Giuliani pop

Beethoven for two guitarsBeethoven for Two Guitars
Schneiderman – Yamaya Duo
John Schneiderman & Hideki Yamaya
© ℗ 2017
HÄNSSLER CDHC17029, im Vertrieb von Profil Medien, Neuhausen
… höchst delikat und in feinst differenziertem Umgang mit den Gegebenheiten.…

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2017, vor zwei und mehr Jahren ist diese CD entstanden – zwei und mehr Jahre vor dem großen Beethovenjahr, das gerade vor ein paar Tagen eingeläutet (oder sollte ich sagen „eingeböllert“?) worden ist. John Schneiderman und sein musikalischer Partner Hideki Yamaya waren ihrer Zeit voraus – sie haben das Ereignis vorausgeahnt. Die großen Plattenlabels, die „Gesamteinspielungen“ herausgebracht haben, übrigens auch: Die DEUTSCHE GRAMMOPHON mit insgesamt 118 CD, 2 DVD und 3 Blue-ray Audio disks, NAXOS mit 90 CD und Warner Classics mit 80 CD. Die unterschiedlichen Mengen an Tonträgern erklären sich durch hinzugekommenes Bonus-Material.
Schneiderman und Yamaya haben Kammermusikwerke des Bonner Komponisten für ihr Programm ausgewählt und für jedes einzelne angegeben, wer die entsprechenden Transkriptionen angefertigt hat. Nein, falsch, nicht in einem einzigen Fall hießen sie Schneiderman oder Yamaya! Es waren ausnahmslos Zeitgenossen Beethovens, die dessen Kompositionen für Gitarre(n) transkribiert haben. Er war halt schon zu Lebzeiten ein Superstar, ein Vollender der „Wiener Klassik“. Und kompositorisches Material für Gitarre(n) hat Beethoven nicht hinterlassen und wohl auch nie geschrieben.


Zu den Arrangeuren gehörten Vinzenz Schuster (1800– ?), den dem Vernehmen nach der Musikverleger Anton Diabelli beauftragt hatte, drei Bearbeitungen in Duo-Besetzung von Beethoven-Werken zu schreiben. Sie sind dann auch zwischen 1819 und 1821 bei Diabelli erschienen … und jetzt auf CD. Es handelt sich um Bearbeitungen aus dem Septett op. 20 und zwei Streichquartetten: Opera 59 und 18.
Außerdem hat Ivan Klinger (1815–1897) mitgearbeitet. Der russische Gitarrist war in der Zeit aktiv, als die in seinem Heimatland gebräuchliche Gitarre nicht mehr sieben, sondern (schon) sechs Saiten hatte und starb, als Antonio de Torres das Vorbild für die „moderne Konzertgitarre“ schon gebaut und vorgestellt hatte. Die Welt befand sich im Wandel – mindestens die Gitarrenwelt..

(Dr.) Alexander Dunn schreibt im Booklet der YAMAYA-CD wenig bis nichts über Klinger und Alexandre Heeser, zwei der Bearbeiter. Das ist nicht weiter verwunderlich, weil über diese beiden Musiker so gut wie nichts bekannt ist … außer – und das erzählen alle Fachbücher wie auch Joseph Zuth in seinem „Handbuch“ – dass Klinger „hauptberuflich“ hochrangiger Offizier gewesen ist und zahlreiche Stücke für sechssaitige Gitarre komponiert hat.
John Schneiderman und Hideko Yamaya spielen Gitarren, deren Provenienz leider nicht nachgewiesen wird. Ein Foto verrät aber, dass es sich um Instrumente aus der Schule Stauffer (und Nachfolger) handelt. Die beiden Gitarristen überfordern diese Gitarren nicht, sondern spielen sie in dem ihnen eigenen dynamischen Spektrum zwischen mezzopiano und mezzoforte. Und das tun sie höchst delikat und in feinst differenziertem Umgang mit den Gegebenheiten. Wenn man die frühen Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven auf frühen Hammerklavieren hört, wie das im Moment – im Beethoven Jahr – in des Komponisten Heimatstadt Bonn an jedem Wochenende möglich ist, dann stellt man fest, dass der Unterschied in Klangdichte und Lautstärke zwischen Gitarren und Klavieren der Beethoven-Zeit gar nicht so groß war, wie man annehmen mag. Die saalfüllenden Instrumente kamen erst später und wurden auch erst später nötig – nach dem Wiener Kongress nämlich, als musikalische Unterhaltung zum allgemeinen Entertainment gehörte und nicht mehr dem Adel vorbehalten war. Die CD von Schneiderman und Yamaya sollten Sie sich in diesem Jahr 2010 gönnen … und damit spreche ich nicht nur die Gitarrenfreunde an!