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ivanov kramskoj foto 215x300Er ist eine Legende, gilt als der Erneuerer der klassischen Gitarre in Russland und als Bewahrer verloren geglaubter Traditionen: Alexander Ivanov-Kramskoy (26.8.1912—11.4.1973). Früh machte Joszef Powroźniak hier auf ihn aufmerksam (Gitarre & Laute II/1980/Nº 5, s.28—31): "Zum Hauptpfeiler der klassischen Gitarrenmusik gehörte der früh verstorbene Schüler Agafošyns Aleksandr Iwanow-Kramskoj (1912—1973). Dieser Künstler war nicht nur ein konzertierender Gitarrist und Lehrer, sondern auch Komponist ungefähr 500 origineller Werke, darunter zwei Konzerte für Gitarre und Orchester und eine Schule für klassische Gitarre, die in vielen Auflagen erschien."

ivanov kramskoj cd 150x132Hier liegen nun Klangaufnahmen von Alexander Ivanov-Kramskoy vor, die er zusammnen mit dem Geiger Leonid Kogan und dem Cellisten Fyodor Lusanov 1950/1951 gemacht hat:

F. Gragnani, N. Paganini, M. Giuliani
Leonid Kogan, violin, Alexander Ivanov-Kramskoy, guitar, Fyodor Lusanov, cello
MELODIYA in Deutschland bei CODAEX, www.codaex.com, 1000655
Aufgenommen 1950/1951, erschienen 2008

Natürlich, die Violine ist das dominante Instrument dieses Repertoires, sie spielt die erste Geige, und doch haben wir es mit ausgewogener Kammermusik zu tun, die von den Musikern hier auch sehr sensibel das klangliche Ungleichgewicht auslotend gespielt wird. Die zwei kleinen Sonaten für Violine und Gitarre von Paganini (Opp. 2/1 und 3/4) sind die "Violinlastigsten". Sie belegen wortreich des Komponisten Anspruch darauf, zu den großen Virtuosen seiner Zeit zu gehören … und zwar auf der Violine, nicht der Gitarre, obwohl er auch dieses Instrument beherrscht hat! Hier kümmert die Gitarre als Begleitinstrument so vor sich hin. Das Allegretto der zweiten Sonate ist der keckste der insgesamt vier Sätze von Paganini — keck im Sinne von vorwitzig mit Virtuosität prahlend.

 

Gleich danach hören wir dann das ausgewogene Musizieren Gleichberechtigter: Trio für Violine, Cello und Gitarre von Mauro Giuliani. Man darf dankbar sein, dabei sein zu dürfen. Ist nicht Kammermusik eigentlich hauptsächlich für die Ausführenden geschrieben und weniger für außenstehende Zuhörer? Hier lauschen wir jedenfalls einem intimen Gespräch zwischen drei Gleichgesinnten. Einem Gespräch, keinem Streit!

Danke für diese historische Aufnahme, der man ihr Alter nicht anmerkt. Natürlich ist Alexander Ivanov-Kramskoy für uns die Hauptperson, aber auch Leonid Kogan (14.11.1924—17.11.1982) zu hören, den neben David Oistrakh berühmtesten Vertreter der russisch-jüdischen Geigertradition dieser Zeit, ist ein Vergnügen!