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Paisiello in Vienna CDIzhar Elias, Gitarre; Alon Sariel, Mandoline; Michael Tsalka, Fortepiano
Paisiello in Vienna
Werke von Bartolomeo Bortolazzi, Johann Nepomuk Hummel, Mauro Giuliani, Ludwig van Beethoven, Johann Baptist Wanhal
Aufgenommen zwischen März und August 2015
Gitarre: Guadagnini, 1812; Mandoline: P. Mauri, 1850; Fortepiano: J. Böhm, 1820
Brilliant Classics 95301
… mit begeisternder Spielfreude …

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Wer war Giovanni Paisiello? Auf diese Frage wird man oft die Antwort hören, er, Paisiello, sei der Komponist von „Nel cor più non mi sento gewesen, schließlich hat nichts ihn so berühmt gemacht wie dieses Duett aus seiner Oper „L’amor contrastato, ossia La molinara“, meist einfach „La molinara“ genannt, in deutscher Übersetzung auch „Die Müllerin“ oder „Die schöne Müllerin“. Aber nicht die beliebte Oper ist es, die immer wieder erwähnt wird, es ist diese einzelne Nummer, deren Melodie wie ein Stück Volksmusik wirkt, es aber dem Wortsinn nach nicht ist.

Auf der neuen CD sind Variationssätze zusammengefasst, die „Nel cor più non mi sento“ zum Thema haben … und es gibt mehr davon. Fernando Sor zum Beispiel hat das Thema in seiner „Cinquième Fantaisie Pour la Guitare avec des Variations sur l’Air de Paisiello Nel cor piu non mi sento“ verwendet und diesen Umstand schon im Titel seines Werks erwähnt. Von Paganini kennen wir „Introduction et Variations sur le Thème Nel Cor piu non mi sento pour la Violon seul“, von Friedrich Silcher „Variationen für die Floete und das Pianoforte“ aber dies sind nur Beispiele!

Die drei Musiker, die für die vorliegende CD verantwortlich sind, haben Variationssätze ausgesucht, die in Originalbesetzungen vorliegen und die in Wien entstanden sind, dort verlegt oder deren Komponisten im Wiener Musikleben ihrer Zeit eine gewisse Rolle gespielt haben. Bartolomeo Bortolazzi (*ca. 1773 in Venedig) hat als Spieler von Mandoline und Gitarre eine internationale Karriere gemacht. Dass er eine Zeit in London gelebt und gearbeitet hat, wissen wir, auch in Dresden, Leipzig und Brauschweig … aber nicht viel mehr. Nach 1805 war er in Wien und dort sind dann auch die meisten seiner Werke im Druck erschienen. Seine „6 Variations sur l’air […]“ für Violine oder Mandoline und Gitarre op. 8 sind allerdings schon 1804 in Leipzig herausgekommen. Alon Sariel und Izhar Elias präsentieren dieses Stück mit begeisternder Spielfreude, auf die die Hörer im Booklet schon vorbereitet werden: „It was important for us not only to employ hiostorical instruments and early editions of these works, but also to interpret them with freshness, originality and spontaniety. We hope you enjoy the result.“ I did, thank you very much!

Johann Nepomuk Hummel (1778–1837) und Mauro Giuliani (1781–1829) haben sich gut gekannt und gelegentlich in Konzerten miteinander musiziert. Jetzt stehen von Hummel seine Grande Sonate op. 37a für Pianoforte und Mandoline oder Violine auf dem Programm, außerdem sein Potpourri für Pianoforte und Gitarre. Von Giuliani gibt es dessen Variationen op. 113 und die Polonaise op. 113 (beides für Gitarre und Pianoforte).

Zunächst: Die klangliche Verbindung von Hammerklavier mit Mandoline oder Gitarre wirkt in vorliegender Aufnahme regelrecht symbiotisch. Die Musiker verwenden ausschließlich zeitgenössische Instrumente, und die passen klanglich wunderbar zueinander. Dazu kommt, dass die drei Kammermusikpartner sich tatsächlich als Partner verstehen und keinen Wettbewerb austragen, wie man das sonst so oft hört. Den exzellenten Hammerflügel spielt Michael Tsalka zurückhaltend und nie dominant, die Mandoline ist nie und nirgends so vorlaut, wie man sie kennt – schließlich ist es der Cremoneser oder Brescianer Typus mit vier einzelnen Darmsaiten – und schließlich: Izhar Elias spielt die wunderbare Gitarre von Carlo Guadagnini, die hier schon Thema war, mit großer Delikatesse und Balance. Aber genug der Superlative, schließlich wird hier, wie schon gesagt, Kammermusik geboten, bei der der Einzelne nichts, das Kollektiv alles ist. Den drei Musikern ist es gelungen, das heterogene Programm, das sie uns vorführen wollten, als künstlerisch ziemlich homogene Werkschau zu präsentieren!