Giuliani pop

Armin Egger CDArmin Egger: Hommage
Werke von Barrios, Tárrega, Mertz und Castelnuovo-Tedesco
Aufgenommen im Januar 2013
ARS 38 137
… Mich haben sie überzeugt! …

Am Schluss des Programms dieser CD steht Mario Castelnuovo-Tedescos Sonate „Omaggio a Boccherini“. Ein großes und außerordentlich attraktives Stück Segovia-Repertoire! Und hier, bei diesem Stück gehört ein gewisser klanglicher Schmelz dazu … nicht Schmalz, Schmelz! Gemeint ist dieser runde, satte, wohlgenährte, üppige Gitarrenklang und nicht diese von Andrés Segovia noch in den Ohren hängende musikalische Willkür.

Aber wo wir gerade von musikalischer Willkür reden: Vor ein paar Tagen habe ich ein Buch von Alfred Cortot über Frédéric Chopin gelesen und dabei habe ich mir eine historische Aufnahme eines Walzers von Chopin aufgelegt. Gespielt von Alfred Cortot (1877—1962), einem der bedeutendsten und quasi nie umstrittenen Pianisten seiner Zeit. Und da, in dem Walzer von Frédéric Chopin – gespielt von dem großen Alfred Cortot, fehlen Töne, da höre ich falsche Noten und da höre ich auch metrische Verschiebungen, die seit Hugo Riemann (1849—1919), dem Vater der modernen Musikwissenschaft, Agogik heißen. Das gehörte damals zum guten Ton … um einen Kalauer zu bemühen. Man ging sehr großzügig mit dem Notentext um, veränderte ihn … und scherte sich wenig um Genauigkeit und Texttreue. Ein Grund dafür war sicher, dass das elektronische Aufzeichnen von Klangereignissen, hier von Musik, noch in den Kinderschuhen steckte und dass Musik zu hören eine Sache des Augenblicks war. Da saßen keine Pharisäer zuhause am Lautsprecher, die jeden Spielfehler notierten … das Vergnügen des Moments aber nicht genießen konnten. Das Spiel der großen Instrumentalisten des sehr frühen 20. Jahrhunderts, auch das von Cortot und Andrés Segovia, war auf den Moment abgestimmt, auf das klangliche Erlebnis dieses einmaligen Hörens … und da konnte man die Drei auch mal gerade sein lassen. Da war man Musiker und nicht Sophist. Nicht, dass diese Musiker nicht alle Töne hätten spielen können und nicht, dass sie die Fehler nicht bemerkt hätten … aber sie waren nicht wichtig genug!

Armin Egger, um zum schnöden Alltagsleben des 21. Jahrhunderts zurückzukommen, er ist ein Musiker, der den klanglichen Schmelz liefert. Die Gitarre tönt in seinen Händen … wie habe ich es beschrieben … rund, satt, wohlgenährt und üppig. Und er hält sich zurück, fällt nicht in Segovianische Verhaltensmuster, sondern hält sich an den Notentext. Das tut er sogar in der Opernrevue von Caspar Joseph Mertz (op. 8/34) auf den „Fliegenden Holländer“, die er als Ester (überhaupt) eingespielt hat. Und er gewinnt ihr auch etwas ab. Selbst die Menschen von heute, die vielleicht einer Wagner-Oper nichts abgewinnen können … spätestens bei dem großen Chor „Steuermann, lass die Wacht!“ weiß jeder, wo er ist. Auch, wenn der Chor auf der Gitarre gespielt wird.

Und danach, die beiden Schubert-Lieder? Das ist große Musik – auch noch in Übertragung für Gitarre! Ständchen und Liebesbotschaft. Und Armin Egger spielt nicht, er singt.

Noch mal zurück auf Mario Castelnuovo-Tedescos Sonate „Omaggio a Boccherini“. Das Kecke, das Vorwitzige und Sprunghafte des ersten Satzes bringt Egger sehr überzeugend auf die Bühne. Auch das Elegische des „Andantino quasi canzone“. Im letzten Satz, einem virtuosen Feuerwerk, brilliert Amin Egger, er spielt eine Art interner Zugabe.

Diese CD ist eine überzeugende Visitenkarte! Armin Egger hat sich vorgestellt und er hat Proben seiner Arbeit vorgelegt. Mich haben sie überzeugt!