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Ernesto Cordero Caracas 1998 300x200Ernesto Cordero: Carribean Concertos for Guitar and for Violin
Pepe Romero, Guitar; Guillermo Figueroa, Violin; I Solisti di Zagreb
Aufgenommen zwischen Februar 2009 und Mai 2010, erschienen 2011
NAXOS 8.572707
… Das „Concierto Festivo for guitar and string orchestra“ hat mich nicht überzeugen können …

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Das „Concierto Festivo for guitar and string orchestra“ von Ernesto Cordero war eine Auftragskomposition der Universität von Puerto Rico anlässlich des hundertsten Jubiläums ihrer Gründung. Pepe Romero, dem Solisten auf dieser Aufnahme und auch dem der Uraufführung im Jahr 2003, ist es gewidmet.

Carribian Concertos CD 150x150Ernesto Corderos musikalische Sprache ist neo-neomantisch, sein Formenrepertoire traditionell … jedenfalls, was das einleitende Gitarrenkonzert angeht. Im Kopfthema kämpft ausgerechnet der Solist mit Ereignislosigkeit … und zwar einen Kampf, den er mit wüsten Arpeggien und Rasgueados zu gewinnen versucht. Ohne Erfolg! Was aber nicht heißt, dass die Gitarre in diesem Konzert, das immerhin von einem Gitarristen komponiert worden ist, nichts zu sagen bekommen sollte. Das Lyrische, weder flamencoid noch karibisch synkopiertes Flair ist hier eher ihre Sache.

Adagio con passione, der zweite Satz, kommt der Gitarre viel weiter entgegen, und doch kann sie auch hier ihre Stärke nicht ausspielen. Dafür reicht das melodische Material nicht aus. Der Solist rettet sich wieder in exstatische Akkordreihen … auch in lyrische Passagen, die sein Instrument im rechten Licht erscheinen lassen. Und gerade das, das rechte Licht, wird der Gitarre immer erst dann zuteil, wenn das Orchester im „Concierto Festivo for guitar and string orchestra“ weitgehend zurückgenommen wird, zum Statisten degradiert. Das ist ein probates Mittel, um das klangliche Gleichgewicht zwischen der zarten Gitarre und dem viel kräftigeren Orchester auszugleichen. Rasgueado ist auch eines, aber beide sind musikalische Bankrotterklärungen. Im Adagio jedenfalls ist das Orchester immer dann, wenn die Gitarre ihre Stärken ausspielt, nicht vorhanden.

 

Der längste Satz des Konzertes, der dritte mit dem Titel „Energico“, ist kein spielerischer, virtuoser Ausklang, wie wir das aus „klassischen“ Solokonzerten gewohnt sind, sondern ein eher tragisches Finale. Auch hier kommen die Paukenschläge von der Gitarre, auch hier wird die Solostimme zwischendurch aufmüpfig und drängt sich mit heftigen Rasgueados nach Vorne … oder sie singt, wie es ihre Natur vorsieht.

Pepe Romero, der Solist und Widmungsträger des Konzerts, hat das ganze Werk über alle Hände voll zu tun, wird immer wieder zu virtuosen Einlagen genötigt. Er kommt diesen Aufforderungen auch stets ohne Widerspruch nach, füllt das Ganze aber nicht mit Sinn. Das „Concierto Festivo for guitar and string orchestra“ hat mich nicht überzeugen können, ja, es lässt mich sogar verständnislos zurück.

Gleich danach kommt die „Suite Concertante“ für Violine und Orchester mit dem Titel „Ínsula“ und siehe da, dieses Opus ist dem Komponisten und Gitarristen Ernesto Cordero deutlich besser gelungen, als das Gitarrenkonzert, von dem ich eben geredet habe. Ist vielleicht die Gitarre für Solokonzerte mit Orchester doch nicht geeignet? Wir haben Beispiele, die das zu widerlegen scheinen, aber wir haben auch einige, die genau dieses entmutigende Urteil bestätigen. Wie viele Konzerte für Gitarre und Orchester sind ur- und dann nie wieder aufgeführt worden? Und waren nicht viele Auftragskompositionen darunter, für die der Komponist und auch der uraufführende Solist im Voraus bezahlt worden sind?

Am Schluss des Programms der CD steht das „Concertino Tropical“ für Violine und Orchester. Auch hier: Diese Klasse hätte ich gern von Ernesto Cordero in seinem Gitarrenkonzert gehört! Und wer so die Violine als Soloinstrument einbinden kann und wer dazu noch selbst Gitarrist ist, der kann auch die Gitarre so präsentieren! Man höre vielleicht die beiden letzten Sätze dieser CD, „los caobos“ und "el colibri dorado“ aus dem „Concertino Tropical“ für Violine und Orchester. Das wären wunderbare Sphären für ein Gitarrenkonzert gewesen! Ernesto kann mit leichter Hand musikalisch verzaubern, aber das hat er mit seinem „Concierto Festivo for guitar and string orchestra“ nicht getan!

Foto: Ernesto Cordero und Ehefrau, Caracas/Venezuela 1998. Foto: © by Dr. Peter Päffgen [Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!]

Link auf YouTube: Alle drei Sätze des „Concierto Festivo for guitar and string orchestra“ sind in der Besetzung der CD auf YouTube zu sehen und zu hören. Hier ist der Link auf den zweiten Satz, Adagio con passione. Upload: 12. 05. 2012. Die Partitur ist erschienen bei Mel Bay Publications.