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Silvius Leopold Weiss The Dresden Manuscript CDSilvius Leopold Weiss: The Dresden Manuscript – Music for two lutes
Roberto [sic] Barto | Karl-Ernst Schröder
Aufgenommen im Juni 1998, erschienen ℗ 2018
Lauten: Andrew Rutherford 1988 (Barto) und Michael Lowe 1993 (Schröder)
GLOSSA GCD C80024, im Vertrieb von Note-1
… bestens aufeinander eingestimmt …

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Das  „Dresden Manuscript“ ist die umfangreichste überlieferte Quelle für die Lautenwerke von Silvius Leopold Weiss (1687–1750). Genau genommen handelt es sich dabei um die sechsbändige Handschrift Mus. 2841-V-1 der Sächsischen Landesbibliothek in Dresden. Der sechste Band trägt den Titel „Weisische Partien / wozu noch 3 Vol. Accompag. gehören“. Diese „3 Vol. Accompag.“ fehlen leider. Sie sind bisher nicht gefunden worden, obwohl sich zahlreiche Musikwissenschaftler, Bibliothekare und Musiker darum bemüht haben.

Was jetzt erneut als CD vorliegt, ist die klangliche Dokumentation des – auf jeden Fall geglückten – Versuchs, die fehlenden Begleitstimmen (das „Accompag.“) zu rekonstruieren. Erneut? Die jetzt bei GLOSSA erschienene Aufnahme ist vor zwanzig Jahren schon einmal bei SYMPHONIA herausgekommen: „Sonate per 2 Liuti“ SY 98159.

Was die angesprochene Quellenlage angeht, findet man in den (textgleichen) CD-booklets den Hinweis: „missing lute part reconstructed by Karl-Ernst Schröder“. Schröder, geboren 1958 in Eschweiler, hat – wie sein Duo-Partner Robert Barto – in Aachen bei Tadashi Sasaki studiert, später an der Schola Cantorum Basiliensis bei Eugen Dombois und Hopkinson Smith. Leider ist er am 5. November 2003 viel zu früh in Basel verstorben.

 

Als Herausgeber und Interpret  beschreibt er das Entstehen seiner Rekonstruktionen: „Wie bereits erwähnt, enthält die Quelle nur jeweils einen Lautenpart. Dieser Lautenpart besteht in allen Stücken aus solistischen Passagen, die mit Begleitfiguren abwechseln. Das deutet darauf hin, dass diese Duos für zwei gleichwertige Lautenparts gedacht sind, ein struktureller Aspekt, der bei der Rekonstruktion von großer Hilfe war, da sehr häufig solistische Passagen zu Beginn eines Stücks zu Begleitfiguren später im Stück passen oder umgekehrt. Die Arbeit an den Rekonstruktionen begann demnach immer damit, alle Entsprechungen zusammenzustellen, um diese dann anschließend, möglichst unter Verwendung des bereits vorhandenen motivischen Materials sinnvoll zu verbinden. Die meisten Stücke konnte ich nahezu ausschließlich aus dem Material der vorhandenen Lautenstimme rekonstruieren.“ [S. 17]

Nur für die Stimme „Leuto 1mo“ der auf der CD eingespielten B-Dur-Sonate existiert eine Konkordanz in der Londoner Weiss-Handschrift. Überschrieben ist diese, wie auch Schröder berichtet, mit: „Concert d’un Luth et d’une Flute traversiere del Sigre. Weis.“ Hier ist die zweite Lautenstimme von Schröder so rekonstruiert worden, „dass dessen Oberstimme ohne großen Aufwand in eine Flötenstimme umgeschrieben werden kann.“ [S. 17–18] Da außerdem den Breitkopf-Katalogen (Thematischer Katalog Breitkopf Supplément IV/1769) zu entnehmen ist, dass die Ensemblewerke von Weiss für Laute und Traverso für Laute, Traverso und Cello herausgegeben waren, ist Karl-Ernst Schröder der Vermutung nachgegangen, dass das Werk in seiner hier präsentierten Besetzung das „Trio a due Liuti e Violoncello“ aus dem Katalog der Leipziger Verleger ist. Der genannte Katalog ist „eigentlich“ ein unvollständiges Werkeverzeichnis mit Incipits und ist hier auszugsweise wiedergegeben.
Die Bearbeitungen von Karl-Ernst Schröder sind stimmige Beispiele höchst vergnüglicher musikalischer Unterhaltung. Die musikalischen Partner Robert Barto und Schröder sind bestens aufeinander eingestimmt … kollegial unaufgeregt, altruistisch beinah‘ … zwei Lauten im Ensemble! Die Version mit Violoncello, das Gaetano Nasillo spielt, ist naturgemäß farbiger, auch eine flûte traversière würde das Stück bereichern. Die ‚Weisischen Partien mit Accompag.‘ sind große Musik – nicht für jede Gelegenheit vielleicht und vielleicht auch nicht für jedermann.

Die CD ist – wie schon angemerkt – die Neuauflage einer Produktion des Labels SYMPHONIA, die vor zwanzig Jahren erschienen und nicht mehr im Handel ist. Der Vollständigkeit halber sind hier die Titelseite und die diskographischen Angaben.

Sylvius Leopold Weiss Sonata per 2 LiutiSylvius Leopold Weiss: Sonate per 2 Liuti
Robert Barto | Karl-Ernst Schröder | Gaetano Nasillo, Cello
Aufgenommen im Juni 1998, erschienen ℗ 1998
Lauten: (Barto) Andrew Rutherford, 1988; (Schröder) Michael Lowe, 1993
SYMPHONIA SY 98159