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Mamedkuliev CD TitelRovshan Mamedkuliev
Laureate Series Guitar – Winner 2012 Guitar Foundation of America (GFA) Competition
Werke von de Falla, Fikret Amirov, Llobet, Sergey Rudnev, Albéniz, Turina, Castelnuovo-Tedesco, York, Brouwer, Tárrega
Aufgenommen im November 2012, erschienen 2013
NAXOS 8.573179
… ein würdiger Gewinner! …


Rovshan Mamedkuliev hat im letzten Jahr den GFA-Wettbewerb gewonnen. In Charleston war’s, Charleston/South Carolina. Die Produktion der hier vorliegenden NAXOS-CD ist Teil des Preises, dazu kommen eine umfängliche Konzertreise durch die USA, ein Geldbetrag und Sachpreise verschiedener Art. Wer Interesse hat teilzunehmen, hier gibt’s Informationen!

Rovshan stammt aus Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan. In Nischni Nowgorod hat er studiert, danach Meisterkurse aller Couleur besucht und Wettbewerbe gewonnen. Eine normale Gitarristenkarriere!

Fikret Amirov (1922—1984) war zur Sowjetzeit einer der führenden Komponisten Aserbaidschans. Gitarre hat er nie gespielt – allein schon, weil das Instrument zu seiner Zeit als Inbegriff bourgeoiser Dekadenz nicht gelitten bis verboten war. Die Miniaturen, die Rovshan Mamedkuliev auf seiner CD spielt, sind Transkriptionen von Klavierstücken. Wir hören Spuren vitaler Volksmusik, Tänze, lyrische Gesänge und Charakterstücke – sehr geschickt gesetzt und wirkungsvoll „modern“ inszeniert. Ähnlich übrigens wie die Variationen über „Ivushka“ von Sergey Rudnev (geb. 1955). Auch hier: „Russische Seele“ oder das, was sich Westeuropäer oder US-amerikanische Wettbewerbsjuroren darunter vorstellen.

Die anderen Teile des Programms, das Rovshan Mamedkuliev anbietet, sind Standardrepertoire. Allerdings spielt er „Sevilla“ von Albéniz frisch und virtuos; „Sevillana“ von Joaquín Turina stilsicher mit erstaunlich viel Flamenco und andalusischem Herz; das Capriccio von Castelnuovo-Tedesco weniger diabolisch, als man es sich vielleicht vorstellt … aber, um ehrlich zu sein: Das Stück hat nur durch das Campanella-Zitat aus Paganinis zweitem Violinkonzert eine irgendwie teuflische Note … aber das erkennt niemand als wirklich diabolisch. Danach kommt „Just How Funky Are You“ von dem wunderbaren Andy York, dann „An Idea“ von Leo Brouwer und schließlich die „Gran Jota“ von Maestro Tárrega … oder von wem auch immer.

Rovshan Mamedkuliev spielt sein Programm mit höchster Konzentration und virtuoser Präzision. Er gehört nicht zu den Vertretern seiner Zunft, die ihre instrumentale Eloquenz ständig herauskehren … aber er spielt mit ihr! Dass am Ende seines Programms, als Rausschmeißer sozusagen, die irgendwie legendäre wie unsägliche „Jota“ von Tárrega steht, ist natürlich kein Zufall! Dieses Stück ist ein Zugabenstück der vorigen Generation, ein Bravourstück der Zeit vor Segovia. Das „Koyunbaba“ des letzten Jahrhunderts sozusagen. Und es wirkt immer noch!

Rovshan Mamedkuliev ist natürlich jeder technischen Schwierigkeit gewachsen und er hat es auch nicht nötig, sich per Pedal über kritische Stellen hinwegzuschummeln, wie das weniger begnadete Gitarristen gern tun. Nein, er spielt präzise und klar und gleichzeitig mit bewundernswerter Kontrolle über die klanglichen Möglichkeiten seines Instruments … vom satten, vitalen Rasgueado bei Turina bis zum zartesten Flüstern in der Ballade oder dem „lyrischen Tanz“ von Amirov. Sehr schön macht er das!

Vor klanglichen Exzessen flüchtet Rovshan Mamedkuliev allerdings eher. In Klängen zu baden, ist nicht sein Ding; auch nicht, sein Publikum zu verzuckern oder einzulullen. Er spielt rundum makellos … und das führt er am Schluss in Andy Yorks „Just How Funky Are You“ vor und in „An Idea: Passacaglia for Eli“ von Leo Brouwer vor. Das Stück von York ist eine Auftragskomposition des GFA-Festivals 2012, „An Idea“ ist Eli Kassner gewidmet, dem Gründer der „Guitar Society of Toronto“.

Vor allem in dem Stück von Leo Brouwer herrschen Pastellfarben vor, fragile durchsichtige Klänge, die von einer betörend schlichten und schönen Melodie durchbrochen werden … und dann, als Zugabe sozusagen, die Jota von Tárrega! Sie wirkt, zugegeben, am Schluss dieses ausgewogenen Programms wie platte Kirmesmusik. Aber nicht einmal hier verliert Rovshan Mamedkuliev sein Gesicht! Diese Nummer hätte ihm leicht ins Panoptikum abdriften können … aber er hat dem Stück einen fast klassischen Touch gegeben.

Auch, wenn man die anderen Bewerber um den Ersten Preis in Charleston/South Carolina nicht gehört hat, kann man ruhigen Gewissens behaupten: Rovshan Mamedkuliev war ein würdiger Gewinner! Und die blendend klingende NAXOS-CD wird ihm Türen öffnen!