denen bisher vier Bände auf dem Markt sind, decken, meint man jedenfalls, das Repertoire weitgehend ab. Von diesen Bänden sind jeweils zwei Versionen herausgekommen, eine nur mit allen Texten und den entsprechenden Akkordsymbolen, eine andere auch mit den Noten der Melodien. Da Leute, die solche Lieder singen möchten, deren Melodien kennen und nur die Texte aller Strophen und (vielleicht) die Harmonisierungen brauchen, sind die Bände mit Noten, die zudem nicht einmal jeder eventuelle Benutzer lesen kann, nicht jedermanns Sache. Hier reichen Texte und Akkordsymbole.

Jetzt ist der vergleichsweise „ehrwürdige“ Schott-Verlag auch mit einem Bändchen der Machart des „Kultliederbuchs“ mit Noten herausgekommen. Unterschiede liegen fast nur in der Repertoireauswahl – wobei es natürlich Überschneidungen gibt. Aber die sind von marginaler Bedeutung. Das Buch bei Schott ist, rechnet man es auf „Preis pro Titel“ herunter, deutlich teurer … dafür aber handlicher. Die „Dinger“ von DUX sind per Spiralen gebunden, das Buch von Schott in klassischer Fadenheftung.

Luys Milan El MaestroLuys Milán
El Maestro, Libro I (1536)
José Antonio Escobar, Vihuela de mano
Aufgenommen im Mai 2014, erschienen 2015
Vihuela: Julio Castaños, Málaga
NAXOS 8.573305
… sehr klangbewusst und eloquent …


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Das Tabulatur- und Unterweisungsbuch „El Maestro“ ist das älteste überlieferte Werk seiner Art. 1536 ist es in Valencia gedruckt worden und sollte die einzige Sammlung mit Kompositionen bleiben, die wir von Milan haben. Zwei weitere Bücher hat er geschrieben bzw. herausgegeben, aber sie enthalten keine musikalischen Werke. Das erste hieß „El Cortesano“ und war ein Text, der in der Tradition des berühmten „Libro del Cortegiano“ von Baldassare Castiglione (1478–1529) stand. Der Titel des zweiten lautete „Libro de motes de Damas y Caballeros“ und erschien 1535, also ein Jahr vor dem „El Maestro“.

José Antonio Escobar spielt auf seiner ersten Milan-CD alle Stücke des ersten Buches des „EL Maestro“ und zwar exakt in der Reihenfolge wie in der Quelle von 1536: 22 Fantasias und 6 Pavanas. Ob es klug war, die Fantasien in dieser Reihenfolge zu spielen, darüber kann man geteilter Meinung sein. Milan hat sie nach Tonarten geordnet und insgesamt nach Schwierigkeit, eine zyklische Darstellung war aber sicher nie vorgesehen. Es ist knapp eine Stunde Musik höchster Dichte, die beim Zuhören Konzentration voraussetzt.

Nigel North Baroque Lute CDNigel North: Baroque Lute
Werke von Silvius Leopold Weiss, Antonio Vivaldi und Johann Sebastian Bach
Aufgenommen im März 1990
Laute: (kein Instrumentenbauer angegeben) provided by the University of Edinburgh, Collection of Historical Instruments
LINN Records BKD 006, im Vertrieb von NAXOS


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Nigel North beginnt seine eigenen sleeve notes zu dieser Platte so: „Over twenty years ago I heard a record of Baroque lute music for the very first time with Eugen Dombois playing music by Weiss, J. S. Bach, Kellner and Conradi. It was a revelation to me and many other people at that time; the first piece I heard on this recording was Sylvius Leopold Weiss‘ „L’Infidèle“ Sonata and it was this piece which initially inspired me to play the D minor tuned eighteenth-century lute“.

Ich, der Rezensent, war einer der „many other people“ und ich erinnere mich lebhaft und gern an den Moment, als ich die LP von Eugen Dombois (damals noch Eugen M. Dombois und vorher Eugen Müller-Dombois) hörte! Sensationell! Ich war überzeugt, dass ich mich in diese Richtung orientieren wollte oder gar musste: Barocklaute und insbesondere Silvius Leopold Weiss.

Riscal formatiert Fernando Riscado Cordas (Autor, Herausgeber und Interpret): The Poetic Guitar
Music by Schubert, Schumann and Craeijvanger
Buch, fadengeheftet mit Lesebändchen, 305 S, 2 CDs
Gitarren: Johann Georg Stauffer, 1824 (Gemeentemuseum, Den Haag); Nico Van der Waals,1999
ISBN 9789081156608
… mit Liebe zur Sache …

Fernando Riscado Cordas kommt, auch, wenn sein Name etwas anderes zu verraten scheint, aus den Niederlanden. Er wurde 1975 in Den Haag geboren und studierte dort am Koninklijk Conservatorium. Was uns jetzt von ihm vorliegt, ist eine Doppel-CD mit überdimensioniertem Booklet (305 Seiten im DVD-Format) oder ein Buch mit zwei beigehefteten CDs. Thema: Bearbeitungen von Liedern. Komponisten: Franz Schubert, Robert Schumann und … Achtung! … Karel Arnoldus Craeijvanger.

Im Vorort der Arbeit verrät der Autor/Interpret, wie er auf die Idee gekommen ist, die Werkzusammenstellung so zu gestalten, wie wir sie vorfinden:

CD 1
Franz Schubert: „6 Schubert’sche Lieder“ in Bearbeitungen von Caspar Joseph Mertz
Robert Schumann: „Dichterliebe“ op. 48 in Bearbeitung von Fernando Riscado Cordas

CD 2
Karel [oder Carolus] Arnoldus Craeijvanger: „Introduction & Variations sur un thème de l’opera Der Freischütz
— „Trois Nocturnes pour la Guitare“

Gilardino CecconelloAngelo Gilardino: Complete Music for Solo Guitar 1965–2013
Cristiano Porqueddu
Aufgenommen 2012–2015
Gitarre: Giuseppe Guagliardo
Brilliant Classics 9425 (14 CD)
… höchst konzentriert und mit nicht erlahmender Detailliebe …

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Foto: Angelo Gilardino, der Kunstsammler, mit einem Bild des italienischen Malers Gastone Cecconello. Foto © 1991 by Manuel Cecconello, Bildarchiv Gitarre & Laute, Köln

Cristiano Porqueddu ist bekannt für enzyklopädische Repertoiresammlungen auf CD: „Alles von Barrios“ (2010: 6 CD), „Novecento Guitar Preludes“ (2012: 3 CD), „Novecento Guitar Sonatas“ (2014: 5 CD) u.a. Aber diese statistischen Werte sind’s nicht allein. Cristiano will nicht als Ironman der Gitarrenszene in die Geschichte eingehen, er sahnt für seine Aufnahmen auch noch beste Kritiken ab. Sogar hier!

Gilardino fomatiertJetzt liegt von ihm eine (nicht die erste) Produktion mit Werken von Angelo Gilardino vor: „Complete Music for Solo Guitar 1965–2013“ vor. Vierzehn CD! 2009 hat er schon einmal (auch bei Brilliant Classics) unter dem Namen „Trascendentia“ sämtliche „Studies for Guitar“ eingespielt (5 CD), die jetzt in der neuen Sammlung auch enthalten sind … allerdings in neuen Aufnahmen! Das Gleiche gilt für Gilardinos „20 Studi facili“. Auch sie sind bei Brilliant schon einmal erschienen: Aufgenommen September/Oktober 2011 und erschienen 2012. Die jetzt vorliegende neue Aufnahme ist zwischen dem 13. Juni 2012 und dem 20. März 2015 entstanden.

Gilardino war einer von Porqueddus Lehrern – nicht sein einziger aber vielleicht sein wichtigster … wenn das nicht sein Vater war, von dem er die ersten Gitarrenstunden bekam. Mit sieben. Bei Gilardino in Biella jedenfalls erhielt Cristiano Porqueddu sein Diplom.

Sor Coeste Music for guitar duoFernando Sor & Napoléon Coste
Complete Works for Guitar Duo
Claudio Maccari & Paolo Pugliese
Aufgenommen im März und September 2008
Gitarren: Gaetano II Guadagnini, 1830; Joseph Pons, 1825; René Lacôte, 1824, 1825 und 1827; Fabio Zontini (nach Louis Panormo), 2007
2 CDs BRILLIANT Classics 93898
… walzern, wie man in Pariser Salons gewalzert hat …

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Dass Fernando Sor (1778–1839) Stücke für zwei Gitarren geschrieben hat, wissen wir. Auch, dass sein Duo-Partner in Paris Dionisio Aguado (1784–1849) war, und dass er ihm, Aguado, ein berühmtes Stück für zwei Gitarren gewidmet hat: „Les Deux Amis“. Die Erstausgabe dieser Komposition war nicht nur expressis verbis mit „COMPOSÉE ET DEDIÉE à Monsieur Denis Aguado“ überschrieben, sie war zudem so gedruckt, dass die Stimme der ersten Gitarre im Druck nicht – wie sonst üblich – mit „Première Guitare“ bezeichnet war, sondern mit „SOR“ … die der zweiten entsprechend nicht mit „Deuxième Guitare“, sondern mit „AGUADO“.

Lambert Airs CDMichel Lambert: Airs
Charles Daniels, Tenor; Fred Jacobs, French Theorbo
Aufgenommen im Mai 2013, erschienen 2014
METRONOME MET CD 1092, im Vertrieb von Klassik Center Kassel
… Bravo und danke! …

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Michel Lambert (1610–1696) war komponierender Sänger und Gesangslehrer. Aus seiner Feder überliefert sind uns über dreihundert „Airs“, weitere gelten als verschollen … dazu kommen einige sakrale und wenige Ballettkompositionen. Für seine Lieder ist Lambert berühmt gewesen, auch für seine Tätigkeit als Gesangslehrer. Der Schriftsteller Titon du Tillet, (1677–1762) hat ihn als junger Mann anlässlich von Konzerten in Puteau-sur-Seine erlebt und berichtet, Lambert habe sich selbst auf der Theorbe begleitet. Catherine Massip, die Autorin der sleeve-notes für vorliegende CD, schreibt, dass auch Bertrand de Bacilly (1621–1690) ähnliches berichtet hat. In Bertrands Buch „Remarques sur l’Art de bien chanter“ (Paris 1679), so heißt es, habe dieser außerdem die besonderen Vorzüge der Theorbe für die Gesangsbegleitung herausgestrichen: „La Viole mesme & le Clavessin, n’ont point la grace, ny la commodité qui se rencontre dans le Theorbe, qui es propre pour accompagner toutes sortes de Voix.“ Ich gehe davon aus, dass es sich bei dem zitierten Bacilly um Bénigne (und nicht Bertrand) de Bacilly gehandelt hat, dessen Buch „L’Art de bien chanter“ tatsächlich 1679 erschienen ist … allerdings als dritte Auflage seiner Ausführungen „Remarques curieuses sur l’art de bien chanter“ von 1668.