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Julian Bream Concertos for LuteJulian Bream: Concertos for Lute and Orchestra
Werke von Vivaldi, Händel, Kohaut und Rodrigo
Juian Bream, The Monteverdi Orchestra, John Elliot Gardiner
Aufgenommen 1975, digitalisiert und neu herausgegeben 2017
DUTTON EPOCH HISTORIC CDLX 7333, im Vertrieb von Challenge Records
… Fürwahr ein Vergnügen! …


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Ja, damals hat man ganz anders gespielt! Julian Bream hat zwar eine „historische Laute“ benutzt, aber die war, was ihre Besaitung anging, seinem Geschmack und seinen spielerischen Gewohnheiten angepasst. Historische Aufführungspraxis nannte man das Geschehen noch nicht, auch nicht „authentisch“ und ein Label mit der Aufschrift „AUF ORIGINALINSTRUMENTEN“ klebte auch nicht auf dem Cover. Bream spielte so Laute, wie er Gitarre gespielt hat – mit Fingernägeln, Apoyando und der Spieltechnik, die er kannte und beherrschte … und die Aufführungshistoriker haben sich nicht aufgeregt, und sie tun es heute noch nicht. Warum? Weil Julian Bream ein derartig großer Musiker ist, dass man ihm auch das „moderne“ Spiel auf einem „historischen“ Instrument glaubte und abkaufte. Julian Bream, und das habe ich häufig live verfolgen können, spielte eine Konzerthälfte auf der Laute – meistens war das Musik zwischen John Dowland und, sagen wir, Simone Molinaro; die zweite Hälfte spielte er auf der Gitarre und zwar Giuliani bis Henze oder Benjamin Britten. Das war alles hervorragend und unverkennbar Julian Bream! Als er nach 1964 (Uraufführung war am 12. Juni 1964) das Nocturnal spielte, wollte buchstäblich jeder Gitarrist, der über eine entsprechende Technik verfügte, dieses Stück spielen, weil es niemanden, der es einmal gehört hatte, losließ. Bream nahm seine legendäre Platte „20th Century Guitar Music“ 1966 für RCA auf und danach spielte nicht nur jeder avancierte Gitarrist das Nocturnal von Britten — nein, jeder spielte es wie Bream! Aber so war sein Einfluss: Er lieferte das Repertoire, machte es bekannt und lieferte die Interpretation!

Und Julian Bream wurde auch von den „historischen Musikern“ anerkannt. Alle, die Exponenten der Schola Cantorum Basiliensis und die anderen „Aufführungspraktiker“, hatten etwas gegen sein Spiel einzuwenden, aber alle liebten und verehrten ihn bzw. sein Spiel. Julian Bream war eine Instanz, gegen die nichts wirklich einzuwenden war und ist.

Und so ist diese CD zu werten: Man höre sich das „zickende“ Lautenspiel in den Vivaldi-Konzerten an und am Schluss das himmlische „Concierto de Aranjuez“, das Julian zelebriert und darstellt, wie es für die damalige Zeit – wir reden von Aufnahmen, die über vierzig Jahre alt sind – einzigartig war!

Nun ist dies nicht die erste Wiederveröffentlichung alter Aufnahmen von Julian Bream, allerdings die erste in einer völlig außergewöhnlichen Digitalisierungsqualität. Was moderne Audio-Technik leisten kann, lässt sich nebenbei anhand dieser CD auch noch demonstrieren! Fürwahr ein Vergnügen!