Drucken

Encuetro Manuel de Falla CDEncuentro: Manuel de Falla, Federico García Lorca Estrella Morente, Gesang; Javier Perianes, Klavier
Aufgenommen im Dezember 2015, erschienen 2016
harmonia mundi HMC 902246, im Vertrieb von Helikon
Danke für die begeisternde Neuaufnahme eines lange bekannten Repertoire-Klassikers! …

CD bei Amazon bestellen?

Fast hat man sich daran gewöhnt, die „Siete canciones españolas“ von Manuel de Falla in der Besetzung mit Gitarre zu hören und fast glaubt man auch, sie klängen da besser. Spanischer. Ähnliches wird seit über hundert Jahren über die Klavierwerke von Isaac Albéniz behauptet und auch, ihr Komponist habe das selbst so eingeschätzt. Ob man nun die Gitarren- der Klavierversion vorzieht, ist Geschmackssache und hängt schließlich auch von der Überzeugungskraft des jeweiligen Interpreten ab. Aber dass Albéniz selbst seine Klavierwerke lieber auf der Gitarre gehört und dass er das auch noch irgendwem coram publico mitgeteilt habe, ist ein Gerücht, das vermutlich absichtlich in die Welt gesetzt worden ist, um die Gitarre als Konzertinstrument aufzuwerten. Wir wissen, wer für solche bewussten Täuschungen in Frage kommt!

 

Wer aber einmal die „Suite Española“ auf dem Klavier, gespielt beispielsweise von Alicia de Larrocha (1923–2009), gehört hat, entlarvt die Mär von der „besseren“ Transkription als das, was sie ist: als kapitale Fehleinschätzung, wenn nicht gar als Täuschungsversuchochstapelei. Als die Larrocha 2009 starb, schrieb Manuel Brug in der „Welt“: „Alicia de Larrocha […] war deshalb nicht nur die bedeutendste spanische Pianistin des 20. Jahrhunderts, sie hat bei jedem ihrer Auftritte auch eine Duftmarke hinterlassen. Die roch nach Orangen und Zypressen, nach flirrender Hitze und nächtlichen Tanz-Ekstasen. Alles freilich hübsch domestiziert und ins klassische Formengerüst eingepasst. So wie um die vorletzte Jahrhundertwende herum eben Künstler wie Enrique Granados, Isaac Albéniz, Manuel de Falla […] spät, aber gültig Spanien endlich als authentisches Klanggericht auf die musikalische Speisekarte gesetzt hatten.“ Um nach Orangen oder Zypressen zu duften, muss eine Musik nicht unbedingt auf dem vermeintlich spanischsten aller Instrumente dargeboten werden. Auf sechs Saiten „Asturias“ zu dilettieren, macht noch keinen Aficionado.

Auf der CD „Encuentro“ gibt es die „Siete canciones populares españolas“ von de Falla zu hören und danach dessen irisierende Suite für Klavier „El amor brujo“ nach Sätzen aus dem gleichnamigen Ballett („Der Liebeszauber“). Sie enthält nicht nur die „Danza del terror“ oder „Canción del Fuego Fatuo“, sondern auch „El círculo mágico“. Schließlich „Canciones españolas antiguas“, für Gesang und Gitarre – gesammelt, arrangiert und herausgegeben von Federico García Lorca.

Die Sängerin Estrella Morente stammt aus einer Musikerfamilie: Der Sänger Enrique Morente war ihr Vater, die Tänzerin Aurora Carbonell ihre Mutter und der weltberühmte Gitarrist Montoyita ihr Großvater. Alles Flamenco-Musiker … und man hört’s! Estrella ist keine Konzert- oder Opernsängerin, sie singt mit diesem Hauch gewollter Unschärfe, die in ihrer Musik das Flair echter Volksmusik bewahrt. Wir hören keine hochtoupierte, reine, dafür anämische „Kunstmusik“, sondern vitale, berührende Lieder, in denen Text und Musik kongruent zueinander passen … und Javier Perianes, der Pianist, ist Estrella Morente ein kongenialer musikalischer Partner! Natürlich drückt er das Spanische in dieser Musik anders aus, als die Sängerin neben ihm – weil er weder mit Klangfarben spielen kann, noch mit regionalen Nuancen der spanischen Sprache. Und wie die große Alicia de Larrocha ruft Javier Perianes Recuerdos de España in seinen Zuhörern wach, vielfältige und unterschiedliche Erinnerungen an Spanien.

Danke für die begeisternde Neuaufnahme einiger lange bekannter Repertoire-Klassiker.