Giuliani pop

Laureate Series – Guitar
2012 Winner „Alhambra Guitar Competition“
Kyuhee Park
Werke von Scarlatti, Diabelli, Berkeley, Malats, Barrios und López
Aufgenommen im Februar 2013
NAXOS 8.573225
… von beängstigender Virtuosität …



Kyuhee Park CDMit einem technischen Feuerwerk beginnt Kyuhee Park: Scarlatti Sonate K. 178 in D-Dur. Glatt, sauber … wie Perlen, die zu einer kostbaren Kette aneinandergereiht sind, schumachern glitzernd die Töne am Hörer vorbei. Danach eine ruhigere Scarlatti-Sonate in Moll (K.32). In ihr entspinnt die Interpretin keine Tragik … aber doch ein hohes Maß an zurückhaltender Gelassenheit und Kontemplation. Schließlich wieder Silvester: (K.14).
Schnelle Passagen sind von beängstigender Virtuosität und sie strahlen eine derartige mechanische Präzision aus, dass einem angst und bange wird … bis man schließlich versteht, was einen da stutzig macht: Kostbare Perlenketten bestehen nie aus gleichgroßen Perlen! Erst das sinnvolle Zusammenfügen unterschiedlicher Größen und auch verschiedener Farbschattierungen macht sie zu „Kunstwerken“. Ähnlich entstehen in der Musik erst durch das Aneinanderreihen unterschiedlicher Elemente spannungsgeladene Gefüge. Leider sind aber Klangfarben und auch dynamisches Differenzieren nicht unbedingt Kyuhee Parks Ding. Sie scheint sich – vor allem in schnellen Passagen – darum zu bemühen, möglichst unfallfrei durchzukommen, und das gelingt ihr in Perfektion.
Es folgt Julian Breams Bearbeitung der Diabelli-Sonate A-Dur. Dieses Werk ist uns, wie wir wissen, nicht so und in dieser Zusammenstellung von Diabelli überliefert. Es ist eine Melange, die Bream aus Sätzen zweier unterschiedlicher Sonaten angefertigt hat. Alles ist von Diabelli, aber zusammengewachsen (worden) als etwas, das nie zusammengehört hat.

Warum hat Bream das gemacht? Er war der Ansicht, dass Diabelli zwar gut für Gitarre geschrieben hat, dass seine Sonaten aber, was ihren kompositorischen Gehalt angeht, nicht gleichwertig sind. Also hat er das seiner Meinung nach Beste aus zwei Sonaten (einer in F- und einer in A-dur) zu einer neuen, eigenen Sonate (in A-Dur) zusammengefügt. Das würde man heute nicht mehr machen, Bream jedoch ging damals mit dem Stück auf Tournee. Seine Schallplattenaufnahme der Sonate entstand 1969, seine Ausgabe erschien im gleichen Jahr bei Faber & Faber (F0295) … und tatsächlich wusste zunächst niemand, dass es eine Art Pasticcio war, das Bream da zum Besten gab.
Kyuhee Park weiß sicher, was sie da spielt … und doch muss die Frage erlaubt sein, warum sie das tut! Betreibt sie eine Art musikalischer Rezeptionsforschung? Ist für sie also die editorische Besonderheit dieser Diabelli-Sonate“ Anreiz, sie zu spielen … oder schlichtweg nicht Grund genug, es zu lassen?
Nun, Kyuhee Park hat die Bream/Diabelli-Sonate in ihr Programm aufgenommen und auch dieses Stück durcheilt sie, wo immer es geht. Figuren und Umspielungen werden gelegentlich zu blassen, fast farblosen Marginalien … gleichzeitig gelingt ihr vieles auf wunderbare Art. Im Minuetto zum Beispiel spielt sie die unterschiedlichen Stimmungslagen sehr effektvoll gegeneinander aus, auch im abschließenden Rondo.
Joaquín Malats wunderbare „Serenata Española“ spielt sie mit wenigen eigenen Duftmarken zwar, aber doch erwartungsgemäß eloquent. Auch Barrios „Un Sueño en la Floresta“ und dessen Walzer op. 8 Nº 4. Wäre es nicht völlig unangemessen, jetzt von spieltechnischen Details zu sprechen, ich würde ihr makelloses Tremolo erwähnen.
Schließlich „Impresiones y Paisajes“ von Jesús Manuel López López (*1956), ein bisher wenig bekanntes Stück, das für den Wettbewerb komponiert worden ist, den Kyuhee Park im Juni 2012 gewonnen hat und für den die Produktion vorliegender CD als Teil des ersten Preises ausgeschrieben war.
„Impresiones y Paisajes“ besteht aus Variationen, die auf der Basis einer Art ostinater Bassfigur entwickelt werden. Dabei wird mit Klangdifferenzierungen gespielt, die sich unter anderem aus der Anwendung ungewöhnlicher Spieltechniken ergeben. Auch aus repetitiven Arpeggiaturen, die sich zu Klangteppichen verdichten. Kyuhee Park spielt das Stück mit großer Überzeugungskraft und stilistischer Sicherheit … immerhin war es auch für sie eine neue Komposition, als sie sich auf den Wettbewerb in Valencia vorbereitete.
In der Mitte ihres Programms spielt Kyuhee Park die bis hier nicht erwähnte Sonatina op. 52 Nº 1 von Lennox Berkeley. Sie ist der musikalische, gleichzeitig der interpretatorische Höhepunkt der CD. Hier kann die Interpretin zeigen, welche instrumentalen Möglichkeiten sie hat, außerdem liefert ihr dieses Stück keine Chance, sich in spieltechnischen Banalitäten zu verlieren.
Aber Kyuhee Park scheint, was die Sonatina von Berkeley angeht, ohnehin gegen solche Verlockungen gefeit zu sein. Das Stück fordert viel von ihren Interpreten, allerdings nichts, was ihnen, sagen wir, „in den Fingern liegt“ und zu Übertreibungen einlädt. Nein, mit diesem Werk hat die Interpretin Klasse bewiesen, Klasse, die sie schon in verschiedenen internationalen Wettbewerben bewiesen hat.