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IMG 3674Konzert von Evgeni Finkelstein am 12. Oktober 2014 in der evangelischen Kirche in Horstmar (Evgeni Finkelstein und Horstmar:) Mit einem Programm aus deutscher, italienischer und französischer Barockmusik unterstrich der russische Gitarrist Evgeni Finkelstein wieder einmal seine herausragende Stellung unter den zeitgenössischen Konzertgitarristen. In der gut besuchten evangelischen Kirche im münsterländischen Horstmar erklangen selten dargebotene Werke von Giovanni Zamboni, Jean de Sainte-Colombe, Carl-Friedrich Abel, Marin Marais, Antoine Forqueray und Johann Sebastian. Doch mit den ausnahmslos selbst erstellten Transkriptionen der Werke für Laute, Gambe und Cembalo setzte Finkelstein darüber hinaus Maßstäbe in puncto historischem Klang und Werktreue. Manch einer traute seinen eigenen Ohren nicht! Klang da wirklich „bloß“ eine Gitarre?
Wer, wie Finkelstein selber auch, während der musikalischen Vorträge die Augen schloss und die Ohren weit öffnete, der hörte in der anfänglichen Sonate Nr. 8 von Giovanni Zamboni ganz deutlich den charakteristischen „Campanella“-Klang einer Laute, bei dem sehr kleine Intervalle zu Miniclustern verschmelzen und feinste Dissonanzen ein schwebendes Klanggefühl erzeugen. Jean de Sainte-Colombe, Antoine Forqueray, Marin Marais und Carl Friedrich Abel waren hingegen bedeutende Gambisten, die zum Teil am Hofe Ludwig XIV beschäftigt waren. Mühelos vermochte Finkelstein die nicht selten flächigen Melodiestimmen der Sonate Jean de Sainte-Colombe mit seiner „Ramirez“-Gitarre in der einer Intensität eines ganzen barocken Streichorchsters klingen zu lassen, währenddessen das zarte Continuo fein wie eine einzige Gambe erklang. In Johann Sebastian Bachs „Andante“ aus der Sonate für Cembalo, BWV 964 meinte man hingegen sogar unterscheiden zu können, wann das Cembalo mit, und wann ohne Lautenzug gespielt wurde – und das alles auf nur einer einzigen Gitarre! Finkelstein hauchte dem Meisterwerk einen ruhigen, aber stringenten Puls ein.

 Nach Ende des Hauptprogramms gab es lange stehende Ovationen. In einer der Zugaben erklang noch der abschließende dritte Satz aus Carlo Domeniconis „Koyunbaba“. Waren in allen vorangegangen Werken die speziellen Klangfarben der Instrumente durch Finkelsteins phänomenale Technik, Haltung und Fingernagelform erzeugt, so war der schwebende Klang einer türkischen Saz in diesem zum Teil rasend schnellen Stück durch die offene Stimmung der Gitarre erzeugt. Im Nu maß Finkelstein diesem Werk geradezu demonstrativ und gentelmanlike, einen völlig anderen Stellenwert zu, als dies in geradezu unzähligen Verunstaltungen effekthaschender Jungspunde geschieht.

Doch was wäre ein Finkelstein-Konzert ohne ein einziges Werk eines russischen Komponisten. Mit Nikita Koshkins „Nephrite Impereor“ entließ ein großer Gitarrist sein restlos begeistertes Publikum in den Nachhauseweg.