Giuliani pop

CD Egueez ua 300x268Un Concert pour Madame de Sévigné
Werke von Jean-Baptiste Lully, Marin Marais, Robert de Visée, Jacques Hotteterre
Marc Hantaï, Flöte; Georges Barthel, Flöte; Eduardo Egüez, Theorbe; Philippe Pierlot, Bass-Gambe
Aufgenommen im September 2009, erschienen 2011
FLORA 2110, im Vertrieb von CODAEX
… nicht sehr französisch …

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Die Komponisten dieser CD haben gemein, dass sie in Diensten des Sonnenkönigs Ludwig XIV. gestanden haben. Robert de Visée (ca. 1660—1732) war hoch angesehener Gitarrist und Theorbenspieler, Marin Marais (1656—1728) Gambist, Jacques Hotteterre (1674—1763) Flötist und Oboist und Jean-Baptiste Lully (1632—1687) Opernkomponist mit Migrationshintergrund. Er stammte aus Italien stammte und hatte dort Giovanni Battista Lulli geheißen hatte. So viel zu den Komponisten … aber wer war Madame de Sevigné, für die hier musiziert wird?

Françoise-Marguerite de Sévigné (1646—1705) war eine schöne, kunstbeflissene Aristokratin im Dunstkreis des Pariser Hofes Ludwigs XIV. Ihr Name ist uns heute hauptsächlich wegen der Briefe noch bekannt, die ihre Mutter Marie de Sévigné (1626—1696) ihr im Verlauf von 25 Jahren geschrieben hat, und die Privates und völlig Privates aus dem Umfeld des Königs preisgeben und kommentieren.

 

Françoise-Marguerite de Sévigné, die Tochter, jedenfalls war so einflussreich und „wichtig“, dass die Musiker des Königs für sie spielten – so jedenfalls die charmante Idee der vier Musiker unserer Zeit, die die vorliegende CD eingespielt haben. Eine kleine kammermusikalische Versammlung ist es, die sie darstellen, klein und unaufdringlich, was Klanggröße und Repertoire angeht.

Wie üblich für die immer exquisit ausgestatteten Booklets der FLORA-CDs, enthält das Digipak für diese Produktion kaum Informationen, die über eine Tracklist hinausgehen … wären da nicht ziemlich genaue Angaben über die Quellen, aus denen die Musiker gespielt haben. Keine Biographien, weder von Komponisten noch von ausübenden Musikern … dafür aber Angaben über die verwendeten Quellen. Eine davon ist die Handschrift des Vaudry de Saizenay aus der Stadtbibliothek in Besançon, in der die meisten Theorbenstücke von Robert de Visée aufgeschrieben sind … wie das „Entrée d’Apollon“, das dieser nach “Le Triomph de l’Amour“ von Lully eingerichtet hat.

Eduardo Egüez spielt dieses Entrée auf der CD nicht sehr französisch. Die Spielmanier, die vor einigen Jahren mindestens für französische Barockmusik völlig en vogue war, Punktierungen nämlich gerne zu überspitzen und den Spielfluss überhaupt durch agogische Maßnahmen trochäisch anzulegen, ist immer schon kontrovers diskutiert worden, weil sie beinahe grundsätzlich von herkömmlichen Spielweisen abweicht. Aber sie bringt Spannung … die Egüez leider nicht erzeugt.

Der Gambist Philippe Pierlot überzeugt mich mit seinem Marais am ehesten. Die Allemande-double ist – trotz ihres Namens – der am französischsten gespielte Satz der CD. Aber in Gavotte und Gigue fehlt mir durchaus Spannung.

Die französische Musik der Zeit der Regentschaft von Louis XIV. kann ungeheuer aufregende, spannende und sinnliche Musik sein. Vor Jahren sind aber von den Kuijken-Brüdern in Brüssel zum Beispiel Maßstäbe gesetzt worden, die freilich nicht immer und von jedem eingehalten werden können.