Giuliani pop

GITARRE & LAUTE ONLINE: Beiträge zu Neuerscheinungen (Notenausgaben, Bücher, CDs) auf den Gebieten Gitarre und/oder Laute, Berichte über Konzerte, Festivals und Wettbewerbe, Essays und Kommentare. Verschiedene Autoren, Chefredakteur (Verantwortlich im Sinne des Pressegesetzes): Dr. Peter Päffgen.

Elizabethan Pavans Timofeyev CDOleg Timofeyev, lute: Elizabethan Pavans
Werke von Alfonso Ferrabosco, Peter Philips, Dowland, Daniel Bacheler u.a.

Aufgenommen Mai–Juni 2014, erschienen 2016
Laute: Ray Nurse, 1984, nach Hans Frei
BRILLIANT 95236
… mehr Le—ga—to wagen! …

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Oleg Timofeyev hat das beträchtliche Repertoire an englischer Lautenmusik reduziert auf eine Tanzform, die Pavane. Keine Fantasie, keine Galliarde, keine Allemande, keine Courante … nur Pavanen hat er für seine neueste CD ausgewählt.

Die Pavane war ein im 16. und frühen 17. Jahrhundert populärer höfischer Tanz, dessen Ursprung man beinahe sicher als italienisch annehmen kann. Die ältesten überlieferten Beispiele für die Tanzform finden sich in der Lautentabulatur „Intabulatura de Lauto“ von Joan Ambrosio Dalza, erschienen 1508 beim ersten Musikverleger der Geschichte, dem Venezianer Ottaviano Petrucci. In italienischer Lautentabulatur stehen dort fünf „pavane alla venetiana“ und vier „pavane alla ferrarese“, also fünf Venetianische Pavanen und vier auf Ferrareser Art. Eigentlich steckt aber in den Wörtern Pavana und Paduana – so wurde der Tanz auch genannt – der Name der Stadt Padua, was Historiker in ihrer Annahme bestärkt hat, der Tanz stamme ursprünglich von dort. Wo genau die Pavane zum ersten Mal erklungen ist, werden wir nicht ergründen können, dass sie aber aus Italien stammt, gilt als bewiesen.

Stephan Schmidt Singen haelt jungStephan Schmidt: Singen hält jung: 100 Volkslieder und Schlager
Volkslieder und Schlager mit Melodie und Akkordbezifferung. Vorschläge für Zupf- und Schlagmuster, alle Textstrophen mit Akkordbuchstaben
Manching 2016, Dux-Verlag, D 859, ISMN 979-0-50017-427-1, € 22,80 Buch bei Amazon bestellen?

Dass.: Textbuch
Manching 2016, Dux-Verlag, D 857, ISMN 979-0-50017-390-8, € 16,80 Buch bei Amazon bestellen?

Dass.: CD
Manching 2016, Dux-Verlag, D 859, ISMN 979-0-50017-479-0, € 19,80 [Nicht bei Amazon erhältlich]

Wir kennen sie alle, die bisher vier Bände von „Das Ding“. Jetzt ist im gleichen Verlag das Gebinde „Singen hält jung“ herausgekommen mit dem üblichen Band „Singstimme, Text, Gitarrenakkorde“, einem Band mit Texten und einer CD. Das Motto heißt jetzt, ein paar Tage nach dem Tod von Walter Scheel: „Hoch auf dem gelben Wagen“! Gesungen werden Volkslieder und auch ein paar Schlager aus alten Zeiten: Darunter zum Beispiel „Es gibt kein Bier auf Hawaii“ (Lüge übrigens!).

Der Inhalt (nach Kategorien): Morgen und Abend: Auf, auf zum fröhlichen Jagen; Auf, du junger Wandersmann; Im Frühtau zu Berge; Jeden Morgen geht die Sonne auf; Guten Abend, gut’ Nacht; Kein schöner Land; Ade zur guten Nacht; Guter Mond, du gehst so stille; Die Blümelein, sie schlafen; Weißt du, wie viel Sternlein stehen

Vindenes opus 15 CDNjål Vindenes, Guitar‘
opus 15: Sonatas and Variations for Guitar by Mauro Giuliani and Fernando Sor
Aufgenommen im Juni 2015, erschienen 2016
Gitarre: Egil Haugland
Eigenproduktion OI02
… spielt Sor und Giuliani mit dem Respekt, der ihnen und ihren Werken gebührt …

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Ein originelles Programm! Alles dreht sich um „Opus 15“ – einmal bei Giuliani und dreimal bei Fernando Sor.

Dreimal bei Sor? Bei Sor tragen gleich drei Opera die Nummer „15“, das bekannteste oder am häufigsten gespielte davon ist wohl seine „Sonata seconda pour la guitare“, die hilfsweise „op. 15(b)“ genannt worden ist. Mit op. 15(a) sind „Les Folies d’Espagne, variées, et un Menuet“ nummeriert, 15(c) steht über „Thème Varié“, erschienen bei Meissonier mit der Plattennummer 219.

Wie es dazu gekommen ist, dass die Werkzahl „15“ dreimal vergeben worden ist, kann man nur vermuten. Brian Jeffery schreibt zu 15(c) „The opus number 15 is given to this work in a Meissonnier catalogue, although it does not appear in the music itself. For convenience, it may be called op. 15(c). The number ‚op. 15(c)‘ has been given in at least one modern edition to the March from Cendrillon arranged for guitar, but there is no documentary authority for this, although copies of the march are known which are printed together with Folies d’Espagne or the Thème Varié.“ Moser (Fernando Sor: Versuch einer Autobiographie und gitarristische Schriften, Köln 1984, Gitarre & Laute Vlg.) hat sich in seinem Werkeverzeichnis völlig an Jeffery orientiert, allerdings nicht der präzisierten Nummerierung („a–c“) angeschlossen. Später hat er das in einer im Selbstverlag herausgekommenen und mit einem neuen Titel versehenen Neuausgabe des Buches (Ich, Fernando Sor [!], Lyon 2005) halbherzig korrigiert und unversehens eine eigene, aber keineswegs überzeugende Nummernfolge eingeführt (15[a]–15–[15]c).

Lislevand Rolf La MasceradeRolf Lislevand (Barockgitarre und Theorbe)
„La Mascarade“
Werke von Robert de Visée und Francesco Corbetta
Aufgenommen im April 2012, erschienen 2016
ECM New Series 2288, im Vertrieb von Universal Music/Deutsche Grammophon
… „La Mascarade“ ist ein royales Vergnügen, das auch Sie sich gönnen sollten! …

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Robert de Visée (ca. 1655–1732/3) und Francesco Corbetta (ca. 1615–1681) haben sich gekannt, das wissen wir. Mehr noch: Der eine, de Visée, hat bei dem anderen seine musikalische Ausbildung erhalten und ist später sein Nachfolger als Spieler von Gitarre und Theorbe am Hof des Sonnenkönigs Ludwig XIV. geworden. Die beiden Zupfinstrumente gehörten zur höfischen Musik und wurden, je nach Verwendungsort und -zeit, eingesetzt.

Der Italiener Corbetta, war 1656 nach Paris gekommen, wo er als Francisque Corbette bekannt wurde. Er galt als einer der besten und berühmtesten Gitarristen seiner Zeit und veröffentlichte fünf Tabulaturbücher mit Kompositionen … die berühmtesten davon waren die beiden unterschiedlichen Auflagen von „La Guitarre Royalle“ von 1671 und 1674.

Über Robert de Visée muss hier niemand aufgeklärt werden, er war eine Berühmtheit … und ist es immer noch. Die eine oder andere Stückfolge aus seinem Œuvre für Gitarre wurde in neuer Zeit schon gespielt, als noch niemand daran dachte, sich mit der fünfchörigen Barockgitarre zu beschäftigen. Mit einer „Suite d-Moll“ von Robert de Visée reiste Andrés Segovia um die Welt … mit dem Erfolg, dass tout Paris sie in der Folge spielte und zahlreiche Gitarristen sich gemüßigt sahen, Neuausgaben dieses Werkes herauszugeben – für moderne Gitarre natürlich, ob es nun passte oder nicht – und mit den üblichen Eigenmächtigkeiten, für die sich Herausgeber damals einen Namen machten.

Alirio Zaceck

Foto oben: Alirio Díaz am 31. März 2006 im Garten seines Hauses in Carora. Foto: © by Brigitte Zaczek, Wien

Alirio Díaz (geboren am 12. November 1923 in La Candelaria/Venezuela) ist am 5. Juli 2016 in Rom gestorben. Mit ihm ist einer der letzten Vertreter der Generation Gitarristen um Andrés Segovia von der Bühne abgetreten, ein Musiker, der als kultureller Botschafter seines Heimatlands die ganze Welt bereist hat und der zuhause, in Venezuela, seit vielen Jahren als kulturelles Denkmal geehrt und bewundert wurde.

Ponce Volume 4 CDManuel Maria Ponce, Guitar Music Vol. 1
24 Preludes, Estrellita, Scherzino Mexicano, Canción, Vespertina, Matinal
Adam Holzman, Gitarre
Aufgenommen im Januar 1996, erschienen 1998
NAXOS 8.553832
… virtuos und außerordentlich klangbewusst …


Vol. 2 Suite in D major, Suite in A minor
Adam Holzman, Guitar, Stephanie Martin, Harpsichord
Aufgenommen im Juli 1997, erschienen 1999
NAXOS 8.554199
… Meister seines Fachs …

 

Vol. 3 Four Guitar Sonatas
Aleksandr Tsiboulski, Gitarre
Aufgenommen im April 2014, erschienen 2015
Gitarren: Sakurai, Tokyo und Paulino Barnabé, Madrid
NAXOS 8.573284‘
… er strahlt ein musikalisches Charisma aus, das durchaus an Holzman erinnert …

Vol. 4 Sonatina Meridional, Thème Varié et Finale (Versions 1 and 2)
Judicaël Perroy, Gitarre
Aufgenommen im Oktober 2014, erschienen 2016
Gitarre: G. Smallman, Australien
NAXOS 573285
… eher der Draufgänger …


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Ponce Volume 1 CDDass Manuel Maria Ponce (1882–1948) zu den Komponisten gehört hat, die viel für Gitarre geschrieben haben ohne das Instrument selbst zu beherrschen, muss man, nein,  darf man nicht mehr erwähnen! Schließlich war er Komponist und nicht Gitarrist, der sich zum Komponieren berufen fühlte. „Komponisten“ dieser Art hat es viele gegeben und immer wieder hört man von neue Vertretern dieser oft zweifelhaften Zunft.

Ponce gehörte einer anderen Liga an. Er war auch keiner, der nur durch seine Bekanntschaft mit einem berühmten Interpreten bekannt geworden und geblieben ist … mit Andrés Segovia in diesem Fall, dem Ponce fast alle seine Gitarrenstücke gewidmet und der sie in Zusammenarbeit mit seinem Verleger (B. Schott’s Söhne, Mainz) auch bestellt und vermutlich bezahlt hat. Manuel Maria Ponce war nicht nur wegen seiner Gitarrenmusik berühmt. Er hat bändeweise Lieder geschrieben, die wegen ihrer romantischen Grundhaltung populär waren; eine Reihe großer Orchesterwerke mit mexikanischem Kolorit, darunter ein Konzert für Gitarre und Orchester; Klavierwerke … na ja, was ein Komponist halt so komponiert! Keine Opern allerdings, keine anderen Bühnenwerke und keine kirchenmusikalischen Großwerke.

Gardel AusgabeCarlos Gardel für Gitarre
bearbeitet von Dietmar Kreš
Wien 2015, Doblinger 35 955
ISMN 979-0-012-30387-2, € 13,95

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Carlos Gardel (1890–1935) als Tangokönig zu feiern, hieße, Eulen nach Athen oder den Karneval nach Köln zu tragen. Er, Gardel, war in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts der Tango schlechthin. Er verkörperte den in Europa gelegentlich als schlüpfrig verpönten Tanz wie kein anderer, er war – na ja! – der Tangokönig seiner Zeit!

Noch vor ein paar Jahren und vielleicht heute noch schwärmt man in Buenos Aires: „Carlos Gardel ist wunderbar, er singt von Jahr zu Jahr besser“ … nur ist der legendäre Tangosänger schon seit über sechzig Jahren tot. Seine Platten werden allerdings von Jahr zu Jahr auf technisch immer ausgereiftere Art neu herausgegeben. Also: Carlos Gardel lebt! Sicher ist er auch mindestens mitverantwortlich dafür, dass der Tango als „Tango argentino“ in die Musikgeschichte eingegangen ist … dabei liegen die Häfen von Buenos Aires und Montevideo auf zwei Seiten desselben Flusstrichters der Flüsse Paraná und Uruguay, genannt Rio de la Plata oder „Silberfluss“. Die Schiffe also, mit denen die Desperados aus Europa ankamen, um in der Neuen Welt ihr Glück zu suchen und die schließlich in den Kneipen und Bordellen der Hafenstädte Trost fanden, konnten ebenso in Montevideo wie in Buenos Aires Station machen … den Tango nennen die Musik-Ethnologen heute auch nicht mehr „Tango argentino“, sie nennen ihn „Tango rioplatense“ … und sind damit nicht nur „politisch korrekter“, sondern irgendwie „gerechter“. Schließlich ist der Tanz das Produkt dessen, was wir heute als Integration bezeichnen.

Alexander Vetrov: Solo Works for Russian Guitar
Mårten Falk, Gitarre
Aufgenommen im Oktober 2015, erschienen 2016
Gitarre: (acht- statt siebensaitig) von Per Hallgren, 2007
db Productions, Sweden db CD 169, im Vertrieb von Klassik Center Kassel
ein verlässlicher Musiker und Entdecker

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Alexander Vetrov Guitar Works CDDie „Russische Gitarre“ war siebensaitig, das wissen wir! Und sie ist seit der Oktoberrevolution in Russland verpönt bis verboten, weil sie als Inbegriff bourgeoisen Denkens galt. Da war Alexander Vetrov (1812–1877) schon vierzig Jahre tot.

Vetrov wird beispielsweise von Oleg Timofeyev – von ihm stammen die Booklet-Texte der vorliegenden CD von Mårten Falk – allerdings sehr geschätzt, dabei erscheint sein Name weder in dem Artikel über „Die Gitarre in Rußland“ von Józef Powroźniak (Gitarre & Laute I/1979, Heft 6, S. 18–24) noch in den diversen Gitarrenlexika des gleichen Verfassers. Ragossnig (Handbuch der Gitarre und Laute, letzte Auflage, Mainz u.a. 2003) erwähnt ihn nicht und bei Editions Orphee, wo – herausgegeben von Matanya Ophee – unter dem Titel „Russian Collection“ eine stattliche Reihe mit russischen Kompositionen für siebensaitige Gitarre erschienen ist, gibt es gerade einmal eine „Valse Lente“ von Alexander Vetrov (Heft VII).

Villegas Americano CDPablo Villegas: Americano
Werke von Pedro Elias-Gutiérrez, Villa-Lobos, Lauro, Pernambuco u.a.
Aufgenommen im März 2014, erschienen 2015
Gitarre: Matthias Dammann 2007
harmonia mundi USA HMU 907649
… Kuckucksuhren, die jeder Tourist von seinen Reisen mitbringt …


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Dies ist ein Reisetagebuch durch die Amerikas: „Mi viaje americano“. Pablo Villegas hat sie unternommen, die Reise, die ihn nach Buenos Aires, Rio de Janeiro, Caracas und schließlich nach New Orleans, Los Angeles und schließlich New York geführt hat. Keiner der Orte, die er unterwegs besucht hat, ist jemandem, der sich mit Gitarrenmusik befasst, fremd, auch die Souvenirs nicht, die Pablo mitgebracht hat. Im Gegenteil! Es sind genau die Matrjoschkas und Kuckucksuhren, die jeder Tourist von seinen Reisen mitbringt und die dann als Staubfänger in der Schrankwand stehen. Schade!

Stopp! Mitten im Programm steht ein Stück, das nicht schon von tausend Kollegen gespielt und aufgenommen worden ist: „Rounds“ von John Williams … gemeint ist natürlich der Filmkomponist John Williams und nicht der gelegentlich auch komponierende Gitarrist gleichen Namens. „Rounds“ ist, so der karge Kommentar im Booklet, das erste Gitarrenstück, das Williams geschrieben hat. Pablo Villegas hat es uraufgeführt und: „It fully exploits the modern guitar“ [Rest des Kommentars].

Ein paar US-amerikanische Petitessen sind noch lobend zu erwähnen („I feel pretty“, „Maria“ und „America“ aus der „West Side Story“, die ihre Wirkung wirklich nie verfehlen, und drei Traditionals: „Dear old Dixie“, „Kansas City Kitty“ und „Big eared Mule“. Der Rest des Programms besteht leider aus viel zu oft gespielten und viel zu oft gehörten Standards!

Und wenn mich Pablo Villegas mit seinem Spiel berühren könnte, würde ich ihm so manche Repertoire-Nichtigkeit verzeihen! Aber leider nicht einmal das!

CD Giuliani Moscheles Hummel miot PFGiuliani – Moscheles – Hummel
Music for Guitar and Fortepiano
Claudio Maccari, Paolo Pugliese, Giovanni Togni
Aufgenommen im Oktober 2009, erschienen 2011
Gitarre: Gaetano Guadagnini 1830; Terzgitarre: Vito & Antonio Garganese, 1880; Fortepiano: Mathias Kramer, Kopie nach Louis Doulcken (1810)
Brilliant Classics 94190
… Bravo! …

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Sorry! Bitte entschuldigen Sie, dass ich Ihnen diese vergnügliche CD so lange vorenthalten habe. Sie ist hier einfach unbemerkt geblieben, obwohl schon ihr Cover um Aufmerksamkeit gebettelt hat. Und die Musik und ihre Interpretationen erst!

Aber zunächst das Cover! Ich finde keine Legende im Booklet, auch nicht in den Informationen im Internet. Als „Hintergrundbild“ dient eine Battaglia, ein Schlachtengemälde. Es handelt sich dabei um eine Seeschlacht – die verheerende Schlacht bei Waterloo vom 15. Juni 1815 kann es also nicht gewesen sein, denn dieses Örtchen liegt ein paar Kilometer südlich von Brüssel auf dem flachen Land (heute Belgien, damals Niederlande). Napoleon Bonaparte wurde geschlagen und zum endgültigen Abdanken gezwungen.

Schon vorher, nach dem ersten Abdanken Napoleons im Jahr 1814, hatten sich Vertreter der Großmächte in Wien zusammengefunden, um eine territoriale Neuordnung zu verhandeln. Die Folgen der Französischen Revolution und ihre Regulierung waren die Themen, mit denen man sich auf dem „Wiener Kongress“ beschäftigte. Dass Bonaparte 1815 noch einmal für hundert Tage an die Macht kommen sollte, ahnte niemand … und es spielte  schließlich auch keine Rolle mehr. Nach dem 15. Juni, nach Waterloo also, blieb Napoleon Bonaparte in der Verbannung auf der Insel St. Helena, wo er 1821 auch starb.

Coles Fire Dance CDPaul Coles
EDITION: Momentos Españoles: 16 middle-grade solos for classical guitar/16 mittelschwere Stücke für Gitarre
UNIVERSAL EDITION UE21671. ISMN 979-0-008-08697-7, ISBN 978-3-7024-7367-9, € 13,–

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CD: FIRE DANCE: Ian Watt plays the Music of Paul Coles
Aufgenommen im September 2015, erschienen 2016
NIMBUS ALLIANCE NI 6329, im Vertrieb von NAXOS
Musik „aus aller Herren Länder“

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Paul Coles ist Waliser und schreibt Musik „aus aller Herren Länder“. Die UE hat jetzt spanische Momente aus seiner Feder veröffentlicht, Ian Watt spielt ähnliche aus Venezuela, Irland, Lateinamerika und sogar aus England … nein, stopp! Coles‘ „Coniston-Suite“ bezieht sich nur mittelbar auf Coniston Water, den drittgrößten See des Lake District, dies ist also kein Landschaftsgemälde … oder, sagen wir, nicht nur! Auch die „Coniston-Suite“ enthält Sätze, die „good old England“ beschreiben und besingen, aber auch die komponierte Geschichte des Rennfahrers Donald Campbell. Vielleicht erinnern Sie sich: Donald Campbell (1921–1967) war gleichzeitig Motorboot- und Automobilrennfahrer und hat am 4. Januar 1967 versucht, einen Geschwindigkeitsrekord zu Wasser aufzustellen. Das fand statt auf Coniston Water, dem See, der, wie Campbell annahm, die verlässlich glatteste Oberfläche bot, die für den Rekord notwendig war. Die Geschwindigkeit, die Campbell erzielen wollte, war 300 mph (482,7 kmh).

UE21671Aber selbst die glatteste Oberfläche war für den gewagten Rekordversuch nicht glatt genug. Campbells Rennboot Bluebird überschlug sich bei 527 kmh[!]. Der Pilot kam dabei ums Leben, allerdings lebte die Legende, die sich um den wagemutigen Mann rankte, noch lange weiter … schließlich liebt England seine Helden immer schon und ganz besonders. Das Wrack des Rennboots und der Leichnam seines Piloten wurden allerdings erst knapp 34 Jahre nach dem Unfall gefunden und geborgen.

Paul Coles hat Musik komponiert, die durchwegs programmatischen Hintergrund hat. Programmatischen, nicht touristischen und schon gar nicht entliehenen! Wenn Coles eine „Danza Brasileña“ schreibt, die erstaunlicherweise in der Ausgabe „Momentos Españoles“[!] steht, dann hat er nichts kopiert oder paraphrasiert, dann hat er das zu tun versucht, was beispielsweise Georges Bizet beim Komponieren seiner Oper „Carmen“ getan hat. Er hat „Spanisches“ eingefangen, kondensiert und daraus wieder „Spanisches“ komponiert. Er hat nicht, wie es seinerzeit zum Beispiel Siegfried Behrend (1933–1990) überwiegend getan hat, schlichtweg Versatzstücke aus allen möglichen Ländern zusammengewürfelt, um Musiken daraus zu erfinden, die exotisch rochen, dufteten oder schmeckten. [Nebenbei bemerkt: Sigi Behrend soll ein guter Koch gewesen sein, der gerne und gut Rezepte von hie und dort umgesetzt und dabei gewürfelte Aromen nicht verwendet hat … anders, als beim Komponieren!]

CD Joao Carlos VictorLaureate Series Guitar: João Carlos Victor
First Prize 2015 Tárrega International Guitar Competition, Benicàssim
Werke von Dowland, Rodrigo, Tárrega, Paulo Rios Filho und Castelnuovo-Tedesco
Aufgenommen im Januar 2016
Gitarren: David Rubio und Carlos Gomes Valentim
NAXOS 8.573670
… eine überzeugende Visitenkarte …

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Der sympathische João Carlos Victor ist Brasilianer: Geboren wurde er in Salvador, Bahia, dort hat er auch studiert. 2008 hat er ein Stipendium der DAAD zugesprochen bekommen und ist nach Nürnberg zu Franz Halász gegangen, kurz danach nach Luzern, um bei Mats Scheidegger weitere Studien zu betreiben. João Carlos Victor spezialisierte sich auf Aufführungen Neuer Musik und damit wurde er schnell international bekannt. Mit mehreren bekannten Komponisten arbeitet er seitdem zusammen … unter ihnen Paulo Rios Filho (* 1985), dessen Werk „Répéter“ allerdings das einzige wirklich neue der NAXOS-CD ist.

BWV998Das Autograph der Komposition „Präludium, Fuge und Allegro“ (BWV 998) von Johann Sebastian Bach ist vor ein paar Tagen, genau am 13. Juli 2016, bei Christies in London unter den Hammer gekommen. Erzielter Preis: 2,5 Millionen Pfund (knapp drei Millionen €). Das vierseitige Manuskript (zwei Blätter, beidseitig beschrieben) ist zwischen 1740 und 1745 entstanden und geht jetzt an einen privaten, anonymen Käufer in China, der von Christies veröffentlichte Schätzpreis lag zwischen 1,5 und 2,5 Millionen Pfund. http://www.christies.com/features/Johann-Sebastian-Bach-autograph-manuscript-7497-3.aspx#

Der Verkäufer war die Bibliothek der Hochschule Ueno Gakuen in Tokyo, in ihren Besitz war die Handschrift 1969 durch den Antiquar Hans Scheider in Tutzing gelangt. Nur ein Jahr vorher, 1968, war sie als „property of a Lady” von Syotheby's in London versteigert worden. Preis damals: £ 5.500!

Am 29. November 2016 wird die Handschrift der Auferstehungssymphonie von Gustav Mahler (Zweite Symphonie) auch in London, aber bei Sotheby’s, versteigert und in diesem Fall geht man davon aus, dass sie den höchsten Preis erzielen wird, der jemals für ein Musikautograph bezahlt worden ist. Der Mindestpreis für die 232 Seiten starke Handschrift beträgt 3,5 Millionen Pfund (4,11 Millionen Euro) … immer voraussetzend, dass das Britische Pfund nach dem Brexit nicht weiter an Wert verliert.

Lendle WolfgangWolfgang Lendle verstarb unerwartet am Dienstag, dem 16.3.2016 im Alter von 68 Jahren.

Durch einen Kollegen erfuhr ich Mitte April vom überraschenden Tod Wolfgang Lendles. Im Unterschied zu diesem habe ich weder bei Lendle studiert noch private Kontakte zu ihm unterhalten. Trotzdem haben der Mensch und der Künstler Wolfgang Lendle auch für mich eine große Bedeutung.

Zunächst hatten wir beide, der am 5.1.1948 in Ludwigsburg geborene und in Trier aufgewachsene Lendle und ich, Jiri Jirmal als gemeinsamen Lehrer. Der damals auch am Konservatorium in Prag tätige Gitarrenprofessor Jiri Jirmal war zweimal für längere Zeit als Gitarrendozent an der Musikhochschule des Saarlandes beauftragt. In die erste Phase fällt die Studienzeit Wolfgang Lendles, in die zweite meine eigene. Allerdings hatte der Unterricht bei Jirmal eine geringere Bedeutung für Lendle, so äußert sich dieser in einem Interview, als der bei Martin Galling, einem Pianisten und Cembalisten, welcher ebenfalls an der Musikhochschule dozierte. Dieser unterrichtete dort von 1970 bis ins Jahr 2000 das Fach Kammermusik und war für Lendle der eigentliche musikalische Wegbereiter und Mentor.

Hier zeigt sich klar, und in diesem Punkt fühle ich mich ihm sehr eng verbunden, dass Lendle stets über den Tellerrand der Gitarre hinausschauen wollte. Es wird deutlich , dass sein Interresse der Musik in ihrem umfassenden Wesen und ihrer über das eigene Instrument hinausreichenden allgemeinen Bedeutung galt, und eben nicht auf die Gitarrenmusik beschränkt blieb. Durch diese tiefe Einsicht und seine Konzentration auf die pure musikalische Gestaltung, völlig losgelöst von den scheinbaren Widrigkeiten und Beschränkungen der Gitarre, sind ihm Interpretationen gelungen, die auch weit in die Zukunft reichend ihre Gültigkeit und Vorbildlichkeit behalten werden.

Paisiello in Vienna CDIzhar Elias, Gitarre; Alon Sariel, Mandoline; Michael Tsalka, Fortepiano
Paisiello in Vienna
Werke von Bartolomeo Bortolazzi, Johann Nepomuk Hummel, Mauro Giuliani, Ludwig van Beethoven, Johann Baptist Wanhal
Aufgenommen zwischen März und August 2015
Gitarre: Guadagnini, 1812; Mandoline: P. Mauri, 1850; Fortepiano: J. Böhm, 1820
Brilliant Classics 95301
… mit begeisternder Spielfreude …

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Wer war Giovanni Paisiello? Auf diese Frage wird man oft die Antwort hören, er, Paisiello, sei der Komponist von „Nel cor più non mi sento gewesen, schließlich hat nichts ihn so berühmt gemacht wie dieses Duett aus seiner Oper „L’amor contrastato, ossia La molinara“, meist einfach „La molinara“ genannt, in deutscher Übersetzung auch „Die Müllerin“ oder „Die schöne Müllerin“. Aber nicht die beliebte Oper ist es, die immer wieder erwähnt wird, es ist diese einzelne Nummer, deren Melodie wie ein Stück Volksmusik wirkt, es aber dem Wortsinn nach nicht ist.

Best of Guitar Classics KLEINHegel, Martin (Hrsg.): Best of Guitar Classics
Werke von Fabritio Caroso, Francis Cutting, Luis Milan, Luys de Narváez und anderen
108 S., Bachformat, Fadenheftung
Mainz u.a., Schott Music, 21016, ED 22060, ISMN 979-0-001-20194-0, € 18,–

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Wenn bei einem Verlag wie Schott Anthologien mit musikalischem Spielmetarial herauskommen, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich verlagseigene Kompositionen in der jeweiligen Auswahl befinden, groß. So ist es auch bei dieser üppig ausgestatteten Ausgabe, die Martin Hegel herausgegeben hat … die mir allerdings die eine oder andere Frage aufgibt.

Beispiel 1: Ganz am Schluss der Sammlung steht Hans Werner Henzes „Tento I »Du schönes Bächlein«“ aus seiner „Kammermusik 1958“, erschienen – wie alles, was Henze je geschrieben hat – bei Schott. Die praktische Ausgabe der „Tentos“ ist dort 1960 herausgekommen (ED 4886) und zwar „Eingerichtet von Julian Bream“.
Die Ausgabe von Hegel weicht in zahlreichen Details von der ursprünglichen Edition ab … allerdings, ohne das im Einzelfall anzugeben. Geht nicht! Wenn man schon verbessern will, dann muss man seinen Kunden sagen, wo man das tut und warum!