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Beethoven fuer zwei GitarrenBeethoven for Two Guitars
Musik von Ludwig van Beethoven
John Schneiderman und Hideki Yamaya Guitars
Vorbereitung des Notenmaterials und Kommentare von Alexander Dunn
Erschienen 2017
HÄNSSLER Classic PH17029, im Vertrieb von NAXOS
… unverkrampft mit Lust und Liebe gespielt …

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Beethoven für Gitarre? Klar, er selbst hat niemals für das Instrument komponiert, aber schon zu Lebzeiten des Bonners haben Gitarrenbegeisterte seine Stücke adaptiert. Carulli gehörte dazu, auch Ivan Klinger, Vincenz Schuster und andere. Und natürlich haben sich die Gitarristen Werken angenommen, die irgendwie auf ihrem Instrument darstellbar waren … oder auf zweien davon. Und sie haben Kompositionen ausgewählt, die bekannt waren, für die also Nachfrage bestand.
Das Rondo für zwei Gitarren von Ivan Klinger [auf der CD: Nº 2] geht auf ein Stück Beethovens für Violine und Klavier [WoO 41] zurück, in mehreren anderen Stücken nehmen die Bearbeiter aber erwartungsgemäß auf Klavierstücke Bezug … erwartungsgemäß, weil das Klavier als Hausmusikinstrument sehr verbreitet war und damit auch Beethovens Klaviermusik bzw. Klaviermusik überhaupt.
„Variations and Rondo, op. 155“ von Ferdinando Carulli [auf der CD: Nº 4] ist in der Erstausgabe von 1822 so überschrieben:

Andante Varié et RONDEAU | Musique de Beethoven | ARRANGÉS | Pour deux Guitares | Par | Ferdinando Carulli

und ist eine Transkription zweier Sätze aus Beethovens Klaviersonate Nº 12 op. 26. Ein Blick in die Ausgabe der originalen Klavierversion dieser Sonate verrät rasch, wie weit Carulli gegangen ist, dieses Stück für seine neue Besetzung vorzubereiten. Alexander Dunn hat die Partituren für die vorliegende CD-Einspielung vorbereitet und erwähnt auch im Booklet die zahlreichen Eingriffe und Freiheiten, die sich Carulli und die anderen Bearbeiter erlaubt haben. Etliche davon waren notwendige Modifikationen, weil die Sätze von Beethoven eine Transkription für zwei Gitarren partout nicht erlaubten – andere wären vermeidbar gewesen. Aber auch hier: Die Nachfrage steuert das Angebot. Ludwig van Beethovens (1770–1827) Musik war, als die Gitarre ihre hohe Zeit erlebte, höchst populär und so verlangten die Musikverlage Gitarren-Versionen seiner Werke. Und sie bekamen sie!

Oft waren es Sätze wie Rondos, Tänze oder Variationen, die sich für Transkriptionen anboten. Weniger oft waren es große Sonaten-Hauptsätze oder langsame Sätze. Aber natürlich gibt es auch hier Ausnahmen. Von einem Sigism. Volker existiert eine Ausgabe der

MARCHE FUNÈBRE | sur la mort d’un Heros [op. 26] für Gitarre solo […] arrangée | pour le [sic!] Guitarre [sic!] |par | SIGISM. VOLKER [auf der CD von Schneiderman/Yamaya nicht vorhanden]

Dies ist der auch damals schon weithin bekannte Trauermarsch aus der „Pathétique“ genannten Klaviersonate, den achtzig Jahre später auch Francisco Tárrega für Gitarre solo bearbeitet hat:

Marcha funebre de la Sonata Nº 12 [op. 26]

Wir sehen, dass für „Gitarrenmusik“, für die große Komponisten verantwortlich gemacht wurden, reger Bedarf bestanden hat. Das hat sich danach kaum geändert – heute noch heißt es, Johann Sebastian Bach sei der größte und der produktivste Komponist von Gitarrenmusik gewesen … dabei hat er nicht ein Stück für das Instrument komponiert. Alles Transkriptionen!

Aber vielleicht sollten wir die Betrachtungsweise ändern! Als Liszt alle Beethoven-Sinfonien für Klavier bearbeitet hat, sind sie natürlich als Werke von Beethoven angekündigt worden, gleichzeitig aber als solche von Ferenc Liszt (1811–1886). Und so muss es sein – kongeniale Bearbeitungen sind viel mehr als Transkriptionen. Es sind keine Übertragungen von einem Instrument auf ein anderes, es sind „Weiterentwicklungen“ im künstlerischen Sinn. Und praktische Erwägungen entscheiden auch nicht, ob eine Transkription gelungen ist oder nicht.

Das Schneiderman-Yamaya-Duo bilden Spezialisten für Alte Musik. Wir kennen sie schon als Lautenisten und Mandolinisten und von beiden werden wir hoffentlich noch viel hören. Sie bemühen sich um ein frisches, unverbrauchtes Repertoire – auch, wenn die Stücke, die sie im Programm haben, gut und gerne zweihundert Jahre alt und wenn die Gitarren, die sie spielen, historische Instrumente (oder Nachbauten davon) sind. Was beim Zuhörer ankommt, klingt jedenfalls nach Kammermusik, die unverkrampft mit Lust und Liebe gespielt wird und den ausübenden Musikern mindesten so viel Freude bereitet, wie denen, die ihnen lauschen dürfen.