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Ida Presti Alexandre Lagoya Legendary TreasuresLegendary Treasures: Ida Presti & Alexandre Lagoya
CBC Radio-Canada International Service
CBC RM 77, recorded July 21, 1962
Werke von Lauffensteiner, Daniel-Lesur, Vivaldi
CBC RM 104, recorded July 20, 1963 Sor, Händel, Albéniz
French Broadcasting System Nº 628, recorded June 1963
Improvisation Nº 12 von Francis Poulenc
Aufgenommen 1962 und 1963
Gitarren: nicht angegeben
DOREMI DHR-8059, 2018, im Vertrieb von NAXOS

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Die Aufnahmen für diese CD sind mehr als fünfzig Jahre alt. Es handelt sich um live-Aufnahmen, die von der kanadischen Radiogesellschaft CBC (Canadian Broadcasting Corporation, Radio Canada) und schließlich von Radio France produziert wurden, allerdings nie auf Schallplatten oder CDs in den Verkauf gelangt sind. Erst jetzt sind sie im Rahmen einer Dokumentation auf CD erschienen, die neben den Live-Aufnahmen, angefertigt während der Konzerte für Jeunesses Musicales du Canada im Mount Orford Arts Center in Magog, Québec, auch die Ansagetexte und informative Notizen von Jack Silver enthalten.
Über Ida Presti und Alexanre Lagoya etwas Positives zu äußern, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Sie waren ein Gitarrenduo besonderer Art, das wichtigste und einflussreichste Ensemble seiner Art der Jahre nach 1945 wahrscheinlich!

Ida Presti (13.Mai 1924–24.April 1967) galt als außergewöhnliches Talent. Mit acht Jahres hat sie 1932 ihr erstes Konzert gegeben! 1952 traf sie im Haus eines Freundes den Gitarristen Alexandre Lagoya – ein Jahr später (am 23. Mai 1953) haben die beiden geheiratet. Zwei Jahre später traten die Musiker als Presti-Lagoya-Gitarrenduo auf und wurden augenblicklich weltberühmt. Beide unterrichteten an der Schola Cantorum in Paris und nahmen zahlreiche Schallplatten auf.
Alexandre Lagoya (21.Juni 1929–24.August 1999) führte seine Karriere nach dem plötzlichen und unerwarteten Tod seiner Frau am 24. April 1967 als international anerkannter Solist weiter. Er wurde als Professor für Gitarre an das Staatliche Konservatorium in Paris berufen.
Bei allem Respekt, den wir der künstlerischen Leistung von Ida Presti und Alexandre Lagoya schulden, war ihr Spiel, als die Aufnahmen für diese Dokumentation entstanden (also 1962 und 1963), nicht mehr wirklich up to date. Zwar wurde jede gespielte Note vom Publikum mit anhaltender Begeisterung gefeiert, mit Standing Ovations regelrecht … die Kunst des Spiels im Gitarrenduo war aber zu dieser Zeit nicht so verbreitet, wie wir das heute kennen. Neu war sie keineswegs – man darf in diesem Zusammenhang an die legendäre musikalische Zusammenarbeit von Napoléon Coste (1805–1883) und Fernando Sor (1778–1839) erinnern – aber professionell arbeitende Gitarrenduos waren selten – auch für das Publikum im Mount Orford Arts Center in Magog, Québec in den Jahren 1962 und 1963, das so enthusiastisch auf das Spiel von Presti/Lagoya reagierte.

Die beiden Musiker verloren sich beispielsweise in „L‘Encouragement“ von Fernando Sor, einem der Stücke, das Sor für Coste und sich selbst geschrieben hatte, in völlig überdrehten Tempi, die das Publikum sofort mit Begeisterung quittierten. Das Gleiche gilt für die für Presti und Lagoya typischen Triller über zwei Saiten, die sie hart und  sehr pointiert in Stücke eingefügt haben … und die – genau genommen – mit den barocken gleichnamigen Verzierungen wenig zu tun haben. Die automatisierten Triller von Presti/Lagoya wirken wie von Nähmaschinen produziert und haben gleichwohl das Publikum in Begeisterung  versetzt. Hier, auf der Demo-CD, sind sie noch einmal zu hören, aber Begeisterungsstürme werden sie nicht mehr auslösen, ebenso wenig, wie die jugendlich animierten, ja fast pubertär anmutenden Tempoübertreibungen. Und doch: Ida Presti und Alexandre Lagoya haben das professionelle Spiel von Gitarrenduos im 20. Jahrhundert wieder etabliert. Und sie haben zahlreiche Komponisten für ihre Kammermusikbesetzung begeistert und auf diese Weise neues Repertoire initiiert, das heute noch zum Standard gehört!