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Sor Les Deux AmisFernando Sor: Les Deux Amis – Selected Works for Two Guitars
Maria Camitz & Leif Hesselberg, Gitarren
Aufgenommen 2011–2014
Gitarren: van der Waals, Hallgren und Southwell
GATEWAY MUSIC HRCD001 [5 707471 050682]
… Es war mir ein Vergnügen!  …

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Maria Camitz und Leif Hesselberg, die Interpreten dieser CD, haben sich in Kopenhagen kennengelernt, als sie an der Königlichen Musikakademie ein Aufbaustudium im Fach Klassische Gitarre absolvierten. Kurz später gründeten sie zusammen mit Lars Henning Jensen das „Guitar Trio 1+2“ und begannen in dieser Formation eine Karriere, in deren Verlauf sie hunderte Konzerte gaben und zwei erfolgreiche CDs herausbrachten. Als die drei Musiker ihre Zusammenarbeit aufgaben, spielten Maria Camitz und Leif Hesselberg als Duo weiter. Mehrere Komponisten schrieben Stücke für das Duo, unter ihnen der bekannte und renommierte Axel Borup-Jørgensen.

Jetzt ist eine CD mit einem Repertoire eingespielt worden, das zugegebenermaßen nicht sonderlich originell, dafür aber qualitativ erstrangig ist: Fernando Sors (1778–1839) Werke für zwei Gitarren. Und als Liebhaber von Gitarrenmusik müssen wir ja, wenn wir ehrlich sind, eingestehen, dass es viel erstklassige Musik für zwei Gitarren nicht gibt. Gemeint ist Musik, die es mit Werken für Violine oder Cello und Klavier oder für, sagen wir, Klaviertrio, aufnehmen kann. Und, noch viel ehrlicher, Ensembles, sprich Gitarrenduos, die mit dem LaSalle- oder Amadeus-Quartett, um nur zwei Beispiele zu nennen, in Konkurrenz treten könnten, gibt es schon lange nicht mehr. Was es in der Gitarrenmusik immer schon gegeben hat und auch heute noch reichlich gibt, sind Virtuosen, gelernte Gurus und … Claqueure.

Aber Maria Camitz und Leif Hesselberg treten an, Ehre und Ansehen der Ensembleform „Gitarrenduo“ aufzupolieren. Sie tun das mit Gitarren von Instrumentenmachern, die eigentlich für Kopien historischer Gitarren und Lauten bekannt sind und tatsächlich sind es auch hier solche Instrumente, die wir hören dürfen. Allerdings: Camitz & Hesselberg spielen keine Lacôte- oder Panormo-Kopien, sie spielen Gitarren, die solchen von Antonio Torres und Hermann Hauser nachempfunden sind und sie bereiten – mir jedenfalls – damit eine besondere Freude! Wenn man da über eines der Instrumente „Hauser style“ von Gary Southwell liest, dann ahnt man, was man zu hören bekommt: obertonreichen, klaren Gitarrenklang mit brillanten Höhen und sonoren Bässen … wie man sich Gitarren so vorstellt!

Mårten Falk hat die lesenswerten Kommentare zu Komponisten und Stücken geliefert, die Einblicke in die kompositorische Werkstatt Fernando Sors erlauben. Sors Zusammenarbeit mit Dionisio Aguado (1784–1849) , dessen Ansichten über das Gitarrenspiel weitgehend von seinen eigenen abwichen, ist dabei von Interesse, dabei waren die beiden, Sor und Aguado, die beiden Freunde, die im Titel von Sors Opus 41 sogar genannt sind: „Les deux Amis“. Sors Beziehung zu Napoléon Coste (1805–1883) war naturgemäß eine grundsätzlich andere als die zu Aguado. Coste war mehr als fünfundzwanzig Jahre jünger als Sor und nicht sein Freund – er war sein Schüler, der auch als Revisor mehrerer Werke seines Meisters und Lehrers bekannt wurde. Unter anderem hat er „L’Encouragement“ op. 34 für zwei Gitarren neu herausgegeben, ein Werk, das auch von Maria Camitz und Leif Hesselberg gespielt wird – allerdings nicht in der Version von Coste, sondern in der eigentlichen von Sor.

Noch einmal zu den Interpreten: Nicht nur der Gitarrenklang, der uns erreicht, ist ein Vergnügen, auch das frische, unprätentiöse Spiel der beiden Künstler. Sie spielen virtuos, wenn Virtuosität angesagt ist und sie nehmen sich zurück, wenn Zurückhaltung gefragt wird. Das machen sie sehr geschickt und sehr werkdienlich mit dem Ergebnis, dass wir Zeugen einer ebenso spontanen Aufführung wie einer HIP werden, einer „historically informed performance“.

Das Spiel der beiden Musiker zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sie, für Gitarristen, recht weitgehend auf unkontrollierte Arpeggien verzichten. Ihr Spiel wird dadurch klarer und durchsichtiger. Überhaupt haben sie interpretatorischen Marotten, die Gitarristen gerne kopieren und weitertragen, offenbar den Kampf angesagt. Kurz: Es war mir ein Vergnügen!

Zum Schluss noch ein Wort zum Titelbild der CD. Es zeigt ein originelles Portrait der „deux amis“ von Hans Ovesen, das offenbar für diese CD angefertigt worden ist. Sor (links) hält eine Gitarre mit modernem Kopf und modernen Stimmmechanik, während Aguado ein älteres Instrument mit Wirbelblatt und hinterständigen Wirbeln in seinen Händen hat.

Hans Ovesen, der Künstler und Gestalter, stellt sich im Internet als Architekt, Schriftsteller, Gitarrist und als Bildender Künstler vor und ich empfehle einen Blick in seine Homepage! Vielleicht liefern seine Zeichnungen, Gemälde oder serielle Grafiken Material für weitere CD- oder LP-Designs? Mir gefallen sie!