Drucken

Flores Espanolas CDFlores Españolas: Music for Viol Consort and Guitar‘
Maria Ferré, Renaissance- und Barockgitarre; Les Escapades: Sabine Kreutzberger, Adina Scheyhing, Barbara Pfeifer, Franziska Finckh, Gamben
Werke von Antonio de Cabezon, Llano del Cavallero, Pablo Bruna, Gaspar Sanz, Juan Cabanilles u.a.
Aufgenommen in Zusammenarbeit mit dem SWR2 im Februar 2017
Erschienen ℗ 2018 bei CHRISTOPHORUS CHR 77418, im Vertrieb von Note1
… alles andere, als staubig oder antiquiert …

♦♦♦♦

CD bei Amazon bestellen?

Wir, das heißt gitarrenaffine Menschen, kennen die Komponisten, die auf vorliegender CD mit Stücken vertreten sind. Es sind Musiker, die uns wegen ihrer Beschäftigung mit der Vihuela oder den Gitarren des 16. und des 17. Jahrhunderts vertraut sind und bei einigen kennen wir sogar die Stücke, die vorgeführt werden. Pavana und Gallarda von Luis Milan finden sich in fast allen Anthologien mit früher Gitarrenmusik – ob gedruckt oder auf Tonträgern. Das Gleiche gilt für die Tänze von Gaspar Sanz oder von Santiago de Murcia … kennen wir!

Die Besetzung mit vier unterschiedlichen Gamben und Gitarren ist uns für diese Musik auch durchaus vertraut. Geläufig oder gar „üblich“ ist sie aber (noch) nicht. Warum das so ist? Nun, Gamben-Ensembles waren vor fünfhundert oder vierhundert Jahren höchst populär … danach riss aber die Tradition des Musizierens und des instrumentalen Improvisierens ab. Uns ist ja durchaus Musik des 16. Und 17. Jahrhunderts überliefert – aus dieser Zeit stammen die meisten der „Flores españolas“, die wir auf der CD hören – allerdings fehlte uns lange das aufführungspraktische Know-how, um die Stücke angemessen aufzuführen. Überliefert sind keine Partituren, die uns bis ins Detail präzise Aufführungsanweisungen liefern, sondern eher musikalische Skizzen, die bei den Aufführenden viel Wissen und Erfahrung voraussetzen. Und genau diese Erfahrung ist inzwischen verloren gegangen.

Heute gehört das Sich-Beschäftigen mit historischer Aufführungspraxis zur Standard-Ausbildung von Musikern, zumal, wenn sie sich mit historischen Instrumenten befassen. Dann wird niemand mehr die Notwendigkeit einer solchen Zusatzausbildung in Frage stellen – nicht einmal die, bei denen man noch in den 1980er Jahren Hohn geentet hat, wenn es um solche Fragen ging.  „Wir wollen eigentlich mehr den musikalischen „Urgesetzen“ der Phrasierung und Gestaltung folgen und nicht so sehr den akribischen Forschungen und der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Text“ antwortete der bekannte Hochschullehrer und Herausgeber Dieter Kreidler noch vor dreißig Jahren in einem Interview auf die Frage: „Auf eurer ersten LP steht der Satz, dass gerade die „Darstellung alter Musik einen Kontrast zur heute gängigen – oft allzu historisierenden – Musikpraxis bilden soll“. Ihr stellt euch damit bewusst gegen einen heute sehr starken Trend zur Aufführungspraxis, zum Originalinstrument …“ [ZUPFMUSIKmagazin 4/1988, S. 108–109]. Gut, dass sich Wilhelm von Humboldts Erkenntnis „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft“ in der Zwischenzeit durchzusetzen scheint!

Maria Ferré und ihr Ensemble „Les Escapades“ präsentieren uns ein sehr kurzweiliges Programm mit Stücken von spanischen Komponisten. Wir hören vitale Musik, die alles andere, als staubig oder antiquiert ist. Von ihrer Art, mit dieser Musik umzugehen, können wir viel lernen … in der Zwischenzeit: Viel Spaß!