Giuliani pop

Prunnbauer KussmaulCD 2013 PaganiniTELDEC Cover AltNicolò Paganini: Works for violin and guitarTELDEC Cover Alt
György Terebesi und Sonja Prunnbauer
Aufgenommen 1974 und 1976, erschienen 2013
WARNERClassics/TELDEC 2 CD 2564 65178-3
… fast vierzig Jahre alt! …

Unglaublich, diese Aufnahme ist wirklich fast vierzig Jahre alt! Alle paar Jahre ist sie neu aufgelegt worden, zuerst als Vinylplatten, später als CD; immer wieder übrigens in neuem Gewand, wie unsere Abbildungen zeigen. Und sie wirken immer noch frisch und ziemlich aktuell, immer noch hörenswert … obwohl … Sonja Prunnbauer hat eine Auswahl aus dem Œuvre für Violine und Gitarre von Paganini im Mai 2003 noch einmal neu aufgenommen:

TELDEC Cover AltTELDEC Cover JapanNicolò Paganini: Sonatas for Violin and Guitar
Rainer Kussmaul, Violin – Sonja Prunnbauer, guitar
Aufgenommen im Mai 2003
MDG 603 1169-2, im Vertrieb von new arts international
… besseres Gleichgewicht …

Hier, auf dieser neueren CD, hat die Gitarristin eine Panormo-Kopie von Bernhard Kresse gespielt – auf der älteren eine moderne Gitarre. Allein aus der Wahl des Instruments resultiert größere klangliche Geschlossenheit, ein besseres Gleichgewicht zwischen den beiden Instrumenten. Dazu kommt, dass Rainer Kußmaul geigerisch ein anderes Kaliber ist, als György Terebesi. Nicht nur da, wo er sich völlig zurücknehmen muss, in der „Grande Sonata“ A-Dur zum Beispiel, in der die „Machtverhältnisse“ im Ensemble umgekehrt sind, in der also die Gitarre das Sagen hat und die Geige nur eine Begleitfunktion ausfüllt, macht er eine exzellente Figur. Überhaupt ist er das ganze Programm über ein äußerst sensibel agierender musikalischer Partner.

Und auch Sonja Prunnbauer ist in ihrer neueren Paganini-Einspielung überzeugender als in der aus ihrer Jugendzeit. Das hängt nicht nur mit der Wahl des Instruments zusammen und mit der eher gelösten Spielweise, die dieses Instrument erlaubt. Nein, natürlich hat es etwas zu tun mit der großen kammermusikalischen Erfahrungen, die sie im Laufe ihrer Karriere gesammelt hat. Als internationale Künstlerin und als Hochschullehrerin hat sie immer besonderen Wert darauf gelegt, die Gitarre nicht nur als Soloinstrument zu betrachten und zu behandeln.

Die ältere der beiden Paganini-Aufnahmen mit Sonja Prunnbauer wirkt vergleichsweise bemüht und hölzern. György Terebesi ist nur mit Mühe zur Räson zu bringen – die Gitarre nur selten anzutreffen. Die andere Aufnahme, dreißig Jahre später entstanden, ist frisch und vom Spaß am Musizieren geprägt … tiefgründiges Philosophieren hat Nicolò Paganini mit seinen Stücken weder bezweckt noch verdient. Die Kombattanten, Sonja Prunnbauer und Rainer Kußmaul, erweisen sich wieder einmal als Musiker höchster Güte, die Dritte, uns, an ihrem streng aufeinander abgestimmten, mimetischen Miteinanderumgehen teilhaben lassen. Ihnen zuzuhören ist hie und dort beinahe indiskret … so intim ist ihr Gespräch!