Giuliani pop

Ponce Volume 4 CDManuel Maria Ponce, Guitar Music Vol. 1
24 Preludes, Estrellita, Scherzino Mexicano, Canción, Vespertina, Matinal
Adam Holzman, Gitarre
Aufgenommen im Januar 1996, erschienen 1998
NAXOS 8.553832
… virtuos und außerordentlich klangbewusst …


Vol. 2 Suite in D major, Suite in A minor
Adam Holzman, Guitar, Stephanie Martin, Harpsichord
Aufgenommen im Juli 1997, erschienen 1999
NAXOS 8.554199
… Meister seines Fachs …

 

Vol. 3 Four Guitar Sonatas
Aleksandr Tsiboulski, Gitarre
Aufgenommen im April 2014, erschienen 2015
Gitarren: Sakurai, Tokyo und Paulino Barnabé, Madrid
NAXOS 8.573284‘
… er strahlt ein musikalisches Charisma aus, das durchaus an Holzman erinnert …

Vol. 4 Sonatina Meridional, Thème Varié et Finale (Versions 1 and 2)
Judicaël Perroy, Gitarre
Aufgenommen im Oktober 2014, erschienen 2016
Gitarre: G. Smallman, Australien
NAXOS 573285
… eher der Draufgänger …


CD bei Amazon bestellen?


Ponce Volume 1 CDDass Manuel Maria Ponce (1882–1948) zu den Komponisten gehört hat, die viel für Gitarre geschrieben haben ohne das Instrument selbst zu beherrschen, muss man, nein,  darf man nicht mehr erwähnen! Schließlich war er Komponist und nicht Gitarrist, der sich zum Komponieren berufen fühlte. „Komponisten“ dieser Art hat es viele gegeben und immer wieder hört man von neue Vertretern dieser oft zweifelhaften Zunft.

Ponce gehörte einer anderen Liga an. Er war auch keiner, der nur durch seine Bekanntschaft mit einem berühmten Interpreten bekannt geworden und geblieben ist … mit Andrés Segovia in diesem Fall, dem Ponce fast alle seine Gitarrenstücke gewidmet und der sie in Zusammenarbeit mit seinem Verleger (B. Schott’s Söhne, Mainz) auch bestellt und vermutlich bezahlt hat. Manuel Maria Ponce war nicht nur wegen seiner Gitarrenmusik berühmt. Er hat bändeweise Lieder geschrieben, die wegen ihrer romantischen Grundhaltung populär waren; eine Reihe großer Orchesterwerke mit mexikanischem Kolorit, darunter ein Konzert für Gitarre und Orchester; Klavierwerke … na ja, was ein Komponist halt so komponiert! Keine Opern allerdings, keine anderen Bühnenwerke und keine kirchenmusikalischen Großwerke.

An die Gitarre kam Ponce tatsächlich durch Andrés Segovia und zwar hat keineswegs der Komponist den Interpreten darauf angesprochen, sondern umgekehrt. 1923 gab Segovia sein erstes Konzert in Mexico-Stadt, das von Manuel Ponce höchst lobend besprochen wurde. Segovia stellte einen Kontakt mit dem Rezensenten her und als er herausfand, dass es sich dabei um einen renommierten Komponisten handelte, bat er ihn, ein Stück für Gitarre zu schreiben. Ponce schrieb seine erste Sonate für Gitarre, die erst 44 Jahre später als „Sonata Mexicana“ bei Schott erschien.

Vol. 1 der Ponce-Einspielung enthält Einzelsätze aus dem Gitarren-Repertoire des Mexikaners, dazu Zyklen, bestehend aus Preludes, Canciones Populares oder „Pieces“. 47 Einzelsätze zwischen 30 Sekunden und 4:36 Minuten. Die längeren Werkzusammenhänge hört man selten zyklisch – eher schon die „Tres Canciones Populares Mexicanas“. Einige Einzelsätze, zum Beispiel „Scherzino Mexicano“, „Estrellita“, „La Valentina“ sind als Zugaben beliebt.

Ponce Volume 2 CDDer Solist Adam Holzman spielt virtuos und außerordentlich klangbewusst. Direkte und auch nur angedeutete Anlehnungen an Interpretationsmuster, wie man sie von Andrés Segovia und seinen zahllosen Epigonen kennt, verbietet er sich allerdings. Außerdem hat er musikalisch so viel zu bieten und eine so ausgeprägte und ausgewogene eigene Sicht der Dinge, dass ein Orientieren an schon vorhandenen Deutungen nicht nur überflüssig ist, sondern sich regelrecht verbietet. Adam Holzman spielt wunderbares Legato und geht virtuos mit Kompositionstechniken um, die Lautenisten zweihundert Jahre vor Ponce „style brisé“ genannt hätten. Adam steht Segovia in Sachen Eloquenz in nichts nach … lässt es aber nicht zu, dass seine musikalische Beredsamkeit zum Selbstzweck wird.

Holzman hat auch die zweite CD der Ponce-Reihe eingespielt, auf der die „Eigentlich-Stücke“ des Komponisten zu hören sind. Da gibt es eine „Suite Antigua“ D-Dur von Alessandro Scarlatti, die eigentlich von Manuel Maria Ponce stammt, auch die berühmte a-Moll-Suite von Silvius Leopold Weiss (eigentlich von Ponce), dazu ein „Preludio“ und ein „Balletto“ von Weiss (…). Viel ist über diese Kompositionen erzählt und geschrieben worden … unter anderem, dass sie lange öffentlich gespielt worden sind und buchstäblich niemand geahnt hat, dass sie eigentlich nicht aus der Barockzeit stammen konnten. Nicht einmal Maestro Ponce selbst hat’s verraten, dabei hätte er Interesse an der Wahrheit haben müssen, schließlich konnte er auf Werke eines Komponisten der Barockzeit keine Urheberrechte geltend machen.

Adam Holzman beweist sich auch hier als Meister seines Fachs. Klangschön, virtuos und außerordentlich stilsicher spielt er, nirgends und in nichts übertreibend. Sehr schön!

Ponce Volume 3 CDVier Sonaten für Gitarre solo enthält CD Nº 3, gespielt von Aleksandr Tsiboulski, der hauptsächlich bei Timothy Kain, Ernesto Bitetti und Adam Holzman (!) in die Lehre gegangen ist. Nicht, dass man hören könnte, dass Tsiboulski bei Adam Holzman studiert hat, nein, aber er strahlt ein musikalisches Charisma aus, das durchaus an Holzman erinnert. Allerdings spielt er distanzierter, mit weniger großem Ton und fast ohne Pathos. Aleksandr Tsiboulski gehört einer neuen Generation Musiker an, einer, die das Pathos Segovias nur noch vom Hörensagen kennt und nicht damit großgeworden ist. Er hat nie gegen das Fahrwasser des Jahrhundertgitarristen ankämpfen müssen. Aber Aleksandrs Spiel fehlt keineswegs das Kulinarische! Nur zieht er es aus der Musik und überschüttet sie nicht damit.

Judicaël Perroy, der Interpret der vierten Ponce-CD ist von noch anderem Kaliber. Er trumpft mit forschen Tempi auf, ist nicht der Kontemplative, sondern eher der Draufgänger … und gewinnt damit nicht unbedingt meine Sympathie! Er rast nicht durch das gesamte Programm, aber da, wo’s geht, nimmt er Fahrt auf. Gleich im ersten Satz der „Sonatina Meridional“, der mit „Allegro non troppo“ überschieben ist, höre ich ihn beschleunigen, und zwar so weit, dass er die Kontrolle zu verlieren droht. Dann, zwischendurch, bremst er drastisch … wird regelrecht lyrisch, um dann explosiv zu neuen Höhepunkten aufzubrechen. Tut mir leid, das ist mir zu kontrastreich! Da sind Phasen, die Judicaël hinreißend schön spielt, die langsamen Phasen in „Thème varié et Finale“ zum Beispiel, wovon Judicaël Perroy beide Versionen berücksichtigt … aber mit Tempo kann er für meinen Geschmack nicht umgehen!

Vier bemerkenswerte CDs mit solistischer Gitarrenmusik von Manuel Ponce, die NAXOS vermutlich bald im Viererpack anbieten wird, liegen hiermit vor. Eine ältere Einspielung des „Concierto del Sur“ für Gitarre und Orchester gibt es auch (mit Andrés Segovia, dem Orchester Symphony of the Air und dem Dirigenten Enrique Jorda, 9.80916), an einer Einspielung sämtlicher Klavierwerke wird gearbeitet.