Drucken

The Legend of Alirio Diaz 2The Legend of Alirio Díaz Vol. 2
Studio Recordings 1963/℗ 2016
Werke von Albéniz, Granados, de Falla, Malats, Segovia, Turina und anderen
IDIS, Istituto Discografico Italiano, 6713, im Vertrieb von Klassik Center Kassel
… aber ein Epigone war er nie …

♦♦♦♦♦

CD bei Amazon bestellen?

Alirio Díaz, einer der großen Gitarristen des 20. Jahrhunderts, ist am 5. Juli 2016 in seiner langjährigen Wahlheimat Rom gestorben – darauf ist hier schon hingewiesen worden! Unzählige Plattenaufnahmen liegen von ihm vor – mit ihnen das ganze „klassische Repertoire“ der Zeit Segovias und seiner Schüler. Das Label IDIS produziert seit Jahren digitalisierte Neuaufnahmen alter Aufnahmen mit Gitarrenmusik – die zweite CD von Alirio Díaz liegt nun vor.

Alirio Díaz ist als begeisterter Anhänger von Andrés Segovia und seiner Kunst großgeworden und hat auch später als dessen Assistent an der Accademia Musicale Chigiana in Siena gearbeitet. Musikalisch ist Díaz stark von Segovia und von dessen Repertoirevorlieben und interpretatorischen Eigenheiten beeinflusst gewesen – gleichzeitig hat er keinen Zweifel daran gelassen, dass er sehr eigene Ansichten über die Gitarre und ihre Spielweisen vertrat.

Alirio Díaz hatte wie viele Interpreten seiner Zeit sehr eigene Ansichten über Stil- und Texttreue und über Aufführungspraxis. Zahllose Gitarristen seiner Zeit waren allerdings nichts anderes als nachplappernde Epigonen des einflussreichen Segovia … und genau das war Alirio Díaz nie! Er war weit davon entfernt, das kitschige Romantisieren Segovias nachzuahmen und hatte sehr eigene Methoden, musikalische Texte in seinem Sinn zu manipulieren. Díaz hatte auch Repertoirevorlieben, die Segovia nicht teilte … zum Beispiel das „Concierto de Aranjuez“ von Joaquín Rodrigo. Das spielte er sehr gern und häufig … während Segovia kategorisch ablehnte, dieses Konzert öffentlich aufzuführen. Alirio Díaz selbst hat mir einmal erzählt, Segovia habe das Konzert abgelehnt, weil es mit diesen D-Dur-Rasgueados beginne und die an Flamenco erinnerten. Das habe Segovia abgelehnt. Aber vermutlich war es viel einfacher: Vermutlich hat Segovia das „Concierto de Aranjuez“ nicht gespielt, weil nicht er, sondern ein anderer Gitarrist – Regino Sáinz del a Maza nämlich – dieses so erfolgreiche Stück uraufgeführt und berühmt gemacht hatte. Aber gleichwohl: Alirio Díaz hat Andrés Segovia verehrt und geschätzt, aber ein Epigone war er nie.

Die CD „The Legend of Alirio Díaz Vol. 2“ sollte man als gitarrenaffiner Musikhörer kennen. Maestro Alirio Díaz war ein großer Musiker, der viel für die Gitarre und die Gitarrenmusik bewirkt hat und den man in Erinnerung behalten sollte.

Die Digitalisierung ist leider nicht fehlerfrei. Da hätte man nach einer anderen analogen Vorlage suchen müssen!