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Matanya Winston Salem 1989 neu
Matanya Ophee kenne ich seit den ersten Tagen von Gitarre & Laute. Nein, ich kenne ihn aus Zeiten, als ich zwar an der Idee arbeitete, eine Zeitschrift namens „Gitarre & Laute“ herauszubringen, sie aber noch nicht in die Tat umgesetzt hatte. Matanya schrieb für George Clintons Zeitschrift „Guitar International“ für „Guitar Review“, die älteste der damals existierenden Gitarrenzeitschriften und für „Soundboard“. Er war also in der internationalen Gitarrenszene bekannt. Matanya lebte zu der Zeit in Boston/Massachusetts.

In Heft III/1981/Heft 6 erschien der erste Beitrag von Matanya Ophee in meiner Zeitschrift: „Die Begünstigung von Francisco Tárrega“ Teil 1. Es folgten zwei weitere Artikel zum Thema, Bemerkungen zu „La Sentinelle“ und zahlreiche weitere. Matanya befasste sich mit der Aufführungspraxis von Gitarrenmusik und speziell von Gitarrenmusik des 19. Jahrhunderts.

Schließlich lernte ich ihn 1982 in Lienz in Osttirol kennen. Ekard Reiser, damals schon Ekard Lind, veranstaltete dort ein Gitarrenfestival, für das er Matanya und mich eingeladen hatte. Und mit Matanya konnte man herrlich über Gott und die Welt reden (so lange sie Gitarre spielen) … was wir dann auch fast eine ganze Woche taten. Kollegen waren wir schon … jetzt wurden wir Freunde. Nach dem Festival nahm ich ihn mit nach Köln und wir machten unterwegs Stopp in der Nähe von Regensburg, wo ein Antiquar einen ganzen Katalog mit frühen Ausgaben von Gitarrenmusik im Angebot hatte. Matanya kaufte alle angebotenen Editionen und stocke damit seine ohnehin atemberaubende Bibliothek auf.

Ein Jahr später flog ich nach Boston und wurde Matanyas Trauzeuge … zusammen mit Brian Jeffery, Leif Christensen und Maria Kämmerling. Danach fuhren wir alle (mit dem Auto!) nach Quebec zum jährlichen Meeting der Guitar Foundation of America, die jedes Jahr in einer anderen nordamerikanischen Metropole stattfindet. An etlichen davon sollte ich Matanya später treffen: Pasadena, San Diego, New Orleans, Winston Salem usw. Er war immer da – ich seltener … aber hatte ja auch den weiteren Weg. Gefreut hätte ich mich jedes Mal!

Matanya hatte zwei nicht unerhebliche Vorteile jedem anderen Reisenden gegenüber: a. sprach er mehr als ein halbes Dutzend Sprachen fließend und weitere verständlich und b. war er „eigentlich“ und hauptberuflich (emeritierter) Flugkapitän bei einer amerikanischen Airline. Wenn man das einmal war, fliegt man sein Leben lang umsonst. Deshalb kam er, bevor es ihm zu viel wurde, jedes Jahr zur Musikmesse nach Frankfurt, zu sämtlichen Wettbewerben und Festivals in Tychy und … eigentlich überallhin, wo es um die Gitarre ging.

Matanya Ophee war auch Musikverleger und hat – zwar nicht immer aber doch häufig – das Näschen bewiesen, das Verleger haben müssen, wenn es um künstlerische Entdeckungen geht. 1989 saß ich in einem Konzert an der State University in Winston Salem neben ihm. David Tanenbaum spielte zusammen mit einem Streichquartett das neue Werk „Tríptico“ von dem ebenso neuen (bzw. jungen) Komponisten Roberto Sierra. Wir hatten den Konzertsaal noch nicht verlassen, da hatte Matanya schon einem Verlagsvertrag mit Roberto ausgehandelt. Und „Tríptico“ ist bei Editions Orphee erschienen und gehört heute zum Standard-Repertoire für die Besetzung Gitarre und Streichquartett.

Bücher kamen bei Editions Orphee heraus, die sich für viele Jahre als unverzichtbare Standardwerke erwiesen. Der Briefwechsel zwischen Andrés Segovia und Manuel M. Ponce – bzw., um genau zu sein, die Briefe von Segovia an Ponce, denn die von Ponce an Segovia sind nicht vollständig erhalten – haben viele Korrekturen und Entdeckungen, was das Repertoire für Gitarre des 20. Jahrhunderts angeht, ermöglicht. 1986 kam ein Reprint des „Diccionario Biografico – Bibliografico – Historico – Critico de Guitarras, Guitarristas, Guitarreros, Danzas y Cantos“ von Domingo Prat heraus (Urausgabe, Buenos Aires 1934). Auch dies war eine eminent wichtige Publikation, die der Gitarrenforschung einen Schub nach vorne verschafft hat. Und doch: Dies sind alles nur Beispiele.

Vor gut einem Jahr hat Matanya ein Buch herausgegeben, das ich ihm gegenüber am Telefon als „Festschrift Matanya Ophee“ bezeichnet habe. Matanya hat abgewunken, aber das Buch ist trotzdem so etwas wie eine Festschrift auf den Gitarrengelehrten, den Musikforscher und auf meinen Freund Matanya Ophee, dessen Ratschläge mir immer wieder geholfen haben … ob es nun um das beste Notensatz-Programm überhaupt ging, das beste Layout-Programm oder um die Frage, ob Juden und Deutsche gut dreißig Jahre nach dem Jahrhundert-Verbrechen Holocaust gute Freunde werden können. Sie können! Und umso mehr trauere ich um diesen Mann, der auf jede wichtige Frage die richtige Antwort hatte und sie niemandem verheimlichte. Seiner Ehefrau Margarita Mazo und seinen Kindern und deren Familien gilt meine besondere Teilnahme!

Matanya Ophee (Hrsg.), Essays on Guitar History, Compiled and Updated by Matanya Ophee. Columbus, OHIO, 2016, ISBN 978-0-936186-00-9