Giuliani pop

Soundboard XLI 2015 2 HeftSoundboard Scholar 1 2015 Heft

Die nachfolgenden Bemerkungen zu den Ausgaben von Soundboard XLI/2015/Nº 2 verstehen sich nicht als Rezensionen! Es sind ausschließlich knappe Zusammenfassungen des Inhalts der Hefte. Soundboard und Soundboard-Scholar können hier bestellt oder abonniert werden: www.guitarfoundation.org

[Hier eingegangen: 2015/10/16]: Soundboard, Ausgabe XLI/2015/Nº 2, „Iran and the Guitar“

Die Besonderheit dieser neuesten Ausgabe der Zeitschrift „Soundboard“ ist, dass sie zusammen mit der ersten Ausgabe der neuen Zeitschrift „Soundboard Scholar“ geliefert wird. Soundboard Scholar erscheint jährlich und ist ein „Peer-Reviewed Journal of Guitar Studies“, also eine Zeitschrift, die nur wissenschaftlich orientierte Artikel zum Thema Gitarre enthalten soll. Die einmal jährlich erscheinende Ausgabe von „Soundboard Scholar“ ist im Abonnement auf Soundboard enthalten.

Die reguläre Ausgabe von Soundboard enthält verschiedene Beiträge zum Thema „Iran and the Guitar“. Robert Ferguson, der momentane Chefredakteur der Zeitschrift, erklärt, warum ihn gerade die musikalische Entwicklung im Mittleren Osten und da besonders im Iran besonders interessiert. Er spricht über Mesopotamien und die historische Bedeutung dieses vorderasiatischen Landes für die Entwicklung westlicher Musik und westlicher Musikinstrumente. Dass der Landstrich, der als Zweistromland oder Mesopotamien in die Geschichte eingegangen ist, heute fast deckungsgleich mit dem Irak ist und dass amerikanische Präsidenten (Bush & Bush) gegen dieses Land und auf seinem Territorium zwei Kriege geführt haben, erwähnt er nicht … und das gehört vielleicht tatsächlich nicht hierher.

Babak Valipour: Classical Guitar in Iran (S. 8–13): Die Gitarre wurde im Iran zunächst nur zur Begleitung von Gesungenem eingesetzt. In den 1950er Jahren ist dann der spanische Gitarrist Ignacio Sole Aguilar nach Teheran gezogen und ein gewisses Interesse an der klassischen Gitarre wurde entfacht. Aguilar unterrichtete und eine erste Schülergeneration wuchs heran. Ihr gehörten Joseph Urshalmi [!] an und Jamshid Mirfenderski, die beide den Iran später verlassen haben. 1960 ist Aguilar gestorben und Simon Ayvazian übernahm seine Position am Teheraner Konservatorium. Bagher Moazen und Dariush Afrasiabi waren Ayazians Schüler und Nachfolger.
Seit den siebziger Jahren kamen zunehmend internationale Musiker für Konzerte ins Land, unter ihnen auch Gitarristen wie Scheit, Diaz, Yepes, Byzantine, oder Zelenka.

Mit der islamischen Revolution im Jahr 1979 wurde das Kulturleben im Iran heftig torpediert. Ein Musikinstrument zu spielen, entsprach nicht den ethischen Vorschriften des neuen islamischen Staats und speziell die Gitarre galt als Inbegriff westlicher Dekadenz. Hochschulen und Akademien wurden geschlossen, das Staatliche Sinfonieorchester auch. Immer mehr Intellektuelle verließen den Iran. Noten mit Gitarrenmusik zu kaufen wurde immer schwieriger, Kunst- und Musikzeitschriften mussten schließen.
Heute ist es so, dass überall im Land Musikschulen existieren, dass verschiedene Lehrwerke (auch) für Gitarre in Farsi übersetzt worden sind. Leider ist aber an der Tatsache, dass Frauen weitgehend von Tätigkeiten im öffentlichen künstlerischen Leben ausgeschlossen sind, nichts geändert worden. Trotzdem sind drei iranische Frauen als Gitarristinnen erfolgreich: Lily Afshar, die zwar in die USA ausgewandert ist, allerdings jedes Jahr in ihr Heimatland zurückkehrt, um dort als Lehrerin und Interpretin tätig zu sein, Carina Kimiaee, die inzwischen schon fünf CDs herausgebracht hat und Golfam Khayam. Golfam hat gerade einen Plattenvertrag mit ECM unterschrieben, die erste CD kommt im nächsten Frühjahr.

Robert Ferguson: An Interview with Lily Afshar (S. 14–17): Lily ist seit 1979 in den USA, hat dort studiert und ist heute Professorin für Gitarre in Memphis/Tennessee. Den Lesern von Gitarre & Laute ist sie bekannt als Autorin einer Artikelreihe über die „Caprichos de Goya“ von Mario Castelnuovo-Tedesco, die sie danach auch eingespielt hat.

Robert Fergusons Interview dreht sich nur marginal um den Iran und um die Verhältnisse, mit denen Gitarristen dort zu leben haben. Vielmehr behandeln seine Fragen und folglich auch Lilys Antworten die CDs, die sie eingespielt und das Repertoire, das sie dort präsentiert hat. Aber dann doch: Wie oft spielt sie in ihrer Heimat? Wie viele Zuschauer und Zuhörer kommen? Was spielt sie?

[Notenausgabe] Lily Afshar: Dokhtareh Boyer Ahmadi (The Girl from Boyer Ahmad), Traditional Persian Ballad from Lorestan. S. 19–21

[Notenausgabe] Omid Zoufonoun [Hrsg.]: Emshab Shabe Mahtabe (Moonlit Night). Introduction S- 22; Edition S. 23–24

[Notenausgabe] Ashkan Saberi: Three Sketches for Guitar Duo; Sketch Nº 1 (to Carisma Guitar Duo). Introduction S. 26–27, Partitur S. 28–33

Erin Young: 2015 Convention and Competition, GFA Convention and Competition Review, S. 34–37
Heather Morand Clark: 2015 Convention and Competition, GFA Convention and Competition Review, S. 38–44

Mark Small: Parkening Competition – The Parkening International Guitar Competition, S. 46–49

Judicaël Perroy: Pedagogy – Technical Practice and Sound Production, S. 50–51

[Hier eingegangen: 2015/10/16] Soundboard Scholar, Nº 1/2015 
„Soundboard Scholar“ ist das „Wissenschaftsjournal“ zum Thema Gitarre und Gitarrenmusik, herausgegeben von der Guitar Foundation of America. Ihr Chefredakteur kann, was sein Standing als Fachwissenschaftler angeht, kaum prominenter sein, es ist Thomas Heck.

Der Inhalt der ersten Ausgabe:
Panagiotis Poulopoulos: The Guitar as an „Open-air“ Instrument in the Early Romantic Era. S. 4–15
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erlebte die Gitarre nicht nur, dass sich standardisierte Besaitung und Bauweise durchsetzten (das Instrument von Sor, Giuliani und ihren Zeitgenossen), sondern auch Experimente, die das Ziel verfolgten, das Instrument praktischer, vielseitiger und „modischer“ zu machen, was seine Verwendung an öffentlichen Orten anging. Die Gitarre war erschwinglich, elegant und leicht zu halten und zu spielen. Und besonders wichtig: Die Gitarre war transportabel!
Verschiedentlich ist auf Bilddokumenten überliefert, dass die Gitarre in der Natur gespielt worden ist. Das war gelegentlich tatsächlich so, andererseits war es eine romantische Vorstellung: Musik in freier Natur.
Da der Gitarre aber immer wieder ihre mangelnde Lautstärke vorgeworfen wurde, hat es alternativ auch andere Instrumente für die Freiluft-Musik gegeben, dazu gehörten harp guitar, Csakan oder Orphica.

♦ Erik Stenstadvold: Fernando Sor on the Move in the Early 1820s. S. 16–25
Fernando Sor (1778–1839) ist 1813 von Spanien nach Paris emigriert, zwei Jahre später nach London umgezogen und 1823 aus bisher nicht bekannten Gründen nach Moskau – nach einem kurzen Intermezzo in Paris. 1826 oder im frühen 1827 ist er nach Paris zurückgekehrt.
Der Artikel von Erik Stenstadvold befasst sich mit einer Frage, die, so der Autor, bereits viele Fachwissenschaftler beschäftigt hat: Was hat Sor in seinen letzten Monaten in England getan und warum ist er kurzfristig nach Paris gezogen? Es ist bekannt, dass er eine Liebesaffäre mit einer Ballerina gehabt haben soll ... aber mehr?

Partch Harry Bitter Music♦ John Schneider: The Microtonal Guitars of Harry Partch. S. 26–37
John Schneider befasst sich seit langer Zeit mit Harry Partch (1901–1974) und seinen „monophon“ gestimmten Instrumenten mit 43 Tönen pro Oktave. Für diese Stimmung hat Partch mehr als zwei Dutzend Instrumente konstruiert und gebaut, ein ganzes Orchester, für das er auch komponiert hat. Die CD „Bitter Music“ wird demnächst hier besprochen!

♦ Ricardo Aleixo: An Uncatalogued Piece by Fernando Sor? S. 38–42
Hier geht es um ein Notenmanuskript das unter der Signatur MD-C-90 (4) in der Bibliothek des Convents der Descalzas Reales in Madrid aufbewahrt wird. Die Handschrift enthält drei Stücke für Gitarre, darunter zwei, die Fernando Sor zugeschrieben werden. Das erste, „Minué de Sors“ ist als Sors op. 23/6 bekannt, das zweite „Alemanda desors“ [sic] ist noch nicht offiziell als Werk von Sor nachgewiesen. Während neueste Forschungen ergeben haben, dass der aus Madrid stammende Verleger Salvador Castro de Gistau (ca. 1770–?) dieses Stück in seinem op. 6 mit dem Titel „Allegretto“ herausgegeben hat, wirft das Manuskript des Convents der Descalzas Reales neues Licht auf diese Komposition, die unter Umständen von Fernando Sor stammt. Das dritte Stück ist ein schlichtes zweiteiliges Minuet („Minué“), bestehend aus zwei achttaktigen Phrasen. Anders als die beiden anderen Stücke der Handschrift, ist dieses „Minué“ keinem Komponisten zugeschrieben.

♦ Robert Ferguson: Emil Herbrugger’s Grand Grecian Military March in Facsimile. S. 43–45
Der „GRAND GRECIAN MILITARY MARCH | Arranged for One or Two Guitars | BY | EMIL HEERBRUGGER“ ist in den 1830er Jahren veröffentlicht worden. Die Partitur enthält keinen ©-Hinweis, die Adresse des Verlegers aber, die unmittelbar unter der Stimmanweisung steht, erlaubt zumindest, das Jahrzehnt ihres Erscheinens mit Sicherheit festzulegen.