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Bin Hu, guitar: Ciaccona
Werke von Johann Sebastian Bach
Aufgenommen im Juni 2016, erschienen: ℗ © 2018
Gitarre: Andreas Kirmse
Ediciones Eudora, Madrid EUD-SACD 1803, im Vertrieb von Challenge Records
… Bin Hu ist zweifellos eine große Begabung …

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Bin Hu CiacconaBin Hu wurde 1987 in Tianjin in China geboren. Mit elf hat er seinen ersten Gitarrenunterricht bekommen, danach hat er am Konservatorium in Beijing bei Jiajiong studiert. In Salzburg war er danach bei Marco Tamayo in der Lehre und bei Tom Patterson an der University of Arizona. Mit Johann Sebastian Bach ist er näher bekannt geworden, als er 2016 den David-Russell-Bach-Prize gewonnen hat. Russell hat sich eigentlich nie als Bach-Spezialist ausgewiesen – eher als einer für Tárrega, Barrios oder Isaac Albéniz … aber das kann sich ja geändert haben. Die üblichen Bach-Platten hat er eingespielt, aber die zeigen ihn – wie erwähnt – nicht als ausgesprochenen Spezialisten … oder ist vielleicht jeder Gitarrist irgendwie Spezialist für Johann Sebastian Bach und seine Musik? Jeder schreibt seine eigenen Übertragungen, jeder hat seine eigenen Ansichten zum Thema „Transkriptionen – ja oder nein?“
Und auf Übertragungen sind Gitarristen nun mal angewiesen, wenn sie Musik von Johann Sebastian Bach spielen wollen. Musik für Gitarre hat der Thomaskantor nie geschrieben – streng genommen nicht einmal Lautenmusik. Kathy Acosta Zavala und Bin Hu haben die Texte für das CD-Booklet geschrieben. Kathy hat wie Bin Hu an der University of Arizona studiert und arbeitet an ihrer Dissertation in den Fächern Gitarre und Musikwissenschaft.

 

Bin Hus Bach-CD enthält das Prelude aus der Partita BWV 1006. Die Sonaten BWV 1001 und 1003, anschließend die mächtige Chaconne aus der Partita 1004 – alle im Original für Violine. Zum Abschluss hören wir dann die Sinfonia zu der Kantate BWV 156 auf den dritten Sonntag nach Epiphanias: „Ich steh‘ mit einem Fuß im Grabe“ in einer Bearbeitung von David Russell. Sie geht zurück auf den zweiten Satz des f-moll-Violinkonzerts von Johann Sebastian Bach, das nur in einer Klavierbearbeitung überliefert ist (BWV 1056).
Bin Hu spielt flüssig und routiniert … vielleicht etwas zu rund und zu glatt. Er baut nicht auf die Kunst des Gliederns durch Phrasierungen, sondern eher auf dynamische Kontraste und Tempounterschiede. Das gelingt ihm alles sehr überzeugend, aber für meine Begriffe oft zu sportiv. Die Chaconne wird in der einen und anderen Phrase durchhastet, ihr fehlt gelegentlich Ruhe und Distanz.

Die Sinfonia aus BWV 156 gefällt mir am besten, ihr gönnt Bin Hu besondere Aufmerksamkeit und Sorgfalt … vielleicht hat ihm hier auch David Russell, der die Transkription dieses Werks geschrieben hat, als Berater zur Seite gestanden?
Bin Hu ist zweifellos eine große Begabung. Was ihm noch fehlt, kann er nirgends kaufen und nur durch Geduld und Erfahrung erringen – gönnen wir ihm die Zeit und Muße!