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Impressions of SpainImpressions of Spain
Hamish Strathdee; Gitarre
Werke von Rodrigo, Granados und José
Aufgenommen im März 2017, erschienen ℗ 2018
Gitarre: Greg Smallman & Sons
EAN-13: 0 706502 230319
… fern von wohlbekannten interpretatorischen Floskeln …

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Hamish Strathdee ist Australier. Studiert hat er weltweit bei verschiedenen Gitarristen, unter ihnen schließlich Tilman Hoppstock in Darmstadt. Nun liegt uns Hamish’s Debüt-C vor, auf der er folgendes Repertoire vorführt: „Junto de Generalife“ und „Tres Piezas Españolas“ von Rodrigo; die „Valses Poéticos“ von Granados und schließlich die Sonata von Antonio José, für die er eine neue praktische Ausgabe erarbeitet hat.
Antonio José wurde am 12. Dezember 1902 in Burgos geboren, gestorben ist er schon am 9. Oktober 1936 – gerade einmal 34 Jahre alt. Wie der Dichter Federico García Lorca wurde er – übrigens auch im Jahr 1936 – von Faschisten in Estépar in der Provinz Burgos erschossen.
Die Sonate von José hat zwar in den letzten Jahren etwas an Popularität eingebüßt, vor zehn/zwanzig Jahren gehörte sie aber zum Top-Repertoire, was Musik des 19. Jahrhunderts angeht. Sie wurde oft gespielt und ist auf vielen Schallplatten und CDs herausgekommen. Seit ein paar Jahren ist die Musik gemeinfrei und kann nun in neuen Ausgaben erscheinen. So wurde ermöglicht, dass Hamish Strathdee seine neue Ausgabe der Sonate als Bachelor-Arbeit seiner Universität vorlegen konnte: „His major academic research was concerned with creating a new performing edition of Antonio José’s Sonata para Guitarra using various manuscript sources and modern editions.“ Ob und wo die Ausgabe erscheinen wird, teilt Hamish bisher nicht mit, benutzt wird bis jetzt die Edition von Angelo Gilardino und Juan José Sáenz Gallego, erschienen 1990 bei Bèrben in Ancona.


Die Sonate ist wohl das interessanteste Werk in Hamish Strathdees CD-Programm – ganz sicher auch das spieltechnisch anspruchsvollste. Sie entführt ihre Zuhörer in eine völlig andere Klangwelt, als es die Stücke von Rodrigo und Granados tun – nach Paris eher, als nach Barcelona oder Madrid; in ein Café auf dem Boulevard Saint-Michel eher, als in eine Tapas-Bar auf den Ramblas … obwohl … war José nicht Spanier? Oder war er doch eher Katalane? Heute erleben wir (wieder), dass katalanische Separatisten mit Leidenschaft und Stolz gegen das arbeiten, was durch die Heirat von Isabella von Kastilien und Ferdinand II. von Aragon vor mehr als fünfhundert Jahren zustande gekommen ist, eine Art „Vereinigtes Spanien“. Und das geschieht zu einer Zeit, wo an einem Vereinigten Europa gearbeitet wird! Vielleicht sind Zeiten großer visionärer Ideen und großer Umbrüche immer Zeiten der Widersacher und Zweifler?
Aber auch, wenn wir die José-Sonata favorisieren, bleiben die „Valses Poéticos“ wahrlich „bezaubernde“ Stücke Musik, die Hamish Strathdee überzeugend spanisch vorträgt. Sie sind ursprünglich für Klavier geschrieben aber wer weiß, ob sie heute noch gespielt würden, wenn sie nicht Gitarristen der Segovia Ära für die Konzertsäle gerettet hätten. Mir gefällt der mit „Allegro Humoristico“ überschriebene Walzer (Nº 7) besonders, weil er von Hamish fern aller echter oder aufgesetzter Romantik, klar und geradlinig interpretiert wird. Überhaupt: Hamish Strathdee hält sich fern von wohlbekannten interpretatorischen Floskeln, wie sie sich im letzten Jahrhundert im Gitarrespiel festgesetzt haben … und wie sie immer noch gepflegt und geschätzt werden.