Giuliani pop

Paganini Works for Violin Viola Cello and GuitarNiccolò Paganini: The complete works for violin/viola, cello & guitar
Nils-Erik Sparf, violin/viola; Andreas Brantelid, cello; David Härenstam, guitar
Aufgenommen im Mai 2016, ℗ 2017
Violine: Stradivari 1709; Viola: Johann Öhberg 1770; Cello: Stradivari 1707; Gitarre: Jim Redgate, Adelaide, 2014
proprius PRCD 2078, im Vertrieb von NAXOS
… Mit diesem Terzett hat Niccolò Paganini seinen Schritt hin zur musikalischen Romantik unterstrichen …

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Niccolò Paganini (1782–1840) war Geiger. Nein, er war mehr, er war einer der ersten international tätigen Virtuosen und wurde der „Teufelsgeiger“ genannt … obwohl Goethe dazu meinte: „Nein [...], der Mephistopheles ist ein viel zu negatives Wesen, das Dämonische aber äußert sich in einer durchaus positiven Tatkraft. Unter den Künstlern findet es sich mehr bei Musikern, weniger bei Malern. Bei Paganini zeigt es sich im hohen Grade, wodurch er denn auch so große Wirkungen hervorbringt.“

Aber Paganini wurde nicht nur als Geigenvirtuose gefeiert, er spielte auch exzellent Gitarre und komponierte viel für dieses Instrument, das allerdings zu seiner Zeit als Konzertinstrument weitaus weniger populär war, als die Violine. Außerdem war die große Zeit der Gitarre 1833, als zwei der drei Kompositionen der Sammlung entstanden und uraufgeführt wurden, fast schon vorüber.

Das Programm jedenfalls beginnt mit einer „Serenata in C“, die im Autograph so überschrieben ist: „Serenata a Viola, Violoncello e Chitarra, Dedicata a madamigella Dominica Paganini da Suo Fratello Nicollò“. Das Stück hat Paganini also für seine Schwester Dominica anlässlich deren Hochzeit geschrieben, die am 20. Juli 1808 in Genua gefeiert worden ist.

 

Das elegante, verspielte Stück birgt zusätzlich noch eine Kuriosität: Als dritter Satz ist im Autograph eine Polacca mit der Überschrift „Polacca al Terzetto n. 1º, per Viola, Chitarra e Violoncello di Nicola Paganini“ in alle drei Stimmen eingefügt. Nicola war Niccolòs Enkeltochter.

Die Polacca haben die Musiker der CD zu unser aller Vergnügen mit aufgenommen, obwohl sie, wie man im Booklet lesen kann, zunächst nicht sicher waren, ob sie das tun sollten. Aber der zusätzliche Satz ist kein Fremdkörper, „er passt“ nicht nur, er bereichert die „Serenata“.

Das abschließende „Terzetto“ ist am 14. Mai 1833 in London uraufgeführt worden und zwar hat Felix Mendelssohn Bartholdy – vom Blatt – die Gitarrenstimme gespielt … auf dem Klavier! So jedenfalls hat es am nächsten Tag in der „Morning Post“ gestanden.

Auch hier: Mit diesem Terzett hat Niccolò Paganini seinen Schritt hin zur musikalischen Romantik unterstrichen. Natürlich hört man immer noch etwas Galanterie und Klassisches, aber der wunderbare Geiger Nils-Erik Sparf bringt uns Zuhörer leicht und ohne jegliche Mühe in den Genuss von Paganinis Versuchen mit den neuen romantischen Ideen. Noch ist es ein Probieren … aber hie und dort höre ich Nils-Erik auch mit betörenden Tönen, die mich an die Musik der Schubert-Zeit erinnern, auch an volkstümliche Wiener Musik der gleichen Entstehungszeit (und das meine ich keineswegs abwertend!) Wir erleben einen stilistischen Umbruch, den uns Niccolò Paganini ebenso wie die drei Musiker der neuen CD – die aber fast zweihundert Jahre später – hier erklären und genießen lassen.

Dem Cellisten Andreas Brantelid geht es ähnlich. Er hat es manchmal mit dem Virtuosen und – na ja! – das macht halt Spaß! Nicht nur ihm als Spieler! Und sich selbst über Gebühr darzustellen, ist bei dieser Musik ohnehin nicht nötig, bietet sie doch genug Gelegenheiten und „schöne Stellen“.

Und schließlich der leiseste unter den Spielern, der Gitarrist David Härenstam? Der könnte ja versuchen, sich mit (leisen) Paukenschlägen in Erinnerung zu bringen. Tut er nicht, er ist Teamplayer! Und man hört ihn, er ist dabei und meldet sich zu Wort! Er spielt eine moderne Gitarre, die das Zusammenspiel freilich leichter macht, als es die Instrumente vor zweihundert Jahren getan haben. Außerdem hören wir das Trio in einer ebenso ausgewogenen wie klangbetonten Aufnahme von Leif Hesselberg, die es ohnehin von seiner Schokoladenseite zeigt.

Kammermusik von Niccolò Paganini hört man gelegentlich, allerdings selten in so professioneller wie musikalisch begeisternder Qualität! Hier waren drei Musiker beteiligt, die begeistern – jeder für sich, und im Ensemble.