Giuliani pop

Bach Violine FiskJohann Sebastian Bach
The Sonatas & Partitas for solo violin BWV 1001–1006
Eliot Fisk, guitar
Aufgenommen September und Dezember 1999; Erste Auflage erschienen 2001 bei MusicMasters; Neuauflage bei Nimbus 2015
2 CD NIMBUS RECORDS NI 2581, im Vertrieb von NAXOS
… Fisk hat mit seinem Spiel immer schon polarisiert …


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Dieser Zyklus ist und bleibt ein Brocken; ein Berg, der unüberwindbar erscheint, wenn man ihn als Gesamtes betrachtet – außerdem ist jeder Einzelsatz ein in sich perfektes Kunstwerk, das für sich und im Gefüge ehrfürchtiges Staunen hervorruft. Über zwei Stunden höchst anspruchsvoller Musik, und zwar anspruchsvoll in jeglicher Hinsicht.

Die Aufnahmen von Eliot Fisk sind rund fünfzehn Jahre alt, entsprechend älter sind die Transkriptionen, die der Musiker selbst angefertigt hat. Er schreibt in einem kurzen Vorwort zu der Neuauflage, das eine oder andere Detail würde er heute anders machen, als vor fünfzehn Jahren aber: „there is no end to these works.“ Ein restloses Zufriedensein mit eigenen Interpretationen dieser Musik kann es eigentlich nicht geben und schon gar nicht mit einer Interpretation, die fünfzehn Jahre alt ist. „Yet I still embrace what is presented here and hope my listeners will do likewise.“

Eliot Fisk geht in seinen Interpretationen gern und oft an Grenzen, die er sich allerdings selbst setzt … durch Tempi beispielsweise. Hören Sie vielleicht das Allegro der A-Moll-Sonate (CD1 #16) oder die „Giga“ der D-Moll-Partita (CD2 #4), von der Chaconne ganz zu schweigen (CD2 #5), dann sind Fisks Tempi häufig jenseits der Sicherheitsgrenze, die sich viele Interpreten selbst auferlegen, wenn sie derartige Musik spielen. Aber Kompromisse dieser Art sind noch nie Eliot Fisks Ding gewesen. Wäre er gezwungen aus „Präludium Fuge und Allegro“ BWV 998 „Präludium, Fuge und Adagio“ zu machen, um das Werk überhaupt aufführen zu können – er würde es lassen!

An Grenzen geht Eliot auch, wenn es um Kontraste geht. Nehmen wir vielleicht die Folge von Fuga und Largo in der C-Dur-Sonata BWV 1005 (CD2 #7–8). Beim Beginn des Largo umfängt den Zuhörer eine derartig liedhafte Abgeschiedenheit und Ruhe, dass er sich zunächst völlig neu orientieren muss. Auf Überraschungen dieser Art muss man bei Eliot Fisk gefasst sein!

Eliot Fisks kompromisslose Aufnahme aller sechs Sonaten und Partiten für „violino senza basso accompagnato“ von Johann Sebastian Bach ist wieder erhältlich. Es ist nicht die einzige auf dem Schallplattenmarkt aber sicher eine der interessantesten. Fisk hat mit seinem Spiel immer schon polarisiert und das wird vermutlich auch jetzt bei der Neuauflage seiner Bach-CD wieder der Fall sein! Dabei sind es Geister wie er, die klassische Gitarrenmusik lebendig und im Gespräch erhalten.