Giuliani pop

In Search of Dowland CDIn Search of Dowland
Consort Music of John Dowland and Carl Rütti
bFIVE Consort: Markus Bartholomé, Katelijne Lanneau, Thomas List, Silje-Maaria Schütt, Mina Voet (Blockflöten)
Aufgenommen im August 2013, erschienen 2014
Coviello Classics COV 91415

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[Zum Thema „Lachrimæ“ ist am 13. November 2016 unter GITARRE & LAUTE außerdem diese Besprechung erschienen.]

Die Musik von John Dowland, um die geht es hier, entstammt dem Zyklus „LACHRIMÆ, OR SEAVEN TEARES FIGURED IN SEAVEN PASSIOnate Pavans, with divers other Pavans, Galiards, and Almands, set forth for the Lute, Viols, or Violons, in five parts“ … im Druck erschienen in London im Jahr 1604, vor gut vierhundert Jahren.

Die Musik wird auf der CD nicht in ihrer originalen instrumentalen Besetzung gespielt, sondern von einem Blockflötenquintett, das – kontrastierend und gleichzeitig als Ergänzung zu Dowland – zusätzlich die „Dowland-Suite“ des Schweizer Komponisten Carl Rütti spielt. Als Welturaufführung!

Carl Rütti, das erfährt man in einem Interview mit dem Komponisten im Booklet, ist Pianist und Organist. Während eines Studienjahrs in London hat er, begeistert von der englischen Chortradition, begonnen Chorwerke zu schreiben, die mindestens dort, in England, erfolgreich sind. In der „Dowland-Suite“ bezieht sich Carl Rütti „zum Teil wörtlich“ aber auch „fast bis zur Unkenntlichkeit verfremdet“ auf thematisches Material von John Dowland. So wird in einer Reihe programmatischer Einzelsätze Dowlands Lebensweg erzählt … mit teilweise weit bis zu weit hergeholten Bildern und Metaphern zwar, dafür mit bunt strahlenden, jubelnden und tirilierten Tonkaskaden wie in „Sir John’s Jig“ oder besonders der „Chanson avec deux oiseaux“, die in der Besetzung mit Blockflöten „naturgemäß“ wirkt.

Dafür fehlt mir in den Dowland-Sätzen – ich muss es gestehen! – die „eigentliche“ Besetzung mit Laute, Gamben oder Violinen. Die Blockflöte wurde in England im 18. Jahrhundert sehr beliebt, und zwar als Accessoire, das Herren der besseren Gesellschaft bei sich trugen, wenn sie als Gentlemen gelten wollten. Man spielte darauf beispielsweise Arien aus den neuesten Opern von Händel – pardon: „Haendel“. Tasteninstrumente wurden eher von Damen gespielt.

Das Consort der Dowland-Zeit war vielseitig und enthielt fast durchgehend Zupfinstrumente, Streichinstrumente und Flöten. Genannt wurde es „mixed consort“, gelegentlich auch „broken consort“. Die Laute war wegen ihrer musikalischen Wendigkeit wichtig in diesem Ensemble. Wie in der solistischen Lautenmusik wurden auf ihr „divisions“, also Umspielungen virtuoser Art, ausgeführt. Sie waren essentieller Bestandteil der Instrumentalmusik zur Zeit Elizabeths I. … und sie fehlen in der Bearbeitung, wie sie vom Ensemble bFIVE gespielt wird. Die Einschübe von Carl Rütti sind originell und bereichern.

Der Titel der CD passt. Ich bin tatsächlich auf der Suche nach Dowland und finde ihn in unterschiedlichen Kostümen, die mir nicht alle gefallen.